Sieben Strategien, die bei der Bewältigung einer traumatischen Querschnittlähmung helfen können

Der Eintritt einer Querschnittlähmung, sei es durch einen Unfall oder eine Krankheit, ist ein Ereignis, das das Leben des Betroffenen und seiner Familie unwiderruflich verändert und dessen Bewältigung ein langwieriger Prozess sein kann.

Die Psychologen Jörg Eisenhuth und Werner Lude sind sich jedoch einig darüber, dass Menschen mit neu eingetretener Querschnittlähmung die Situation, so schrecklich sie auf den ersten Blick auch sein mag, langfristig erfolgreich bewältigen. Sie schreiben: „Dass Menschen traumatische Erfahrungen, Trauer oder auch eine Querschnittlähmung gut verarbeiten können und psychisch gesund reagieren und handeln, ist der Normalzustand“ (Eisenhuth/Lude, 2015).

Im Beitrag Psychologische Aspekte traumatischer Querschnittlähmung wird beschrieben, welche Konsequenzen eine traumatische Querschnittlähmung auf die Psyche von betroffenen Menschen haben kann. Im Folgenden werden sieben Strategien genannt, die helfen können, die neue Situation zu meistern.

  1. Die fünf Stadien der Trauer kennen.

Schock, Verleugnung, Regression, Depression und Akzeptanz. Das Wissen um die Phasen der Trauer kann helfen, sie zu durchlaufen, damit Betroffene mit Ihrem Leben weitermachen können. Wie lange es dauert die jeweilige Phase zu durchlaufen (wobei keineswegs gesagt ist das jedes Individuum jede Phase durchlaufen muss) ist individuell unterschiedlich und manche Erreichen das Stadium der Akzeptanz schneller als andere.

  1. Den Zeitfaktor beachten.

Die Rehabilitation nach Eintritt einer Querschnittlähmung und die Gewöhnung an den neuen Alltag dauert seine Zeit. Zwar ist es wichtig, motiviert in das neue Leben zu starten, doch man sollte auch nichts überstürzen. Betroffene müssen ihrem Körper die Zeit geben, die er braucht, um (im Rahmen des möglichen) gesund zu werden und Ersatzhandlungen für verlorene Funktionen zu erlernen.

  1. Sich nicht mit anderen Menschen mit Querschnittlähmung vergleichen

Es ist bei der Rehabilitation nach Eintritt einer Querschnittlähmung keine gute Idee sich mit anderen Querschnittgelähmten zu vergleichen. Auch nicht mit solchen, die eine vergleichbare Lähmungshöhe haben. Auch wenn die Lähmungshöhe übereinstimmt, gibt es viele andere Faktoren, die Einfluss auf die Funktionsausfälle haben können. – Nicht jede Querschnittlähmung ist gleich und der Vergleich mit anderen Menschen, die eine ähnliche Lähmungshöhe haben, kann sehr demotivierend sein, wenn diese schnellere und/oder bessere Fortschritte machen.

Verbesserungen – sowohl was den Heilungsprozess betrifft als auch im sozialen Umfeld – sollten steht wahrgenommen und gewürdigt werden. Ein erhöhtes Maß an Achtsamkeit kann hierfür notwendig sein und muss u. U. trainiert werden.

  1. Hilfe annehmen, wenn sie nötig ist.

Der Eintritt einer Rückenmarksverletzung sollte nicht allein bewältigt werden müssen. Sowohl das private Umfeld (Familie, Freunde) als auch relevante Berufsgruppen (Ärzte, Pflegende, Therapeuten) um Hilfe zu bitten, ist kein Zeichen von Schwäche. Dies gilt nicht nur für die physischen sondern auch für die psychischen Folgen des Traumas. Wer Schwierigkeiten hat, mit der neuen Situation zurecht zu kommen, sollte sich psychologischen Beistand suchen. Ansprechpartner finden Betroffene in ihrem Querschnittzentrum oder über diese Suchfunktion: Psychotherapeuten finden

  1. Das soziale Netzwerk nutzen

Nach Eintritt eines lebensverändernden Ereignisses ziehen sich Betroffen häufig zurück. Der Kontakt zu Familie und Freunden, sozialen oder religiösen Institutionen kann aber eine wichtige Rolle bei der Rehabilitation spielen. Wichtig ist dabei vor allem die Bereitschaft, selbst Kontakt herzustellen, Hilfe anzunehmen und das soziale Netzwerk auf- bzw. auszubauen. Auch für das Umfeld kann die Erfahrung, dass Unterstützung angenommen wird, sehr wichtig und hilfreich beim Verarbeitungsprozess sein.

  1. In den neuen Alltag finden.

Der Alltag mit Querschnittlähmung wird anders aussehen als vor Eintritt der Verletzung. Es ist wichtig, sich an diesen neuen Alltag zu gewöhnen, bis u. a.  die Katheterisierung, die Einnahme von Medikamenten, die Planung von Toilettenpausen zur Routine geworden ist. Nach einer Gewöhnungszeit – die individuell ganz verschieden sein kann – an diese Tätigkeiten, werden sie zur (neuen) Normalität, mit der viele Menschen ein Gefühl von Sicherheit verbinden. 

  1. Verantwortung übernehmen und in die Zukunft blicken

Betroffene, die aus eigener Erfahrung sprechen, weisen oft darauf hin, dass „nichts besser werden wird, solange man nicht die Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen kann“. Wenn man Eigenverantwortung übernimmt, sich persönliche Ziele setzt und erreicht, kann man vieles tun, um ein erfüllteres, produktiveres Leben zu führen.

Dabei hilft es ungemein, wenn man positiv denkt. Dies ist oft leichter gesagt als getan, dennoch ist es sehr wichtig eine positive Einstellung zu bewahren bzw. zu erlangen. Je positiver man mit einer Situation umgeht und je motivierter man bleibt, umso wahrscheinlicher ist es, dass sich die Dinge in eine zufriedenstellende Richtung entwickeln.

Die Pläne und Ziele, die Betroffene vor Eintritt der Verletzung hatten, müssen durch die Verletzung nicht notwendigerweise verworfen werden. Es besteht die Möglichkeit Zukunftspläne an die neue Situation anzupassen. Wer sich selbst neue, realistische Ziele setzt oder bestehende überarbeitet, setzt die eigene Anpassungsfähigkeit und positive Einstellung nach Eintritt einer Querschnittlähmung produktiv um.