Empfehlungen für Rollstuhlnutzer mit Atemproblemen und/oder Assistenzbedarf während der Coronakrise

In Zeiten der Coronapandemie gelten bestimmte Regeln. Diese Regeln im Umgang mit Mitmenschen sollen schützen: sich selbst und andere. Für Menschen mit Querschnittlähmung und speziell für Menschen mit Atemproblemen und/oder Assistenzbedarf spricht die Mayo Klinik in Minnesota, USA, besondere Empfehlungen aus.

Wie im Beitrag Querschnittlähmung und das Coronavirus erklärt, unterscheiden sich die Empfehlungen im Umgang mit der Corana-Situation für Menschen mit Querschnittlähmung nicht von den Empfehlungen für die Allgemeinheit. Man soll:

  • Hände mehrmals täglich und immer nach dem nach Hause kommen gründlich mit Wasser und Seife waschen.
  • Sozialkontakte auf ein Minimum beschränken.
  • Einen Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Menschen halten.
  • Vermeiden sich ins Gesicht zu fassen.
  • Nicht ausgehen, wenn man sich krank fühlt.

Physiotherapeutin Kristin Garlanger und Krankenschwester Lisa Beck, beides Mitarbeiterinnen der Mayo Clinic Minnesota, sprechen auf newsnetwork.mayoclinic.org darüber, was Menschen mit Querschnittlähmung, vor allem Menschen mit gestörter Atemfunktion und/oder Assistenzbedarf noch tun können um sich zu schützen.

„Wenn davon die Rede ist, mindestens 1,5 Meter Abstand zu einer anderen Person zu halten, ist das besonders wichtig für Rollstuhlnutzer“, sagt Beck. „Ihr Kopf ist niedriger als bei stehenden Personen, so dass Sie möglicherweise anfälliger für Tröpfchen sind, die entstehen, wenn eine infizierte Person hustet, niest oder spricht.“

Rollstuhlnutzern raten Garlanger und Beck auf jeden Fall den Mindestabstand einzuhalten. Zudem sollten sie nach Sozialkontakten bzw. nach dem nach Hause kommen nicht nur die Hände sondern auch das Gesicht waschen und die Flächen des Rollstuhls, die man oft anfasst (Greifreifen, Bremsen, Schiebegriffe etc.) mit einem Desinfektionsmittel reinigen (siehe hierzu: Infektionen vermeiden durch die richtige Händehygiene; im Beitrag wird auch auf Rollstuhlhygiene verwiesen).

Peter Axelson von Beneficial Designs gibt zudem den Hinweis die Hände und Greifreifen mit Desinfektionsmitteln abzureiben, wann immer man draußen oder in Kontakt mit anderen war. Wer sich nur die Hände wäscht, dann aber wieder an evtl. infizierte Greifreifen oder andere Oberflächen fasst, kontaminiert seine Hände erneut. Zur Reinigung der Greifreifen verwendet er für jede Hand einen in Desinfektionsmittel getränkten Lappen und fährt eine Runde durch die Wohnung. Zu weiteren Ausführungen von Axelson (in englischer Sprache) geht es hier.

Menschen mit Assistenzbedarf

Menschen, die persönliche Assistenten beschäftigen, schlägt das Team der Mayo Clinic Folgendes vor:

  • Bitten Sie den Assistenten, eine Maske zu tragen, wenn er bei Ihr zu Hause betritt und mit Ihnen arbeitet.
  • Bitten Sie den Assistenten bei Ankunft seine Hände zu waschen, bevor er Sie berührt.
  • Bitten Sie den Assistenten, darauf zu achten, dass er nicht sein Gesicht oder Ihr Gesicht berührt.
  • Lassen Sie den Assistenten vor der Ankunft seine Temperatur überprüfen.
  • Bitten Sie den Assistenten nicht zu Ihnen nach Hause zu kommen, wenn er Symptome wie Husten oder Fieber hat, oder wenn er mit jemand in Kontakt war, der diese Symptome hat.
  • Erstellen Sie einen Notfallplan zur Übernahme der Betreuung, wenn die Assistenten, die gewöhnlich für Sie arbeiten, ausfallen. Denken Sie dabei auch an das Einkaufen von Lebensmitteln, Medikamenten und Hilfsmitteln, das Zubereiten von Mahlzeiten und das Versorgen von evtl. vorhandenen Haustieren.

Menschen mit Atemfunktionsstörungen

Wenn man als Menschen mit Querschnittlähmung auf tägliche Beatmung angewiesen ist, muss auch hier sichergestellt werden, dass die Assistenten bei der Reinigung und Benutzung dieser Geräte die strengen gegebenen Richtlinien befolgen. Hier gibt das Mayo-Team Hygienetipps, die natürlich nicht nur in Zeiten von Corona gelten:

  • Medizinische Geräte müssen gemäß den Anweisungen des Herstellers gereinigt und desinfiziert werden.
  • Filter müssen gemäß den Anweisungen des Herstellers gewechselt werden.
  • Vor und nach der Arbeit mit dem Beatmungsgerät oder der zu beatmenten Person, müssen die Hände gründlich gereinigt werden.
  • Alle Beteiligten sollten darauf achten, dass der Assistent bzw. das Pflegepersonal eine Atemschutzmaske trägt, wenn Sekrete abgesaugt werden.

Allgemein legen Beck und Garlanger Menschen mit Querschnittlähmung und Atemproblemen nahe ein besonderes Augenmerk auf die Prophylaxe und Pflege der Atemwege zu legen. Sie empfehlen:

Übrigens: Für Menschen mit Atemfunktionsstörungen gilt die in Deutschland seit dem 27. April geltende Maskenpflicht im öffentlichen Raum nicht. Siehe hierzu: Coronavirus und Querschnittlähmung: Ausnahmen bei der Maskenpflicht.

Siehe auch: Querschnittlähmung und das Coronavirus