Medizinische Fußpflege: Auch für Menschen mit Querschnittlähmung auf Rezept

Medizinische Fußpflege als Kassenleistung – das soll künftig auch für Menschen mit Querschnittlähmung möglich sein. Wenn Haut und Zehennägel ähnlich geschädigt sind wie bei Menschen mit diabetischem Fußsyndrom, können entsprechende podologische Therapien zulasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden.

Bisher haben die gesetzlichen Krankenkassen Maßnahmen der podologischen Therapie fast ausschließlich bei Menschen mit diabetischem Fußsyndrom übernommen. Nun hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Heilmittel-Katalog auch zugunsten von Menschen mit Querschnittlähmung erweitert. Die Änderungen sind seit 1. Juli 2020 in Kraft.

Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. In Form von Richtlinien formuliert er den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für etwa 70 Millionen Versicherte. An den G-BA-Beratungen nehmen auch Patientenvertreter teil. Und auf Antrag der Patientenvertreter wurde nun auch für Menschen mit Querschnittlähmung die Möglichkeit geschaffen, sich in medizinisch begründeten Fällen eine podologische Behandlung verschreiben zu lassen.

Folgeerkrankungen vermeiden

„Eine fachgerecht durchgeführte Hornhautabtragung und Nagelbearbeitung soll Folgeschädigungen wie Entzündungen vermeiden, die im schlimmsten Fall zu einer Amputation des Fußes führen können,“ erläutert Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses „Veranlasste Leistungen“ in einer Pressemeldung. Auch in Folge anderer Erkrankungen als dem diabetischen Fußsyndrom könnten „vergleichbare Schädigungsbilder auftreten, die mit podologischer Therapie wirksam behandelt werden können. Um auch hier schwerwiegenden Folgeerkrankungen entgegenzuwirken, hat der G-BA die Verordnungsfähigkeit der podologischen Therapie insgesamt ausgeweitet.“

Podologische Therapie auf Rezept gibt es künftig für Patienten, bei denen „nachweislich eine Schädigung des Fußes besteht, die mit dem diabetischen Fußsyndrom vergleichbar ist und auf ähnliche Sensibilitätsstörungen – auch verbunden mit Durchblutungsstörungen – zurückzuführen ist.“ Also auch bei Schädigungen als Folge einer sensiblen oder sensomotorischen Neuropathie sowie eines Querschnittsyndroms.

Anspruch auf Heilmittel durchsetzen

Die medizinische Fußpflege, aber auch andere Leistungen wie Krankengymnastik oder Stimm- oder Sprechtherapie, zählen zu den „Regelungen und ihre Rechtsverbindlichkeit“ auf Reha-Recht.de beschäftigt sich die Expertin für Arbeitsrecht und Sozialrecht, Prof. Katja Nebe, mit der Verbindlichkeit von „untergesetzlichen Regelwerken“. In einigen Fällen habe der Gesetzgeber deren rechtliche Verbindlichkeit ausdrücklich angeordnet. „Allerdings muss im Einzelfall immer geprüft werden, ob wegen individueller Besonderheiten Abweichungen notwendig sind. In keinem Fall kann die Anwendung einer untergesetzlichen Regelung einen gesetzlich geregelten Anspruch verkürzen“ (Nebe, 2011).


Was man seinen Füssen generell an Gutem tun kann, zeigt der Beitrag Fünf für die Füße: Fakten und Tipps, die Menschen mit Querschnittlähmung kennen sollten.

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