Nachrichten- und Informationssendungen für und über Menschen mit Behinderung

TV-Informationsformate, die sich regelmäßig mit den Lebenswelten von Menschen mit Behinderung befassen, gibt es nur wenige. Aber es gibt sie – wenn auch mitunter zu unkonventionellen Sendezeiten. Ein Überblick über Sendungen, die für Menschen mit Querschnittlähmung interessant sein könnten.

Bei der Frage, ob Nachrichten- und Informationssendungen speziell für Menschen mit Behinderung sinnvoll sind, teilt sich die Medienlandschaft: Einige Sender strahlen aus gutem Grund regelmäßig entsprechende Magazine oder Reportage-Reihen aus, andere Sender verzichten aus ebenso gutem Grund darauf und verweisen auf Formate, die sozialpolitische Schwerpunkte haben oder auf tagesaktuelle Relevanz.

Regelmäßige Informationsformate für Menschen mit Behinderung

Das Urgestein in dieser TV-Sparte ist vermutlich „Menschen – das Magazin“. Seit 2003 strahlt das ZDF dieses Reportageformat aus. Es hat eine ähnliche Ausrichtung wie die Zeitschrift „Menschen: inklusiv leben“, die von der Aktion Mensch herausgegeben wird. (Wie eng beide Formate verbunden sind, lässt sich bereits daran ablesen, dass die Zeitschrift der Aktion Mensch noch bis vor einigen Jahren „Menschen – das Magazin“ hieß).

Die Sendung begleitet Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag. Eine kleine Auswahl der Themen: „Selbstbestimmt wohnen“, „Mein Assistent hat Fell und Schnauze“, „Urlaub – alles inklusive“, „Mission Zukunft 2: Realitätsschock“. Moderiert wird das Magazin von Swea Schilling. Sendezeit: Jeden Samstag von 12:05 bis 12:15. Die Sendung bietet Platz für eine 10-Minuten-Reportage. Link zur Sendung: https://www.zdf.de/gesellschaft/menschen-das-magazin. … Achja: „Menschen – das Magazin“ ist etwas anderes als die Bekanntgabe der Wochengewinner der Lotterie „Aktion Mensch“. Diese werden jeweils sonntags von 19:28 bis 19:30, ebenfalls auf dem ZDF, bekanntgegeben.

Die 3-Sat-Sendereihe „Besonders normal“ ist die extended Version von „Menschen – das Magazin“: meist dieselben Protagonisten, aber hier wird ihnen statt 10 Minuten fast eine halbe Stunde Zeit gegeben, was auch bedeutet, dass mehr Raum und Zeit für weitergehende Informationen gegeben wird. Die Reportagen beleuchten menschliche Schicksale, und setzen sich mit der Frage auseinander, wie Teilhabe gelingen kann, was bisher erreicht wurde und welche Voraussetzungen noch geschaffen werden müssen, damit Inklusion gelingt. Sendeplatz: Jeder erste Freitag im Monat, um 12.30 Uhr. Link zur Sendung: https://www.3sat.de/gesellschaft/besonders-normal.

Auch das Bayerische Fernsehen widmet Menschen mit Behinderung eine eigene Doku-Reihe: Stolpersteine. Hier werden Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Handicaps und ihr Alltag portraitiert und ihre Geschichte erzählt, bisher wurde das Thema Querschnittlähmung jedoch noch nicht aufgegriffen. „Stolperstein“ will, so die Eigenbeschreibung, „in erster Linie Mut machen und zeigt Beispiele gelingender Inklusion – setzt aber, wenn nötig, auch kritische Akzente.“ Sendeplatz: unregelmäßig an Feiertagen im BR-Fernsehen. Link zur Sendung: https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/stolperstein/index.html.

Der MDR geht mit „Selbstbestimmt“ an den Start – meist als 30-minütiges Reportageformat (z. B. am 19.1.2020 „Der Gehirnchirurg – Operieren im Rollstuhl“, siehe auch Beitrag: Neurochirurg im Rollstuhl), zehnmal im Jahr in der Magazinversion. Moderator Martin Fromme geht dabei an Orte, die sich intensiv mit Inklusion befassen. In diesem Jahr war er u. a. auf der Werkstätten-Messe in Nürnberg oder auf einer inklusiven Segel-Regatta

„Selbstbestimmt“ erzählt vom Leben mit Behinderung. Es geht, so die E-Mail-Auskunft des Senders, um die Betroffenen selbst – um ihre Lebenseinstellungen und Möglichkeiten und Grenzen, ihr Leben zu gestalten. Der Begriff „Behinderung“ werde bewusst weit ausgelegt und orientiere sich am Selbstverständnis der Protagonisten. Sendezeit: Wöchentlich, jeweils sonntags, 8 Uhr. Link zur Sendung: https://www.mdr.de/tv/programm/selbstbestimmt100.html

Die Sendergruppe ProSiebenSat1 (u. a. Sat1, ProSieben, Kabel Eins) schließlich wartet mit dem Reportageformat „Challenge“ auf. Gezeigt wird jeweils eine 30-minütige monothematische Reportage mit dem Ziel, „Menschen mit einer Behinderung zu motivieren, nach ihren jeweiligen Voraussetzungen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und nichtbehinderten Menschen das Leben mit einer Behinderung näher zu bringen“, so die Eigenbeschreibung. Sendeplatz auf Kabel Eins: Erster Dienstag des Monats, ca. 2:00 Uhr. SAT.1 GOLD: erster Samstag, ca. 5:00 Uhr. Link zur Sendung: https://www.kabeleins.de/tv/challenge. Darüber hinaus greift ProSiebenSat.1 nach Eigenauskunft regelmäßig Themen aus der Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in non-fiktionalen und fiktionalen Formaten auf.

Berichterstattung innerhalb des regulären Programms

Der SWR hat sich entschieden, „das Thema Behinderung und Inklusion über die gesamte Programmfläche zu verteilen. Somit kann es mehr Wirkkraft entfalten als eine monothematische Einzelsendung zum Thema Behinderung oder Inklusion.“

Beispiele für Beiträge im SWR Fernsehen

  • Querschnittlähmung: „18-Jähriger kämpft sich zurück ins Leben“ (Landesschau Rheinland-Pfalz vom 18.10.2019).
  • „Querschnittsgelähmter hilft Betroffenen“ (Landesschau Rheinland-Pfalz vom 28.5.2019)
  • „Therapie mit Roboteranzug“ (Landesschau Rheinland-Pfalz vom 28.1.2019)
  • „Mensch Leute: Der Kämpfer – Lucas Weg zurück ins Leben“ (17.12.2018): Es war ein folgenreicher Fahrfehler, nur eine Sekunde, die Luca Biwers Leben komplett verändert hat. Als Mountain-Biker im Downhill-Nationalkader sorgte der 21-Jährige aus Gerlfangen für Furore und war auf dem Weg an die europäische Spitze. Doch dann jene Sekunde, die ihn aus seinem bisherigen Leben reißen sollte. Luca brach sich den dritten Halswirbel. Jetzt ist er vom Kopf abwärts gelähmt. Die “Mensch Leute”-Reportage zeigt, wie Luca diesen Schicksalsschlag erlebt und wie mühsam sein Weg zurück ins Leben ist. Aber Luca ist ein echter Kämpfer, er lässt sich nicht runterziehen und tut alles, um sich ein Stück Selbstbestimmtheit zurückzuerobern.

Auch Radio Bremen hat kein eigens für Menschen mit Behinderung konzipiertes Format im Portfolio, „Menschen mit Behinderung sind regelmäßig unregelmäßig Thema in unseren TV-Informationsformaten „buten un binnen“ und „buten un binnen Sportblitz“. Unsere Redaktionen unterscheiden dabei nicht nach Themen für Menschen mit oder ohne Behinderung, sondern alleine aufgrund des Nachrichtenwerts.“

Beispiele für Beiträge in „buten un binnen“:

Radio Bremen produziert natürlich auch Radio, in der E-Mail-Antwort weist die Pressestelle exemplarisch auf einige Hörfunkproduktionen hin:

Ähnlich wie SWR und Radio Bremen argumentiert auch der HR: „Spezielle Sendungen für Menschen mit Behinderungen haben wir nicht im Programm. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Themen, die Menschen mit Behinderungen betreffen und interessieren in unseren Servicesendungen, Ratgeberformaten und unserem Nachrichtenportal hessenschau.de besser aufgehoben sind. Sie erzielen dort eine größere Reichweite und liefern oft Argumente, um Dinge z.B. in der Kommunalpolitik zu verändern.“ Der NDR gibt zusätzlich den Tipp, auf die Inhalte von Medizinsendungen und kirchlichen Magazinen zu achten, die häufig einen Schwerpunkt auf sozialen Thematiken setzen.

Die Sender der Mediengruppe RTL Deutschland (u. a. RTL, VOX, n-tv) haben ebenfalls „aktuell kein Format, dass sich ausschließlich um das Thema „Behinderung“ dreht. Dennoch ist das Thema bei uns selbstverständlich regelmäßig präsent.“ Der Sprecher der Sendegruppe verweist u. a. auf diverse Unterhaltungsformate und zahlreiche Beiträge „in unseren Nachrichten und Magazinformaten bei RTL (rund 70 Beiträge bisher in 2019) oder n-tv.“

Österreich

Das ORF verweist auf eine Reihe in seinem Konsumentenmagazin „Konkret“ mit dem Titel „Ziemlich bestes Team. Hier wurden 12 Menschen mit Behinderungen bei ihrer Arbeitssuche über einen längeren Zeitraum begleitet. Aktuell gibt es kein vergleichbares Format, dafür punktet ORF+ mit einem Behinderten-Sport-Magazin: „Ohne Grnezen“, jeden zweiten Freitag um 21:15 Uhr. Moderiert wird das halbstündige Sportmagazin von Miriam Labus (bekannt u. a. als Mitglied des Nationalteams Wheelchair Dance Sport Austria) und Para-Schwimmer Andreas Onea. Link zur Sendung: https://tvthek.orf.at/profile/Ohne-Grenzen/4713297/OHNE-GRENZEN-das-Behindertensport-Magazin-Folge-134/14033532

Schweiz

Das SR-Fernsehen strahlt am Sonntag Morgen das mit SWR und BR produzierte Magazin „Sehen statt Hören“ aus – „darüber hinaus gibt es kein Format, dass sich ausschließlich an die Zielgruppe von Menschen mit Behinderungen richtet, vielmehr greift das SR Fernsehen die Themen, die Menschen mit Behinderungen treffen, regelmäßig in seinen verschiedenen TV-Formaten auf.“

Ein Lieblingsformat wurde vergessen? Die Redaktion freut sich über entsprechende Tipps, bitte einfach eine E-Mail an info@Der-Querschnitt.de!


Der Text behandelt ausschließlich Informations- und Nachrichtensendungen, reine Unterhaltungsfilme sowie fiktionale Serien und (TV-)Filme wurden nicht mitaufgenommen. Wer ein paar gemütliche Stunden mit einem guten Film verbringen möchte, findet entsprechende Filmtipps im Beitrag Anregungen im Beitrag Die glorreichen elf: Großes Kino mit oder über Querschnittgelähmte.

 

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