Ab ins Wasser! Hilfsmittel für querschnittgelähmte Wasser(sport)fans

Schwimmen, sich im Wasser bewegen oder sich einfach treiben lassen: Viele Menschen mit Querschnittlähmung lieben es, Zeit am oder im Wasser zu verbringen.  Mit passenden Hilfsmitteln und nützlichen Gadgets können sie sich den Freizeitspaß noch angenehmer gestalten. Einige Tipps.

Immer mehr Frei- und Hallenbäder werden so umgestaltet, dass auch Rollstuhlnutzer einfach ins frische Nass eintauchen können. Wo ist was möglich? Um das herauszufinden, kann man zunächst einmal einfach bei der Verwaltung des Wohnortes oder eines potenziellen Urlaubsortes anrufen und sich die Gegebenheiten vor Ort schildern lassen.

Der rollstuhltaugliche Überwurf von Rollimoden wärmt nach dem Schwimmen.

Oder man informiert sich im Internet. „Reisen für alle“ (siehe Beitrag: Einfach barrierefrei reisen) hat in seiner Suchmaschine viele Hallen- und Freibäder gelistet und nach ihrer Barrierefreiheit beurteilt. Unter dem Punkt „Menschen mit Gehbehinderung und Rollstuhlfahrer“ finden sich jeweils detaillierte Informationen: Werden Hilfsmittel wie ein schwimmbadtauglicher Rollstuhl angeboten? Gibt es einen Personenlift, um ins Wasser zu gelangen? Unterfahrbare Spinde in der Umkleide? Duschsitze? Einen für Rollstuhlnutzer passenden Tresen, wenn man sich eine Portion Pommes holen will? Zudem hat handi-move, u. a. Hersteller von Schwimmbadliften, auf seiner Website eine stattliche Liste mit Bädern (in Deutschland, Österreich und sogar auf Teneriffa) veröffentlicht, in denen seine Produkte den Transfer ins Wasser erleichtern (siehe Beitrag: Schwimmbäder mit Transferhilfen in Deutschland und Österreich).

Nicht überall ist ein Lift ins Wasser vorhanden. Mitunter machen querschnittgelähmte Schwimmer dann im Hallen- oder Freibad den Transfer ins Wasser direkt vom Beckenrand aus –und zweckentfremden dafür Duschkissen, wie sie z. B. Rollimoden anbietet: Um Verletzungen durch harte Fliesenkanten zu vermeiden, legen sie die flexiblen Matten auf den Beckenrand und lassen sich ins Wasser gleiten. Diesen Trick hat Maike Hahn beobachtet, die als lizensierte Fitness-Trainerin den Fitnessbereichs im Gesundheitszentrum der Manfred-Sauer-Stiftung leitet.

Ihrer Erfahrung nach ist das Schwimmen „für viele Menschen mit Querschnittlähmung eine optimale Sportart, denn es verbindet ein sehr schonendes Herz-Kreislauf-Training mit optimalem Training der Muskulatur.“  Für annähernd genauso wichtig wie das körperliche Training hält sie den psychologischen Effekt: „Leute, die sich zum ersten Mal nach Eintritt einer traumatischen Querschnittlähmung wieder ins Wasser trauen, müssen eine hohe Hürde überwinden. Vorher sind sie mit ihren vier Extremitäten geschwommen – und jetzt plötzlich sollen sie es nur noch mit zwei Segmenten schaffen?


Duschkissen – hier ein Modell von Rollimoden – können als Transferhilfe genutzt werden.

Wer das hinbekommt, hat einen großen Schritt hinter sich, was die Verarbeitung einer traumatischen Querschnittlähmung anbelangt“ (Ausführlichere Informationen – auch zu Schwimmtechniken – im Beitrag: Schwimmen mit Querschnittlähmung: Optimales Training für den Körper und die Seele).

Für  Menschen, die nicht schwimmen, sondern im Wasser entspannen wollen/können, gibt es Hilfsmittel: Poolnudeln  z. B. haben sich als Schwebehilfe und zur Unterstützung des Auftriebs des Körpers, bzw. der Beine, bewährt. Daneben gibt es u. a. – hochpreisigere – Spezialrollstühle wie den  „Sofao“ von handi-move, der komplett schwimmfähig ist und einfach ins Wasser gelassen werden kann. Zurück an Land dient er als Liegestuhl. Seine 15 kg lassen sich platzsparend zusammenklappen, er passt in einen gängigen Kofferraum.

Schon mit kleinen Bewegungen der Arme kann man sich im „Sofao“ fortbewegen.

Entwickelt wurde der Sofao laut Hersteller für Privatleute und therapeutische Einrichtungen. Und selbst für Beinahe-Schwimmer, die lieber auf der Wasseroberfläche bleiben, gibt es Lösungen, zum Beispiel schwimmende Scheiben, die per Joystick gesteuert werden (siehe Beitrag: Für Rollstuhlfahrer: Die schwimmende Untertasse). Für alle Schwimmhilfen gilt genauso wie für alle anderen Wasseraktivitäten: Bitte nur mit Begleitperson ins Wasser. Wobei das Wasser ja nicht immer in gekachelten Becken sein muss. Auch viele Badeseen sind inzwischen auf Rollstuhlnutzer als Gäste eingestellt, viele Strandbäder warten mit Rollstuhlrampen, Liften und Strandrollstühlen zum Leihen auf. Ein Überblick über einige wasser- und sandtaugliche Modelle findet sich im Beitrag Strandrollstühle – Für Sand, Wellen und Watt.

Textilien für den Badeausflug

Damit beim Schwimmen kein peinliches Malheur passiert, schlüpfen viele Menschen mit Querschnittlähmung sicherheitshalber und ergänzend zu ihrem Darm- und Blasenmanagement in Inkontinez-Bademode. Das Angebot in Sanitätshäusern und im Internet ist überwältigend: es reicht von Schwimmwindeln, über die man eine Badehose zieht, bis zu Inkontinez-Bademode, in die Sicherheitsslips eingenäht sind.

Halten die Sitzfläche des Rollstuhls trocken: Badetücher mit eingearbeiteter Folie, hier von Schürmann Reha-Mode.

Nach dem Schwimmen können sich Menschen mit Querschnittlähmung warm und bequem in Bademäntel einpacken, die speziell für Rollstuhlnutzer entworfen wurden. Rolli-Moden z. B. hat einen Überwurf in Bademantel-Optik (siehe Bild) im Katalog, der einen für Rollstuhlnutzer optimierten Schnitt hat: Vorne ist er knöchellang, hinten so kurz, dass der Stoff nur bis zur Sitzfläche reicht, was Stoffgehuddel und Faltenbildung um das Gesäß herum vermeidet. Das Fehlen von Ärmeln erleichtert das Überziehen. Material: 60 % Polyester, 40 % Baumwolle.

Die Schürmann Reha-Mode GmbH z. B. produziert in zwei Größen ein Badehandtuch, das an die Bedürfnisse von Rollstuhlnutzern angepasst ist: Dank eingearbeiteter wasserdichter Folie im Sitzbereich sorgt es dafür, dass das Sitzkissen der Rollstuhls trocken bleibt. Das Handtuch lässt sich mit Kordeln am Rollstuhl befestigen. Material: 100 % Baumwolle, Innenfolie: 100 % Polyurethan.


Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, die genannten Produkte stellen keine Empfehlungen dar, sondern dienen als Beispiele. Tipps für weitere Hilfsmittel nimmt die Redaktion gerne unter info@Der-Querschnitt.de entgegen.