Acht Maßnahmen, die das Immunsystem stärken und schützen

Das Immunsystem sorgt dafür, dass Krankheitserreger, die in den Körper eindringen, bekämpft und unschädlich gemacht werden. Bei dieser teils schwierigen Aufgabe, kann man es mit verschiedenen Maßnahmen unterstützen.

Ob das Immunsystem bei Querschnittlähmung durch die Rückenmarksverletzung beeinträchtigt ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Es  ist aber so, dass durch die Folgen für verschiedene Organe, die mechanischen Schutzbarrieren des Körpers, wie Hautmilieu, stärker gefordert sind (siehe: Das Immunsystem). Das Immunsystem braucht – nicht nur in Zeiten von Epidemien – daher jede Hilfe, die es kriegen kann. Folgende Maßnahmen können das Immunsystem stärken und schützen.

1. Schleimhäute und Atemwege vor dem Austrocknen schützen

Sowohl Tränenflüssigkeit als auch Speichel enthält Enzyme, die Bakterien abtöten können. Dabei ist es wichtig, die Schleimhäute (und auch die Haut) sowie die Atemwege vor dem Austrocknen zu bewahren, da diese Schutzfunktion andernfalls nicht gewährleistet ist. Schleimhäute und Atemwege vor dem Austrocknen zu schützen, ist besonders dann eine große Herausforderung, wenn die Luft in Innenräumen im Winter wegen der Heizung und im Sommer wegen der evtl. vorhandenen Klimaanlage sehr trocken ist.

Helfen können regelmäßiges kurzes Lüften, das sauerstoffreiche Luft in die Wohnung lässt, Bewegung an der frischen Luft und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (siehe: Trinkverhalten bei Querschnittlähmung). Mit Inhalationen kann man die Atemwege befeuchten. Wie das geht wird z. B. im Beitrag Lungeninfektionen und Pneumonien vorbeugen mit LISA beschrieben.

2. Stress entgegenwirken

Bei erhöhtem Stress (siehe auch: Stress – Nur eine beiläufige Komponente?) werden u. a. die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol freigesetzt. Vor allem in chronisch belastenden Situationen (wie langwierige Krankheiten, angespannte zwischenmenschliche Beziehungen oder finanzielle Nöte) kann eine Dauerbefeuerung mit Stresshormonen schwerwiegende Konsequenzen für verschiedene körpereigene System, auch für das Immunsystem, haben. Es ist daher sehr wichtig, Stress zu meiden oder ihm konstruktiv zu begegnen. Siehe hierzu: Stressbewältigung – Wie kann ich Stress entgegenwirken? und Entspannungsmethoden

3. Ausreichend Schlafen

Auch ausreichend Schlafen ist wichtig für das Immunsystem, denn während des Schlafs, werden im Körper große Mengen an immunaktiven Stoffen ausgeschüttet. Bei Querschnittlähmung kann der Schlaf beeinträchtigt sein (siehe: Schlafstörungen bei Querschnittlähmung), doch es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die helfen können Schlafdauer und Schlafqualität zu verbessern (siehe: Alternative Methoden für einen besseren Schlaf und Schlafprobleme: Diese sechs Entspannungsmethoden können helfen).

4. Die Darmflora schützen

Seit wenigen Jahren ist bekannt, dass der Darm eine entscheidende Rolle bei der Effektivität des Immunsystems spielt. Dies liegt u. a. an den im Dünndarm vorkommenden Lymphfollikeln, die als Zellen des erworbenen Immunsystems eine wichtige Rolle bei der Infektionsabwehr im Darm spielen. Zudem erkennen sie Keime und andere fremde Stoffe, markieren und zerstören sie und speichern die Informationen dieser Fremdstoffe, um später schneller reagieren zu können.

Im Dickdarm befinden sich zudem dauerhaft körpereigene Bakterien, die sog. gesunde Darmflora heute auch Darmmikrobiota genannt. Durch das Vorhandensein dieser Bakterien, können sich fremde Keime nur schwer ansiedeln und in den Körper eindringen. Darmflora-Ratgeber.de erklärt dies so:

  • Die Darmbakterien konkurrieren mit Krankheitserregern um „Futter“ und Andock-Stationen an der Darmwand. Zusätzlich verbrauchen sie den Sauerstoff, den viele krankmachende Bakterien benötigen. Auf diese Weise können die guten Darmbakterien verhindern, dass sich krankmachende Mikroorganismen (Bakterien, Pilze)  ausbreiten und den Darm überwuchern.
  • Einige Darmbewohner produzieren außerdem antibakterielle Stoffe, die das Wachstum körperfremder Bakterien eindämmen. Laktobazillen und Bifidobakterien bilden z. B. Milchsäure. Diese senkt den pH-Wert im Darm ab, sodass ein saures, darmfreundliches Milieu entsteht.
  • Kurzkettige Fettsäuren, die von den Darmbakterien hergestellt werden, haben eine schützende Wirkung auf die Darmwand, die so für schädliche Bakterien undurchlässig bleibt.

Die Darmflora ist sehr empfindlich und kann durch Stress oder die Einnahme verschiedener Medikamente, z. B. Antibiotika, gestört werden. Am besten unterstützt man sie durch eine ausgewogene Ernährung (siehe: Ernährung bei Querschnittlähmung) und den regelmäßigen Verzehr von Prä- und Probiotika (siehe: Prä- und Probiotika für die Verdauung).

5. Versorgung mit Antioxidantien, Mineralien und Vitaminen sicherstellen

Die Vitamine A, B6, C, E und Folsäure sind besonders wichtig für das Immunsystem, ebenso wie sekundäre Pflanzenstoffe und die Mineralstoffe Eisen, Jod, Selen und Zink. Sie helfen die Akteure des Abwehrsystems (z. B. Milz und Thymusdrüse) gezielt zu unterstützen, indem sie deren Funktion stärken.

Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen und im Ernährungsrad für Menschen mit Querschnittlähmung (siehe: Das Ernährungsrad für Querschnittgelähmte) aufgeführten fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag enthalten diese wertvolle Makro- und Mikronährstoffe, die u. a. die Immunabwehr aufbauen. Wie genau die Immunonutrition, die Ernährung zur Förderung des Immunsystems, funktioniert und welche Nährstoffe welchen Einfluss auf die verschiedenen Akteure des Immunsystems haben, erklärt der Beitrag Immunonutrition: Das Immunsystem stärken.

6. Körper und Kreislauf fordern

Körper und Kreislauf kann man auf Trab Trapp bringen, indem man sich bewegt. Pro Woche sollte es mindestens dreimal eine halbe Stunde z. B. mit dem Handbike draußen oder auf der Rolle, mit dem Motomed bei offenem Fenster sein. Außerdem helfen Kneipp-Anwendungen, Wechselduschen oder Saunabesuche dabei die Durchblutung anzuregen und den Körper abzuhärten.

Siehe auch: Stefan Lange über Sport und Gesundheit bei Querschnittlähmung und Mit Querschnittlähmung in Sauna, Dampfbad und Co.

7. Alkohol und Nikotin meiden

Beide legalen Drogen können das Immunsystem empfindlich schwächen. Alkoholexzesse können das Immunsystem für mindestens 24 Stunden außer Gefecht setzen und Nikotin schränken die Funktion bestimmter Abwehrzellen stark ein. Zudem beeinflusst das Nervengift Nikotin u. a. Haut, Atemwege und das Schmerzempfinden. Weitere Informationen dazu, warum Rauchen (nicht nur) bei Querschnittlähmung keine gute Idee ist, gibt es hier: Rauchen und Querschnittlähmung

8. Hände waschen

Infektionen kann man effektiv abwenden, indem man auf die richtige Händehygiene beachtet. Alleine das gründliche Waschen mit Wasser und Seife entfernt einen Großteil krankheitserregende Keime, mit denen die Hände den ganzen Tag über z. B. an Türgriffen, Handläufen und Greifreifen in Berührung kommen. Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Menschen mit Querschnittlähmung z. B. vor dem Verwenden eines Katheters auch ein Desinfektionsmittel für die Hände verwenden. Wie man es richtig macht, erklärt folgender Beitrag: Infektionen vermeiden mit der richtigen Händehygiene.