Rente wegen Erwerbsminderung: So viel darf man dazuverdienen

Wer Rente wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung (EM) bezieht – so wie viele Menschen mit Querschnittlähmung -, darf Geld dazu verdienen. Allerdings gelten strikte Regeln für die Stundenzahl, zudem gelten seit 2023 neue Hinzuverdienst-Grenzen. Wer diese Obergrenzen überschreitet, riskiert eine Kürzung oder sogar das Aus seiner EM-Rentenbezüge.

Wer Erwerbsminderungsrente bezieht, darf für Geld arbeiten gehen – aber es gelten Limits.

Wer einfach nur in die Jahre gekommen ist und nun Anrecht auf eine Altersrente hat, muss sich um mögliche Rentenabzüge wegen eines Jobs keine Gedanken machen: Er darf so viel zur Rente dazuverdienen, wie er möchte. Zum 1. Januar 2023 fielen auch für vorgezogene Altersrenten die Hinzuverdienstgrenzen. Alle Altersrentner können nun so viel dazuverdienen, wie sie wollen. Anders sieht es bei Menschen aus, die eine volle oder teilweise Rente wegen Erwerbsminderung (EM-Rente) beziehen. Bei Erwerbsminderungsrenten gelten weiterhin Hinzuverdienstgrenzen. Die Grenzen wurden allerdings angehoben und an die Entwicklung der sogenannten Bezugsgröße angepasst.

Einige wichtige Eck-Punkte:

  • Als Hinzuverdienst gelten der Bruttoverdienst aus abhängiger Beschäftigung, der steuerrechtlich relevante Gewinn aus selbstständiger Arbeit, einem Gewerbe oder ähnlichem sowie manche Sozialleistungen.
  • Abgerechnet wird immer für ein ganzes Kalenderjahr – es ist unerheblich, ob die Summe gleichmäßig verteilt auf zwölf Monate verdient wird oder in einem kürzeren Zeitraum.
  • Anders als noch vor ein paar Jahren gibt es bei der Berechnung keine Unterschiede mehr zwischen Ost- und West-EM-Rentnern.
  • Die Berechnungsgrundlagen gelten auch für Renten, die bis zum 30. Juni 2017 als Berufsunfähigkeitsrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente ausbezahlt wurden.
  • Die Tätigkeiten müssen dem Rententräger gemeldet werden.

Die zwei Arten der Erwerbsminderungsrente


§ 43, Buch VI des Sozialgesetzbuches trifft folgende Unterscheidung:

• Als voll erwerbsgemindert gilt u. a. ein Versicherter, der „wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande ist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten.“
• Als teilweise erwerbsgemindert gilt u. a. ein Versicherter, der „wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes nicht mindestens sechs Stunden täglich“ arbeiten kann. (Für weiterführende Informationen zum Thema EM-Rente siehe Beitrag: Rente wegen Erwerbsminderung)

Erster Step für alle Betroffenen:

Vor dem Beginn einer Erwerbstätigkeit sollte man sich beim Rentenversicherungsträger ausführlich beraten lassen. Dort bekommt man Informationen darüber, was überhaupt zu den Einkünften gezählt wird, wie viel der Einzelne verdienen darf und wie lange er arbeiten darf.

Gerade die Dauer der Arbeit kann entscheidend sein, denn es gibt ein sogenanntes Restleistungsvermögen: Wie viel kann ein Mensch trotz gesundheitlicher Einschränkungen oder Behinderung(en) noch an Arbeitsleistung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bringen? Bei voller EM sind dies weniger als drei Stunden täglich, bei teilweiser EM weniger als sechs Stunden täglich (siehe Info-Kasten 1). Wird mehr gearbeitet, wird der Anspruch auf die EM-Rente überprüft.

Berechnung bei teilweiser EM

Diese Rente ist für Menschen konzipiert, die mehr als 3 Stunden aber weniger als 6 Stunden täglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können. Nach wie vor gilt die sogenannte Hinzuverdienstgrenze, die sich am höchsten beitragspflichtigen Jahreseinkommen der letzten 15 Jahre vor Eintritt der EM orientiert.

Die Mindesthinzuverdienstgrenze für 2023 beim Bezug einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung liegt 2023 bei 35.647,50 Euro (siehe Info-Kasten 2). Für die meisten Bezieher von EM-Rente dürfte diese Grenze relevant sein. Einzige Ausnahme: Menschen, die vor dem Eintritt der EM sehr viel Geld verdienten, kommen eventuell als EM-Rentner mit ihrem Hinzuverdienst über diese Mindestverdienstgrenze. Für sie können individuell höhere Grenzen berechnet werden (s.o.). Für alle anderen gilt die Mindesthinzuverdienstgrenze von aktuell (2023) 35.647,50 Euro..

Egal, ob Mindestgrenze oder individuell: Wer über seine Hinzuverdienstgrenze kommt, dem werden 40 Prozent des Mehrverdienten auf die Rente angerechnet – sprich: von der Rente abgezogen. Theoretisch ist es also sogar möglich, so viel dazuzuverdienen, dass die EM-Rentenzahlbeträge auf null schrumpfen. Doch die größere Limitierung gibt die Frage nach dem Restleistungsvermögen vor. Um es noch einmal zu betonen: Wird mehr als 6 Stunden täglich gearbeitet, wird der EM-Rentenanspruch an sich überprüft.

Berechnung bei voller EM

erwerbsgemindert ist, darf sich etwas dazu verdienen. Bis 2022 waren maximal pro Kalenderjahr  6.300 Euro erlaubt. Seit 2023 gilt bei voller Erwerbsminderung eine Hinzuverdienstgrenze, die jährlich dynamisiert wird. 2023 liegen diese bei 17.823,75 Euro (siehe Info-Kasten 2).

Wer mehr verdient, bekommt einen Teil von der Rente abgezogen, wie viel, wird mit derselben 40-Prozent-Rechnung wie bei der teilweisen EM berechnet. (Auch hier sei noch einmal der Hinweis auf die Begrenzung durch das rentenentscheidende Restleistungsvermögen erlaubt.)

Bezugsgrößen und Berechnung der Hinzuverdienst-Grenze


Die Bezugsgröße ist ein rechnerischer Wert, mit dessen Hilfe Sozialleistungen berechnet werden. Die Bezugsgröße orientiert sich am durchschnittlichen Arbeitsentgelt aller Rentenversicherten im vorvergangenen Jahr (die Bezugsgröße für 2023 wird also aus den Arbeitsentgelten des Jahres 2021 berechnet).

Da die Bezugsgröße sich jährlich ändert, ändern sich jährlich auch die Hinzuverdienstgrenzen für Menschen, die eine EM-Rente beziehen. Diese werden damit automatisch der der Gehaltsentwicklung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland angepasst.

Weiterführende Informationen gibt u.a. die Deutsche Rentenversicherung auf folgenden Seiten:


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Unter keinen Umständen ersetzt er jedoch eine rechtliche oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch eine juristische Fachperson oder Menschen mit Qualifikationen in den entsprechenden Fachbereichen, z.B. Steuerrecht, Verwaltung. Der-Querschnitt.de führt keine Rechtsberatung durch.