Delfintherapie bei Querschnittlähmung

Die tiergestützte Therapie kann bei der Rehabilitation von Menschen mit Querschnittlähmung sehr erfolgreich eingesetzt werden. Therapietiere sind meist Hunde oder Pferde. Aber auch Therapiestunden mit Delfinen sind möglich.

Tiergestütze Therapie bei Querschnittlähmung

Tiere können auf Menschen einen sehr positiven Einfluss haben. Beim Umgang mit dem Tier soll Stress abgebaut und verbliebene motorische Funktionen trainiert werden können. Bei z. B. der Hippotherapie (siehe: Hippotherapie bei Querschnittlähmung) sollen Körpergefühl, Balance und Muskelspannung (wichtig für den Abbau von Spastik) positiv beeinflusst werden. Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigte zudem, dass der Einsatz von Hunden bei der Ergotherapie von Menschen mit Querschnittlähmung Stress mindern und eine positive Grundeinstellung zu therapeutischen Maßnahmen erzeugen kann (siehe: Tiergestützte Therapie in der Rehabilitation bei Querschnittlähmung).

Delfintherapie

Delfintherapie wird von verschiedenen Anbietern weltweit (in Europa (-nähe) gibt es entsprechende Zentren z. B. in Bulgarien, der Türkei oder Ägypten) als geeignete Therapieform bei verschiedenen Erkrankungen und/oder ihren Folgen genannt. Querschnittlähmung gehört dazu.

Die Delfintherapie findet in einem abgeschlossenen Gewässer mit Delfinen in Gefangenschaft statt und wird laut Anbietern eingesetzt zu Behandlung von u. a. Autismus, Down-Syndrom, Depressionen, Neurosen, Schädel-Hirn-Trauma, Spinal bifida und Tetraparesen (für weitere Anwendungsfelder siehe hier). Dabei soll der Erfolg der Behandlung nicht alleine auf den Kontakt mit einem Tier oder Bewegung im Wasser zurückzuführen sein, sondern auch auf die harmonisierende, gewebeheilenden Wirkung der Sonarwellen, mit deren Hilfe die Delfine untereinander kommunizieren.

Für Menschen mit Querschnittlähmung kann sie interessant sein, wenn es um die Behandlung von chronischen Schmerzen, Spastik, vor allem aber die Verarbeitung von Traumata und die Akzeptanz der neuen Situation bei traumatisch eingetretener Querschnittlähmung geht.

Ein positives Beispiel wird in der Publikation Alternative Medicine and Spinal Cord Injury beschrieben: Ein Paraplegiker unterzog sich einer delfingestützten Craniosacral-Therapie (siehe: Craniosacral-Therapie – Manuelle energetische Behandlung be Querschnittlähmung) und berichtete über seine Erfahrungen mit dem Delfin Tina erstaunliches: „Tina positionierte sich an meinen Füßen und schickte einen Energieimpuls, es war so kraftvoll. Ich fühlte plötzlich wie pulsierende Energie durch meine Füße in meinen Körper und mein unteres Rückenmark strömte. Das Gewebe in meiner unteren Körperhälfte vibrierte buchstäblich. Am Tag nach der Therapiesitzung gab es ausgehend von meinen Füßen einen ständigen Fluss, eine konstante Bewegung von Impulsen, ein unbeschreibliches Kreisen von Synergie, das rotiert und pulsiert, ebbt und fließt, summt und pocht, vibriert und harmonisiert mit einer Unzahl von Empfindungen, die sich meine Beine auf- und abbewegen. Das ist mehr, als ich dort unten gefühlt habe, seit der Nacht, in der ich vom Baum gefallen bin. Heute Morgen hat sich das Energiegeflecht den ganzen Weg hinunter in meine Füße bewegt und pulsiert von dort nach oben. Es ist warm, würde ich sagen, ein fast glühendes Fühlen meiner Füße und Beine, meines Gewebes und meiner Knochen. Es fühlt sich so gut an.“ (Johnston, 2005) Über den Vergleich dieser Erfahrung mit der Craniosacral-Therapie ohne Delfin wird in der Publikation nichts berichtet.

Persönliche Erfahrung mit Delfinen

Frank Hüttenberger war bei seinem USA-Aufenthalt in Florida zu Gast im Dolphin Research Center. Nach einer Voranmeldung können hier Menschen (auch) mit Querschnittlähmung mit Delfinen schwimmen (siehe auch: Mit dem Rollstuhl: Rundreise in Florida). Ins Wasser gelangen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen per Lift; das Schwimmen findet unter Anleitung eines Trainers statt. Hüttenberger erzählt:

„Meine Frau und ich hatten uns im Vorfeld der Reise beim Dolphin Research Center gemeldet und den Besuch gebucht. Auf der Website findet man sofort die Angebote für Menschen mit Behinderung. Der Rollstuhl wäre überhaupt kein Problem, sagte man uns. Alle Wege sind rollstuhlgerecht und für den Transfer ins Wasser gibt es einen Lift. Das ist bezeichnend für die USA. Nicht nur dass es fast überall Angebote für Rollstuhlfahrer gibt, sondern dass sie auch offensichtlich beworben werden.

Wir durften zu den Delfinen ins Wasser, nach Anweisung der Trainerin Befehle geben und die Delfine streicheln. Schwimmen hätten wir theoretisch auch gekonnt, aber das hätte extra gekostet.

Im Bezug auf meine Querschnittlähmung hat diese halbe Stunde mit den Delfinen natürlich nichts gebracht. Aber darum ging es uns ja nie und ich stehe so unbewiesen Therapien auch eher skeptisch gegenüber. Aber das Erlebnis an sich war einfach unvergesslich und wie ich finde auch empfehlenswert. Im Dolphin Research Center leben etwas zehn Delfine in mehreren Becken auf einer Fläche, von der ich denke, dass sie etwas vier bis fünf Fußballfelder groß ist. Die Becken sind untereinander zugänglich und die Tiere dürfen alle paar Tage raus ins offene Meer. Auf ein Signal hin kommen sie zurück. Das ist schon sehr artgerecht.

Gekostet hat dieses Erlebnis für meine Frau und mich zusammen 220 Euro. Das ist schon okay für so ein einmaliges Erlebnis.“

Kosten

Eine halbe Therapiestunde mit den Delfinen kostet mehrere Hundert Euro abhängig von Veranstalter und evtl. auch Saison. Hinzu kommen die Kosten für Reise und Unterkunft. Von den Kassen werden die Kosten nicht (auch nicht anteilig) übernommen.

Kritik

Die schweizerische Organisation Oceancare gibt zu bedenken, dass es keine eindeutigen wissenschaftlichen Nachweise für eine nachhaltige Wirkung der Delphintherapie und insbesondere von Sonar gäbe. Positiv wirke sich aus, dass die Therapie an warmen Feriendestinationen angeboten wird. Im Wasser bewegten sich die Menschen zudem leichter und könnten mit Schmerzen besser umgehen (was sich auch die aquatische Körperarbeit zunutze macht). Wohltuend sei sicher auch die Präsenz der Tiere, doch dazu bedürfe es keiner Wildtiere wie Delfine. Auch domestizierte – d.h. an die Präsenz des Menschen gewöhnte – Tiere wie Hunde oder Pferde vermittelten ein Wohlgefühl.

Auch scheinen die Kosten für die Delfintherapie in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen zu stehen. Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF)

Sagt über die Delfintherapie bei Kindern: „Eine Delfintherapie birgt große gesundheitliche Risiken für Mensch und Tier. Inzwischen hat sich diese medizinisch und wissenschaftlich nicht anerkannte Pseudotherapie zu einem Millionengeschäft für Anbieter und Vermittler entwickelt. Die kommerzielle Delfintherapie ist in Deutschland verboten, sodass dubiose Anbieter wie in der Türkei, in Ägypten und in Übersee Eltern betroffener Kinder das Geld aus der Tasche ziehen.“