Chronische Entzündungen und Querschnittlähmung

Chronische Entzündungen können zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen. Dass eine Querschnittlähmung eine potentielle Ursache für chronische Entzündungen sein kann, ist wenig bekannt.

Akute Entzündungen sind körpereigene Reaktion auf schädliche Reize, die gewöhnlich mit Symptomen wie Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz und Beweglichkeitseinschränkungen einhergehen. Botenstoffe des Immunsystems bewirken dabei eine Erweiterung der Blutgefäße, sodass es an der Entzündungsstelle zu einer stärkeren Durchblutung kommt und das Gewebe durchlässiger für Blutplasma und Immunzellen wird. Das Ziel der Entzündung ist es, den schädigenden Reiz zu beseitigen und die Voraussetzungen für die Heilung zu schaffen.

Wenn die Entzündung oder der Reiz, der für die Immunreaktion verantwortlich ist, nicht beseitigt werden kann, kann die Entzündung chronisch werden. Dies ist für den Körper nicht mehr nützlich sondern schädlich, da chronische Entzündungen mitverantwortlich für die Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer, Arteriosklerose, Arthritis, Asthma, Demenz, Diabetes, Herzinfarkt, Krebs, Morbus Crohn, Multiple Sklerose, Neurodermitis, Parkinson, Schlaganfall und Schuppenflechte (KA, 2020) sein können. Denn bei einer Dauerbefeuerung durch das Immunsystem werden nicht nur Botenstoffe freigesetzt, die den Krankheitserreger bekämpfen. Je länger die Entzündung andauert, umso mehr wird auch gesundes Gewebe (nicht notwendigerweise an der Entzündungsstelle) angegriffen. Die Hauptursache für chronische Entzündungen sind Infektionen, aber auch eine Rückenmarksverletzung kann Grund für eine chronische Entzündung sein.

Chronisch Entzündungen bei Querschnittlähmung

Laut einem Beitrag von Nurse Linda, Mitarbeiterin der Christopher und Dana Reeve Foundation, beginnt im Fall einer Querschnittlähmung ab dem Zeitpunkt der Erkrankung oder Verletzung der Entzündungsprozess. Der Körper versucht den betroffenen Bereich des Rückenmarks mit den oben genannten Mechanismen zu schützen. Das zusätzliche Flüssigkeitsvolumen gelangt jedoch an eine Stelle in das Rückenmark, das in die starre Struktur der knöchernen Wirbelsäule eingebettet ist. Es gibt keinen zusätzlichen Raum für die Flüssigkeit und eine Ausdehnung nach außen ist unmöglich. Der kontinuierliche Zustrom von Gewebeflüssigkeit drückt auf die weiche Struktur des Rückenmarks, wodurch die Blutversorgung gemindert wird. Es kann zu weiteren Funktionsausfällen kommen.

Im Laufe der Zeit versorgt der Körper den geschädigten Bereich des Rückenmarks weiterhin mit zusätzlicher Flüssigkeit, während er versucht die Verletzung zu korrigieren. Daraus entsteht eine chronische Entzündung. Je nach den Besonderheiten der akuten neurologischen Verletzung können Medikamente wie Diuretika und Steroide eingesetzt werden, um die akute Entzündung zu verringern. Die Kontrolle der chronischen Entzündung ist viel schwieriger, da sich der Körper nun an eine neue Funktionsweise angepasst hat (reeve.org, 2020).Symptome chronischer Entzündungen

Die körperlichen Symptome einer chronischen Entzündung können schwer zu erkennen sein, da sie eher vage sind und auch Symptome anderer gesundheitlicher Probleme, die u. a. bei Querschnittlähmung auftreten, darstellen können. Personen mit einer chronisch stillen Entzündung (silent inflammation) können u. a. einige oder alle der folgenden Symptome haben:

  • Schmerzen in verschiedenen Körperstellen
  • Müdigkeit/Fatigue
  • Gewichtszunahme
  • Rote oder juckende Haut
  • Autoimmunkrankheiten
  • Neigung zu Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Infektionskrankheiten
  • Depressionen oder Angstzustände
  • Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Verstopfung, Sodbrennen etc.

Was tun beim Verdacht auf chronische Entzündungen im Körper?

Beim Verdacht auf chronische Entzündungen im Körper sollte man zunächst mit dem behandelnden Arzt sprechen und ihn bitten erhöhte Biomarker im Blut (C-reaktives Protein (CRP) oder hochsensitiven C-reaktiven Proteins (hsCRP)) zu bestimmen.

Wenn eine chronische Entzündung festgestellt ist, sollte man die Ursache suchen, finden und entsprechend behandeln. Zusätzlich kann man versuchen gegenzusteuern, indem man sich an folgende allgemeine Regeln hält:

1. Ernährung

Eine Ernährungsform kann Entzündung nicht beseitigen, aber evtl. ein weiteres Fortschreiten vermindern. Lebensmitteln, von denen man annimmt, dass sie Entzündungen hemmen sind z. B. kaltgepresstes Olivenöl, ballaststoffreiche Lebensmittel, Nüsse, insbesondere Mandeln und Walnüsse, grünes Blattgemüse, Tomaten, fetter Fisch aus Wildfang und zuckerarmes Obst wie Beeren. Meiden sollte man zuckerreiche und frittierte Lebensmittel, gesättigte und Transfettsäuren, Fertigprodukte und rotes Fleisch. Siehe hierzu: Ernährung bei Querschnittlähmung und Die Rolle der Ernährung in der Schmerztherapie

2. Bauchfett reduzieren

Vor allem die Fettablagerungen an der Taille können Entzündungen im Körper begünstigen. Eine Gewichtsreduktion kann helfen ihnen entgegenzuwirken. Siehe hierzu: Was tun bei Übergewicht? Abnehmen bei Querschnittlähmung

3. Schlafhygiene

Ausreichend erholsamer Schlaf ist wichtig zur Aufrechterhaltung der entzündungsregulierenden Prozesse im Körper. Wie eine gute Schlafhygiene aussehen kann, erklärt folgender Beitrag: Schlafstörungen bei Querschnittlähmung

4. Stressreduktion

Das Stresshormon Cortisol wirkt entzündungshemmend, verliert aber bei einer ständigen Ausschüttung (z. B. bei chronischem Stress) seine Wirkung. Entspannungsmethoden wie Yoga oder autogenes Training können helfen chronischem Stress entgegenzuwirken. Siehe hierzu: Entspannungsmethoden und Stressbewältigung – Wie kann ich Stress entgegenwirken?

5. Weitere Faktoren

Rauchentwöhnung und mehr Bewegung im Alltag sind ebenfalls förderlich bei der Bekämpfung von chronisch stillen Entzündungen.