Studie zur Schlafproblematik und Schlaganfallrisiko bei Querschnittlähmung

Eine kanadische Studie belegt, dass Schlafstörungen und Fatigue bei Querschnittlähmung mehr Beachtung finden müssen, um Komplikationen, wie Schlaganfälle nach Rückenmarksverletzungen, vorzubeugen.

Wie in den Beiträgen Schlafstörungen bei Querschnittlähmung und Schlafapnoe bei Querschnittlähmung beschrieben, können gestörter Schlaf und Müdigkeit ein erhebliches Problem für Menschen mit Rückenmarksverletzungen darstellen. Vor allem Atmungsstörungen bringen die Gefahr mit sich, dass der Sauerstofffluss zum Gehirn gestört und damit das Schlaganfallrisiko erhöht ist.

Ausgangspunkt der Studie war die erhöhte Schlaganfallquote bei Menschen mit Querschnittlähmung, wie Studienleiter Dr. Aaron Phillips, Professor in der Abteilung für Physiologie und Pharmakologie und Mitglied des Libin Cardiovascular Institute of Alberta des CSM und Hotchkiss Brain Institute.

Das Forscherteam stellte fest, dass Müdigkeit und Schlafprobleme bei Menschen mit Rückenmarkverletzungen weit verbreitet sind und dass in dieser Gruppe schlafbezogene Atembeschwerden mit einer verminderten Gesundheit des Gehirns verbunden sind.

Schlafstörungen hängen von Ausmaß und Lähmungshöhe ab

Unter Verwendung eines Datensatzes von mehr als 60.000 Menschen zeigten die Forscher erstmals, dass Querschnittgelähmte mehr Fatigue erleben als Menschen ohne Behinderung. “Das Risiko von Fatigue ist bei Menschen mit Querschnittlähmung neunmal höher als bei anderen”, sagt Dr. Phillips (siehe auch: Fatigue – Chronische Erschöpfung bei Querschnittlähmung). “Ich glaube nicht, dass wir vor diesen Ergebnissen realisiert hatten, was für ein großes Problem Schlafstörungen und Müdigkeit für Menschen mit Rückenmarksverletzungen sind.”

Die Forscher fanden auch heraus, dass eine klinisch definierte Schlafapnoe bei Menschen mit Querschnittlähmung etwa viermal so oft vorkommt als bei anderen. Es zeigte sich weiter, dass Müdigkeit und Schlafstörungen mit der Lähmungshöhe und dem Ausmaß der Rückenmarksverletzung des Einzelnen zusammenhängen.

Die Forscher führten als nächstes eingehende Schlaf- und physiologische Studien durch, um zu testen, ob es nach einer Rückenmarksverletzung wissenschaftlich messbare Unterschiede in Schlafverhalten und -qualität gibt. Die ganztägige Polysomnographie dokumentierte Gehirnströme, den Sauerstoffgehalt im Blut der Teilnehmer sowie ihre Herzfrequenz und Atmung.

“Menschen mit Rückenmarksverletzungen litten unter einer starken Atembeschwerden während des Schlafes, was den Sauerstofftransport zu lebenswichtigen Organen wie dem Gehirn beeinträchtigt”, sagt Studienautor Dr. Jordan Squair. “Es geht nicht nur um einen guten Schlaf. Unsere Studie ergab, dass es einen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und der Gesundheit des Gehirns gibt.”

Blutgefäße im Gehirn gefährdet

Die Ergebnisse der Neuroimaging-Tests lieferten die entscheidenden Erkenntnisse: Sie ergaben, dass schlafbezogene Atembeschwerden bei Menschen mit Rückenmarkverletzungen mit einer verminderten Gesundheit der Blutgefäße im Gehirn verbunden waren. Dies ist eine wichtige Erkenntnis, da Menschen mit Rückenmarkverletzungen drei- bis viermal häufiger einen Schlaganfall erleiden als unverletzte Personen.

“Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass Mediziner die Beurteilung von Fatigue und schlafbezogenen Atemuntersuchungen in die Routineversorgung von Menschen mit Rückenmarksverletzungen integrieren”, sagt Phillips. Inwieweit dies allerdings in der Praxis Anwendung finden wird, ist noch offen.

Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin Neurology veröffentlicht. https://n.neurology.org/content/early/2019/11/06/WNL.0000000000008619

 

Fragen & Kommentare

Fragen & Kommentare zu diesem Artikel


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu hinterlassen.

Zur Registrierung geht es hier lang.