Mit Querschnittlähmung auf Arbeitssuche: Anreize für potenzielle Arbeitgeber

Staatliche Leistungen: Diese Regelungen und finanziellen Anreize können Menschen mit Querschnittlähmung das Finden eines Jobs erleichtern – oder es ihnen ermöglichen, im alten Betrieb weiterzuarbeiten. Ein Überblick.

Eingliederungszuschuss

Generell als finanzielle Unterstützung bei Neueinstellungen gedacht, z. B. wenn ein Neu-Mitarbeiter intensiver als üblich eingearbeitet werden muss. Für behinderte und schwerbehinderte Neu-Mitarbeiter gibt es eine eigene Variante. Bei ihnen kann die Förderhöhe bis zu 70 Prozent des Arbeitsentgelts betragen. Gefördert werden bis zu 24 Monate, wobei nach zwölf Monaten die Höhe des Zuschusses um zehn Prozent verringert wird. Bei besonders betroffenen schwerbehinderten Menschen kann die Förderdauer auf bis zu 60 Monate, ab dem vollendeten 55. Lebensjahr sogar bis zu 96 Monate ausgedehnt werden. In diesen Fällen wird der Zuschuss erstmals nach 24 Monaten um 10 Prozent jährlich vermindert.

Der Zuschuss wird zeitlich begrenzt von der Agentur für Arbeit ausbezahlt. Der Eingliederungszuschuss gehört zu den sogenannten Ermessensleistungen – er kann bewilligt werden, aber es besteht kein Rechtsanspruch auf ihn. In jedem Einzelfall prüft die zuständige Agentur für Arbeit oder das Jobcenter, ob er gewährt wird (wichtig: Die Förderung muss vom Arbeitgeber vor Abschluss des Beschäftigungsverhältnisses beantragt werden). Das Pendant in Österreich: Der sogenannte Entgeltzuschuss (bis 2019: Entgeltbeihilfe), den Arbeitgeber für begünstigt behinderte Mitarbeiter erhalten können, die wegen ihrer Behinderung in der Erbringung ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitsleistung deutlich eingeschränkt sind. In der Schweiz kann u. U. ebenfalls ein „Einarbeitungszuschuss“ gewährt werden.

Hilfen zur Arbeitsplatzausstattung

Entschließt sich ein Arbeitgeber, einen Menschen mit Querschnittlähmung einzustellen, kann er Hilfen zur Arbeitsplatzausstattung beantragen. Gefördert werden bis zu 100 Prozent der jeweiligen Maßnahme, z. B. die Schaffung eines barrierefreien Zugangs oder rollstuhlgerechte Toiletten. Auch eventuelle Instandhaltungsarbeiten können bezuschusst werden. Die Gelder muss der Arbeitgeber beantragen, Ansprechpartner sind die Integrationsämter.

Prämie für Betriebliches Eingliederungsmanagement

Ist ein Beschäftigter innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, müssen Arbeitgeber ein Betriebliches Eingliederungsmanagement durchführen. Dabei ist es unerheblich, ob die Arbeitsunfähigkeit in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz steht oder nicht. Das Eingliederungsmanagement zielt darauf ab, die Arbeitsunfähigkeit zu beenden und z. B. einen behinderten Beschäftigten möglichst dauerhaft auf einem geeigneten Arbeitsplatz einzusetzen. Wer ein Betriebliches Eingliederungsmanagement einführt, kann als Arbeitgeber von den Rehabilitationsträgern oder dem Integrationsamt einen Bonus erhalten. (Weiterführende Informationen zum Thema Eingliederungsmanagement im Beitrag: Streitfall Prävention und Betriebliches Eingliederungsmanagement)

Budget für Arbeit/Budget für Ausbildung

Wer Anspruch auf eine Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Mensch hat und in den ersten Arbeitsmarkt wechseln will, kann dauerhaft vom Budget für Arbeit profitieren; es ist gedacht als Ausgleich für eine dauerhafte Leistungsminderung des behinderten Mitarbeiters und kann auch Assistenzleistungen beinhalten. Der Lohnkostenzuschuss beträgt bis zu 75 Prozent des regulären Arbeitsentgelts, ist jedoch nach oben hin gedeckelt. Korrespondierend zum Budget für Arbeit gibt es seit 2020 das „Budget für Ausbildung“, gedacht für Menschen, die z. B. eine reguläre Ausbildung absolvieren wollen. (Siehe auch Beitrag: Ab in den ersten Arbeitsmarkt! „Budget für Arbeit“ und „Budget für Ausbildung“ sollen dabei helfen)

Beschäftigungsquoten/Ausgleichsabgabe

Neben den Zuckerbroten (Zuschüsse, etc.) hält der Gesetzgeber auch Sanktionen in Form von Beschäftigungsquoten bereit. So müssen in Deutschland Betriebe mit mindestens 20 Arbeitnehmern mindestens 5% Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung beschäftigen. Tun sie das nicht, betragen die Strafzahlungen bis zu 320 Euro pro Monat je nicht entsprechend besetzter Stelle (für mehr Details siehe Beitrag: Die Ausgleichsabgabe). In Österreich sind Betriebe dazu verpflichtet, je 25 Arbeitnehmern jeweils eine begünstigte behinderte Person einzustellen. Falls dies nicht geschieht, müssen sie eine Ausgleichstaxe in Höhe von bis zu 398 Euro monatlich je nicht adäquat besetzter Stelle entrichten. Andersherum und positiv gesehen: Wer einen schwerbehinderten Menschen einstellt, spart sich diese Strafgebühr und erhält damit quasi indirekt einen Lohnzuschuss. Wer sich diese Strafgebühr spart, hat sich In der Schweiz gibt es keine einstellungspflichten für behinderte oder schwerbehinderte Menschen.


Tipp: talentplus, das Portal zu Arbeitsleben und Behinderung von Rehadat bietet eine Förderfinder-App, mit deren Hilfe Fördermöglichkeiten auf Bundesebene, aber auch je nach Bundesland, gefiltert nach den jeweiligen Bedürnissen, gefunden werden können (siehe Beitrag Förderfinder-App zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung). Einen Überblick über Fördermöglichkeiten bietet auch eine Broschüre der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (siehe Beitrag Broschüre: Broschüre: Leistungen für schwerbehinderte Menschen im Beruf).