Persönliche Hygiene und Intimhygiene bei Querschnittlähmung

Laut der Definition der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie ist Hygiene die Lehre von der Verhütung der Krankheiten und der Erhaltung und Festigung der Gesundheit. Bei Querschnittlähmung muss hier ein besonderer Fokus liegen.

Im Gegensatz zu der kurativen Medizin geht es bei Hygiene darum, Gesundheit zu erhalten und Krankheiten zu vermeiden. Dies ist bei Querschnittlähmung besonders relevant, da das Immunsystem Betroffener häufig in Mitleidenschaft gezogen ist und die natürlichen Schutzmechanismen von z. B. Blase, Haut und Atemwege beeinträchtigt sind (siehe: Das Immunsystem). In der Akutphase (und bei weiteren Klinikaufenthalten) ist es vor allem das Klinikpersonal, das hier in der Verantwortung ist geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Und auch die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen müssen über Hygienemaßnahmen aufgeklärt werden und sie entsprechend umsetzen. Für ausführliche Informationen zur Händehygiene siehe: Infektionen vermeiden durch richtige Händehygiene und Bekämpfung resistenter Erreger: Der 10-Punkte-Plan.

Die richtige Händehygiene gehört zu den sichersten und einfachsten Maßnahmen im Kampf gegen Keime und ist damit auch ein wichtiger Aspekt bei der Prävention von sowohl Harnwegs- als auch Lungeninfektionen, zwei Komplikationen, die Menschen mit Querschnittlähmung in Abhängigkeit von der Lähmungshöhe (siehe auch: Der Einfluss der Lähmungshöhe) häufig erleben.

Menschen mit Querschnittlähmung sind aufgrund der ggf. gegebenen Dysfunktion des unteren Harntrakts stärker für Harnwegsinfekte gefährdet und das Blasenmanagement findet oft statt, indem Fremdkörper (Katheter) in die Harnröhre eingeführt werden. Bei der Verwendung von Kathetern muss große hygienische Sorgfalt herrschen (Zäch/Koch, 2006). Einmalkatheter stehen steril verpackt zur Verfügung, siehe hierzu: Antiseptische Lösungen zur Katheterisierung auf Rezept und Blick hinter die Kulissen: So werden Katheter keimfrei gemacht. Da Harnwegsinfekte meist von Darmbakterien verursacht werden, die in die Harnwege gelangen, kann auch die Ernährung eine große Rolle spielen, denn wenn im Darm vorwiegend „gute“ Bakterien vorhanden sind, kann die Infektgefahr u. U. reduziert werden (siehe auch: Der 7-Punkte-Plan zur Vermeidung von Harnwegsinfekten).

Bedingt durch den teilweisen oder kompletten Ausfall der Atemmuskulatur ist der Hustenstoß zur Befreiung der Atemwege herabgesetzt. Dadurch kommt es zu einer schlechteren Reinigung der Atemwege mit Sekretmanagement und einem hohen Risiko für Lungeninfektionen. Hier sind hygienische Aspekte bei der Tracheostomapflege und der Bronchialtoilette besonders wichtig (Zäch/Koch, 2006) siehe auch: Lungeninfektionen und Pneumonien vorbeugen mit LISA.

Persönlichen Hygiene

Aufgrund der Infektanfälligkeit (siehe: Das Immunsystem) ist es für Menschen mit Querschnittlähmung besonders wichtig, eine gute persönliche Hygiene zu praktizieren. Dabei ist zu beachten, dass

  • Tägliches Baden kontraproduktiv sein kann, da Baden die Haut austrocknet und so die natürlich vorhandene Schutzbarriere durchlässig machen kann.
  • Neben der Händehygiene das tägliche Reinigen von Fingernägeln (die zur Sicherheit kurzgehalten werden sollten) sinnvoll ist.
  • Gesicht, Achseln und Intimbereich täglich gesäubert und immer gründlich abgetrocknet werden sollten.
  • Bei der Verwendung von Puder bedacht werden muss, dass zu viel Puder zu Reizungen, Ausschlägen und generell trockener Haut führen kann.
  • Nach dem Baden oder Duschen ein gründliches Abtrocknen auch zwischen den Zehen und Fingern angezeigt ist.
  • Trockene Haut einer speziellen Pflege bedarf, um Irritationen vorzubeugen (craighospital, 2019).

Siehe auch: Die Haut bei Querschnittlähmung und Hautpflege bei trockener Haut

Intimhygiene

Da manche Menschen mit Querschnittlähmung vermehrt zu Blaseninfektionen neigen, ist die richtige Intimhygiene von großer Wichtigkeit. Allzu aggressive Maßnahmen sind allerdings nicht angezeigt.

Für Männer gilt: Das tägliche Waschen der äußeren Genitalien mit Wasser und evtl. einer ph-neutralen Seife reicht völlig aus. Zu beachten ist, dass wenn der Penis nicht beschnitten ist, sich Smegma (Talg, abgestorbene Hautzellen, Urin- und Spermarückstände) unter der Vorhaut sammelt. Es muss speziell vor der Verwendung des Katheters und generell bei der Intimpflege entfernt werden, da es sonst Keimen einen idealen Nährboden bietet, die beim Blasenmanagement in die Harnröhre gelangen können.

Für Frauen gilt: Das tägliche Waschen der äußeren Genitalien mit Wasser und evtl. einer ph-neutralen Seife reicht völlig aus. Eine Reinigung der Vagina selbst ist nicht notwendig, da sie sich selbst säubert, da mit dem Scheidensekret Keime abtransportiert werden.

Nicht empfohlen werden zudem Intimpflegetücher, -sprays und -deodorants, da sie die Haut unnötig reizen, austrocknen und so anfälliger für das Eindringen von Krankheitserregern machen.

Auch eine Scheidendusche ist weder notwendig und noch empfehlenswert, da sie oft chemische Inhaltsstoffe enthalten, die die Schleimhaut reizen und die Scheidenflora geschädigt werden kann. Das tägliche Waschen der Vulva mit Wasser (und evtl. unparfümierter, ph-neutraler Seife) reicht vollkommen aus (Ducharme/Gill, 2006). Zu weiteren Ausführungen zur Monatshygiene siehe: Menstruation und Querschnittlähmung.

Bei einer Querschnittlähmung können die oberen und unteren Extremitäten sowie die Rumpfstabilität beeinträchtigt sein. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gibt es verschiedene Hilfsmittel, die bei der Intimhygiene helfen können, z. B. Afterreiniger und Toilettenpapierhalter. Ebenfalls hilfreich können portable Poduschen sein (z. B. von Happy Po).

Siehe auch: Ergotherapie bei Querschnittlähmung – Den Alltag meistern

 

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