Fünf Kreislaufprobleme, die bei Querschnittlähmung auftreten können

Bei einer Rückenmarksverletzung kann das Wechselspiel zwischen Sympathikus und Parasympathikus und damit die automatische Blutdruckregulation beeinträchtigt sein. Über die daraus resultierenden fünf Kreislaufprobleme sollten Menschen mit Querschnittlähmung Bescheid wissen.

Im Normalfall vermittelt der Sympathikus anregende, leistungssteigernde Reize, während sein Gegenspieler, der Parasympathikus, die Erholung und Regeneration unterstützt. Beide Systeme regulieren sich gegenseitig, doch bei einer Rückenmarksverletzung wird die antagonistische Wirkungsweise des autonomen Nervensystems ausgehebelt. Eine Rückenmarksverletzung im Brustwirbelbereich beeinflusst lediglich die Funktionen des Sympathikus, d. h. wichtige anregende Impulse, etwa zur Steigerung von Herztätigkeit und Blutdruck, Durchblutung und Stoffwechselaktivität, fehlen (Zäch/Koch, 2006). Für weitere Informationen siehe: Kreislaufprobleme bei Querschnittlähmung.

Die häufigsten Kreislaufprobleme, die bei Querschnittlähmung in Abhängigkeit von der Lähmungshöhe auftreten können, sind:

  1. Bradykardie (Pulsverlangsamung)
    Von einer Bradykardie spricht man, wenn der Ruhepuls unter einen Wert von 60 Schlägen (beim Erwachsenen) fällt. Von Beschwerdefreiheit bei leichter Bradykardie über Leistungsminderung bis hin zu Ohnmachtsanfällen (Synkopen), Verschlechterung (Dekompensation) einer bestehenden Herzinsuffizienz oder auch Herzstillstand mit Tod kann die Ausprägung von Beschwerden sehr unterschiedlich sein.Bei Menschen mit einer Querschnittlähmung von oberhalb Th 6/7 kann die Bradykardie ein Anzeichen der autonomen Dysreflexie (siehe unten) sein.
  2. Arterielle Hypertonie
    Mit arterieller Hypertonie ist ein erhöhter Blutdruck gemeint; wie die Bradykardie kann die Hypertonie bei Menschen mit einer Querschnittlähmung von oberhalb Th 6/7 Symptom einer autonomen Dysreflexie (siehe unten) sein.
    Vor allem bei Menschen mit tiefen Querschnittlähmungen kommt es nach der Akutphase zu einem über die Jahre kontinuierlichen Blutdruckanstieg. Und: Paraplegiker sind sogar häufiger von Hypertonie betroffen als die Normalbevölkerung. Wieso dem so ist, ist allerdings unklar.
    Für weitere Informationen siehe: Querschnittlähmung und Bluthochdruck
  3. Arterielle Hypotonie und orthostatische Hypotonie
    Bei einer arteriellen Hypotonie handelt es sich um chronisch niedrigen Blutdruck, der zu Schwindelanfällen, Sehstörungen, Ohnmacht und unbehandelt schlimmstenfalls zum Kreislaufkollaps führt.
    Mit orthostatischer Hypotonie ist der plötzliche Blutdruckabfall beim Aufstehen oder bei zu schnellen Transfers in oder aus dem Rollstuhl gemeint. Da die Regulationsmechanismen des Körpers im Falle einer Querschnittlähmung gestört sein können (z. B. wegen fehlender Muskelpumpfunktion der unteren Extremitäten), kann es kurzzeitig zu einem ungenügenden Blutzufluss zum Gehirn kommen, was Schwindel und Benommenheit auslöst.
    Zur Behandlung können falls nötig Blutdruckanregende Medikament eingesetzt werden.
    Für weitere Informationen siehe: Blutdruck im Keller? Hypotonie und orthostatische Dysregulation bei Querschnittlähmung
  4. Neurogener Schock
    In der Akutphase kurz nach Eintritt der Rückenmarksverletzung, kann es zu dem Auftreten von niedrigem Blutdruck (in Kombination mit niedrigem Puls und verringerter Körpertemperatur) kommen. Diese als neurogener Schock bezeichnete Kreislaufproblematik kommt am häufigsten bei Lähmungen im oberen Brustwirbel- und im Halswirbelbereich vor.
    Für weitere Informationen siehe: Der neurogene Schock bei Querschnittlähmung
  5. Autonome Dysreflexie
    Die autonome Dysreflexie ist eine Komplikation, die bei Menschen mit Querschnittlähmung mit einer Läsion in Höhe Th 6/7 und darüber vorkommen kann. Sie wird u. a. durch die Dehnung eines Hohlorgans (meist durch eine übervolle Blase) verursacht. Die Blutgefäße verengen sich und der Blutdruck steigt unaufhaltsam an, da die Signale zur Pulsverlangsamung und Erweiterung der Blutgefäße nicht weitergeleitet werden können. Wenn die autonome Dysreflexie nicht erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden, kann sie zu einem Schlaganfall führen.

Für weitere Informationen siehe: Was geschieht bei einer autonomen Dysreflexie?