Coronavirus: Mund-Nasen-Schutzmasken sinnvoll (nicht nur) für Menschen mit Querschnittlähmung

Mundschutz, Mund-Nasenschutz, Atemschutz-, Behelfs- und Gesichtsmasken… Diese Begriffe werden oft synonym verwendet, doch welche Masken sind wie und in welchem Maße geeignet zum Schutz vor Infektionen? Im Folgenden einige Erläuterungen:

Generell zählen die „Masken“, wie sie landläufig genannt werden, zu den Schutzmaßnahmen. Die Frage, die sich dabei aber stellt – wen oder was schützen sie?

Atemschutzmasken – Schützen den Träger

Atemschutzmasken auch Partikelfiltermasken genannt, dienen dem Träger als Schutz vor Mikroorganismen, die mit Tröpfchen (z. B. Corona-Virus ) oder Aerosolen übertragen werden können. Es gibt sie in den Klassen  FFP2- und FFP3 (FFP steht für filtering face piece) und nur in diesen Klassen haben sie eine nennenswerte Schutzfunktion. Diese Masken werden im medizinischen Bereich eingesetzt zum Schutz des Personals. Das Atmen mit diesen Masken ist erschwert, da diese Masken sehr dicht sind und dadurch der Atemzug mehr Kraft erfordert. Es gibt diese Masken mit und ohne Ventil. Die Masken sind nach der DIN-Norm  bzw. EN 149 geprüft.

Mund-Nasen-Schutzmasken – Schützen das Umfeld

Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS), auch OP-Masken oder chirurgische Masken genannt, schützen das Umfeld – z. B. bei einer Operation schützen sie den Patient vor dem Operateur. Ausgeatmete Tröpfchen sollen nicht auf das Operationsfeld oder die Umgebung gelangen. Daher werden diese Mund-Nasen-Schutzmasken bei sterilen Arbeiten, in der Produktion von Medizinprodukten eingesetzt oder aber auch bei erkrankten Personen, die ihr Umfeld schützen wollen. Der Mund-Nasen-Schutz liegt nicht so fest an wie eine Atemschutzmaske, daher ist das Atmen nicht erschwert.

In einer gemeinsamen Stellungnahme empfehlen die deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP), die Deutsche Stiftung für Querschnittlähmung (DSQ) und die Fördergemeinschaft für Querschnittgelähmte (FGQ) in Anlehnung an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Robert-Koch-Institut (RKI): „Wenn sich eine an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankte Person im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) oder einer alternativen, ggf. textilen Barriere im Sinne eines MNS durch diese Person sinnvoll sein (Schutz der Mitmenschen). Für die optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass ein Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzt (d.h. möglichst enganliegend getragen wird), bei Durchfeuchtung gewechselt wird, und dass während des Tragens keine (auch keine unbewussten) Manipulationen daran vorgenommen werden.“

Atemschutz- und auch Mund-Nasen-Schutzmasken sind derzeit nur bedingt erhältlich und sollten außerdem vor allem medizinischen Einrichtungen zur Verfügung stehen. Verschiedene ggf. auch branchenfremde Hersteller stellen seit Ausbruch der Corona-Pandemie solche Behelfsmasken aus Stoff oder Vlies her. Wie effektiv diese Masken sind, wird diskutiert.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat zu dem Thema eine Graphik veröffentlicht, die hier einzusehen ist.

Zu Behelfs-Mund-Nasen-Schutzmasken aus Stoff gibt es verschiedene Anleitungen zur eigenen Anfertigung (siehe unten). Aber wie sinnvoll ist das Tragen solcher Masken im Vergleich zu industriell hergestellten?

Behelfsmasken tragen: Sinnvoll, wenn es alle machen.

2009 (nach dem Ausbruch der Schweinegrippe) stellte ein Team der University Cambridge die Frage, wie effektiv selbstgenähte Mund-Nasen-Schutzmasken (Behelfsmasken) im Vergleich (nicht zu den schützenden und vergriffenen Partikelschutzmasken) zu industriell hergestellten OP-Masken sind. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass OP-Masken 80% der Partikel auffangen könnten, während selbstgemachte Masken aus Baumwolle immerhin noch 50% der Partikel aufhielten. Dies setzte das Team in Relation zum Tragen von überhaupt keiner Maske, bei dem die Umwelt vor genau 0% der Partikel, die ein Individuum ausatmet, geschützt würde. Die Forscher resümierten, dass das Tragen von selbstgemachten Masken immer noch besser als gar keine Schutzmaßnahmen sei, wenn es um die Vermeidung der Weitergabe von Infektionen ginge.
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Ende März 2020 gehen die Empfehlungen zum Tragen oder Nicht-Tragen von selbstgemachten oder industriell hergestellten Behelfs- bzw. Community-Masken aus Stoff in Richtung „Tragen“. Dies sei vor allem dann sinnvoll, wenn alle es täten. In asiatischen Ländern wie Hongkong oder Südkorea, in denen schon seit Beginn der Corona-Pandemie das Tragen von z. T. selbstgemachten Behelfsmasken die Norm ist, breitet sich das Virus messbar langsamer aus, als in Ländern, in denen diese Vorsichtsmaßnahme nicht getroffen wurde bzw. wird.
 
Das Robert Koch Institut (RKI) spricht sich am 2. April für das Tragen von Behelfsmasken aus und revidiert damit vorherige Empfehlungen. Mit ihnen könne das Risiko verringert werden, andere Personen durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken. Zudem sei ein psychologischer Effekt gegeben, da das sichtbare Tragen der Masken ein Bewusstsein für das physical distancing (d. h. einen Abstand von mind. 1,5 Metern zu wahren) unterstützt werden könne. Siehe: Informationen des Robert Koch Instituts zum Tragen von Behelfsmasken
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Auch der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt appelliert an die Bevölkerung, einfache Behelfsmasken zu tragen. „Das Tragen auch von einfachen Masken kann bei der Eindämmung des Corona-Virus sinnvoll sein“, so Reinhardt in einer Pressemitteilung. Die einfachen Masken aus Stoff oder anderen Materialien seien nur ein Hilfskonstrukt, aber dennoch besser als Nichts. „Mein Rat: Besorgen Sie sich einfache Schutzmasken oder basteln Sie sich selber welche und tragen Sie diese im öffentlichen Raum. Diese Masken garantieren keinen Schutz vor Ansteckung. Aber sie können ein wenig helfen, das Risiko zu verringern, andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden.“
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Partikelfiltermasken sollten nur von Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten oder Vorerkrankungen haben, verwendet werden.
 

Update: 27.4.2020

Ausnahmen bei der Maskenpflicht

Seit dem 27. April gilt in Deutschland eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und in öffentlichen Gebäuden sowie beim Einkaufen. (Zu einer entsprechenden Empfehlung des Robert Koch Institutes geht es hier.) Menschen, deren Gesundheitszustand das Tragen eine Maske nicht zulässt, sind von dieser Regelung ausgenommen. Bei Menschen mit Querschnittlähmung könnte z. B., wenn eine Atemfunktionsstörung vorliegt, das Tragen einer Maske zu Atemnot führen. Eine entsprechende Bescheinigung eines Arztes ist in solchen Fällen immer mit sich zu führen.

Siehe hierzu die Anmerkungen im Bußgeldkatalog hier.

Zum Umgang mit Behelfsmasken

Wer selbstgemachte oder gekaufte Behelfs- bzw. Community-Masken aus Stoff verwendet, muss dabei einiges beachten.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Empfehlungen zum Umgang mit Behelfsmasken herausgegeben. Hier einige Einblicke:

  • Masken nur für den privaten Gebrauch nutzen.
  • Auf Hygienevorschriften achten.
  • Trotz Maske Sicherheitsabstand von mind.1,5 Metern einhalten.
  • Vor dem Anlegen Hände waschen.
  • Maske richtig über Mund, Nase und Wangen platzieren. An den Rändern sollte sie möglichst eng anliegen, um das Eindringen von Luft an den Seiten zu minimieren.
  • Durchfeuchtete Maske umgehend abnehmen und ggf.
  • Außenseite der gebrauchten Maske möglichst nicht berühren, da Erreger darauf sein können.
  • Nach Absetzen der Maske Hände unter Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln gründlich waschen; siehe: Infektion vermeiden mit der richtigen Händehygiene.
  • Maske nach dem Abnehmen in einem Beutel luftdicht verschlossen aufbewahren oder sofort waschen. Die Aufbewahrung sollte nur über möglichst kurze Zeit erfolgen, um vor allem Schimmelbildung zu vermeiden.
  • Masken nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad waschen. Anschließend vollständig trocknen lassen.
  • Sofern vorhanden, unbedingt alle Herstellerhinweise (auch zur Lebensdauer) beachten.

Zu den Ausführlichen Empfehlungen und weiteren Hinweisen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zum Umgang mit Behelfsmasken geht es hier. In den Empfehlung wird auch noch einmal deutlich dargestellt, wie sich Behelfs- bzw. Community-Masken und Filtermasken unterscheiden und wen bzw. vor was schützen.

Behelfsmasken selber machen

Wie man mit etwas Geschick einen Behelfsmasken selbst herstellen, damit beschäftigen sich verschiedene Anleitungen* die im Internet zu finden sind:
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Update: 07.05.2020

Risiken des Tragens vom Masken

Wenn man Masken über einen längeren Zeitraum trägt, kann dies die Haut erheblich irritieren. Vorsichtsmaßnahmen müssen vor allem von Pflegenden ergriffen werden. Siehe hierzu: Vorsicht beim Tragen von Behelfsmasken

Update: 12.05.2020

Knigge zum Tragen von Masken

Im Alltag besteht Unklarheit was beim Trage von Masken angezeigt ist und was nicht. Die Klinik für Neurorehabilitation und Paraplegiologie Rehab Basel hat dazu einen Knigge für den Klinikalltag erstellt, der aber auf jede Berufsgruppe und Privatpersonen übertragen werden kann. Zum Knigge geht es hier. Besonders hilfreich ist die Bebilderung.

 

*Die Liste ist beispielhaft: Die Anleitungen wurden von der Redaktion nicht geprüft und stellen keine Empfehlung der Redaktion dar.