Gehört: Roll.on. Das war‘s dann wohl mit Frauenheld!

Wie gehen Menschen mit einer traumatischen Querschnittlähmung um? Wie kann es weiter gehen, wenn das Leben so grundlegend verändert wird, und wie kann die Kunst dabei helfen, zu einem neuen Ich zu finden? In Roll.on erzählt Mundmaler Lars Höllerer seine Geschichte.

Roll.on. Das war‘s dann wohl mit Frauenheld! Ist die Biographie des renommierten Mundmalers Lars Höllerer, der im Alter von 21 bei einem Motorradunfall zum Tetraplegiker wurde. Er schreibt mit Witz und Selbstironie von seinem Leben. Das Hörbuch liest Jens Wenzel, dessen Stimme wunderbar zum Ton der Geschichte passt.

Aus dem Inhalt

Es ist ein sonniger Tag im Mai 1991, als Lars Höllerer mit seinem neu gekauften Motorrad verunglückt. Die Diagnose: Tetraplegie mit völligem Funktionsausfall in Armen und Händen .
Nach anfänglichen Depressionen und Selbstmordgedanken, die alle an der fehlenden Barrierefreiheit von Brücken oder der unmittelbaren Nähe der Wasserschutzpolizei scheitern, lernt der damals 21-Jährige, sein neues Leben zu akzeptieren.

Höllerer erzählt von der Unausweichlichkeit des Schicksals, von der mehr als einjährigen Rehabilitation, vom Neubeginn und dem Studium der Ölmalerei. Und von skurrilen und dramatischen Begebenheiten im Leben eines Rollstuhlfahrers inkl. schusseligen Zivis und abenteuerlichen Reisen. Er macht deutlich: Nur weil ihm das Leben bei seinem Unfall zugerufen hat „Setzen! Sechs!“ – und das Lebenslänglich – bedeutet das noch lange nicht, dass er dabei auf der Strecke bleiben muss.

Die Mundmalerei

Nach der Frage „Wie soll es jetzt nur weitergehen?“ und der Gewöhnung an die neue Mobilität im Elektrorollstuhl, wird Höllerer von seiner Ergotherapeutin an die Mundmalerei herangeführt. Er malt den Prototyp aller Erstlingswerke – ein Haus mit Garten und Bäumen, Menschen, einem Himmel mit Wolken und Sonne – und ist von sich selbst ganz begeistert. Dann erfolgt das Urteil der Ergotherapeutin: „Toll! Kühe an einer Futterstelle und Ufos am Himmel. Was für eine Phantasie du doch hast! Aber was ist das eckige Ding oben in der Ecke?“ „Das ist die Sonne“, erklärt Höllerer pikiert, wendet sich an weitere Kritiker zur Begutachtung und findet auch dort keine Bestätigung. Von seinen späteren Erfolgen als Mundmalerei lässt dieser Dialog zunächst nicht schließen, doch er lässt sich nicht entmutigen und findet seine neue Erfüllung in der Kunst, in der er es bald schon zur Meisterschaft bringt.

Wie liest hört es sich?

Obwohl Höllerer keinen Zweifel daran lässt, dass sein Unfall und die traumatische Querschnittlähmung auf Halswirbelhöhe ein Ereignis war, dass sein Leben in seinen Grundfesten erschütterte, erzählt er seine Geschichte ohne jeden Pathos, legt den Schwerpunkt nicht auf das Problem, sondern auf dessen Lösung, und zieht nur anfangs Vergleiche zu seinem früheren Alltag. Die leicht ironische Stimme von Sprecher Jens Wenzel trägt zum Unterhaltungswert optimal bei. Es macht Spaß zuzuhören, wie Höllerer seinen ungeliebten (weil schnarchenden), ebenfalls tetraplegischen Zimmernachbar in der Reha-Klinik loswird, weil dieser wegen Heroinhandels geschnappt wird. Ebenso lustig sind seine Ausflüge in den Kindergarten, bei denen ihn die Kinder mit wunderbarer Unbefangenheit ausfragen. Und die Zivis, mit denen man eindeutig Spaß haben konnte…

Auch die Liebe kommt in Höllerers Geschichte nicht zu kurz. Und anders als er es sich vor seinem Unfall vorgestellt hatte, wird er doch noch zum Frauenheld.

Virtueller Tagebucheintrag: Jedes Kapitel schließt mit einem virtuellen Tagebucheintrag ab. In diesen nennt Höllerer die Lehren, die er aus den beschriebenen Ereignissen zieht und wie er in Zukunft gedenkt mit sich oder seinen Mitmenschen umzugehen.

Das Hörbuch

  • Roll.on. Das war‘s dann wohl mit Frauenheld!
  • Von: Lars Höllerer
  • Gelesen von: Jens Wenzel
  • 4 CDs: Laufzeit: ca. 5 Stunden
  • ISBN: 978 3 00 062544 2
  • Preis: 19,90 Euro (Stand Dez. 2019)

Oder als Taschenbuch

  • Seiten: 188
  • ISBN: 978 3 743 19029 0
  • Preis: 10 Euro (Stand Dez. 2019)

Über den Autor

Lars Höllerer wurde am 27.09.1969 in Überlingen am Bodensee geboren. Im Mai 1991 hatte er einen schweren Motorradunfall und ist seither vom Hals abwärts gelähmt. Von März 1997 bis Anfang 2003 besuchte er die freie Kunstakademie in Mühlhofen bzw. in Überlingen. Seine Bilder malt er mit dem Mund.

Höllerer besucht regelmäßig Kindergärten, um Kindern die Mundmalerei zu zeigen und ihnen gleichzeitig dadurch den normalen Umgang mit behinderten Menschen zu vereinfachen.

Für weitere Informationen, Beispielbilder und Hörproben siehe: www.kunst-mit-dem-mund.de