Für Menschen mit Pflegebedarf und/oder Behinderung: zusätzliche zahnärztliche Präventionsleistungen

Menschen mit Querschnittlähmung haben wie alle anderen, die einen Pflegegrad haben und/oder Eingliederungshilfe beziehen, Anspruch auf zusätzliche zahnärztliche Präventionsleistungen, die über das hinausgehen, was Kassenpatienten normalerweise zusteht. Möglich sind z. B. zusätzliche Kontroll- und Beratungstermine, aber auch Hausbesuche durch den Dentisten.

Gesundes Zahnfleisch und Zähne, bzw. eine perfekt sitzende Prothese, können die Lebensqualität steigern: Essen und Sprechen machen wieder Spaß. Zudem, betont die kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), beeinflusst die Mundgesundheit die allgemeine körperliche Verfassung: So könne Studien zufolge eine Parodontitis Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder auch Lungenerkrankungen haben (KZBV, 2019) – Aspekte, die auch für Menschen mit Querschnittlähmung von Relevanz sind.

Doch Kontrollterminen regelmäßig wahrzunehmen und sich zuhause um ausreichende Mundhygiene und -gesundheit zu kümmern, ist für behinderte und/oder pflegebedürftige Menschen und ihre Pflegenden mitunter schwierig. Studien belegen, dass Menschen mit Behinderung und Pflegebedürftige ein höheres Risiko für Karies und andere Munderkrankungen haben als der bundesdeutsche Durchschnitt (Patientenvertretung, 2017).

Die Folge: Die Mundgesundheit der Betroffenen leidet, die „Erfolge jahrzehntelanger zahnmedizinischen Prävention und Zahnerhaltung“ würden, so ein Positionspapier der KZBV, „oft in kurzer Zeit zunichte gemacht. Nur durch eine Verbesserung der Pflege und eine intensive prophylaktische Betreuung durch den Zahnarzt können Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen unterstützt werden.“ (KZBV, Position).

2018 wurde deshalb die Möglichkeit der zusätzlichen zahnärztlichen Versorgung geschaffen – eine Vorsorgeleistung speziell für gesetzlich Versicherte, die einen Pflegegrad haben oder wegen einer Behinderung Eingliederungshilfe erhalten.

Ziel des Angebots: Die Mundgesundheit der Betroffenen soll erhalten oder sogar verbessert werden und zugleich das Risiko für Karies-, Parodontal- und Mundschleimhauterkrankungen gesenkt werden (KZBV, PM).

Die Zusatzleistungen pro Halbjahr

Berechtigte können einmal pro Kalenderhalbjahr folgende Maßnahmen in Anspruch nehmen:

  • Mundgesundheitsstatus: Der Zahnarzt untersucht Zähne, Zahnfleisch, Schleimhäute und gegebenenfalls Prothesen.
  • Mundgesundheitsplan: Auf Basis der Untersuchungsergebnisse, des allgemeinen Gesundheitszustands des Patienten und unter Berücksichtigung der Medikamentierung erstellt der Arzt einen persönlichen Mundgesundheitsplan. Dieser enthält auch Empfehlungen für eventuelle Behandlungen, für eine verbesserte Mundpflege, eine Umstellung auf eine zahnfreundlichere Ernährung sowie u. U. Hinweise für Pflegende.
  • Aufklärung und Beratung: Der Dentist gibt Tipps zur Pflege und Gesunderhaltung von Zähnen und Mundraum
  • Entfernung von Zahnstein: Jeder Kassenpatient hat darauf einmal im Jahr Anspruch – Patienten mit Pflegebedarf oder einer Beeinträchtigung jedes halbe Jahr.

Wo nötig, werden zu auch Angehörige oder Pflegekräfte in die beratenden Gespräche eingebunden, oder erhalten schriftliche Hinweise, wie sie den Betroffenen bei seiner Mundhygiene noch besser unterstützen können (KZBV, Flyer).

Auch Hausbesuche des Zahnarztes möglich

Nicht jeder Patient ist körperlich dazu in der Lage, für die zusätzlichen zahnärztlichen Präventivmaßnahmen eine Zahnarztpraxis aufzusuchen. Im Rahmen der aufsuchenden zahnärztlichen Versorgung sind auch Hausbesuche möglich – in der Wohnung des Patienten genauso wie in einem Pflegeheim.

In der Regel kann der Dentist dort die oben geschilderten Präventivmaßnahmen durchführen und auch einfache Behandlungen wie die Anpassung einer Prothese durchführen. Für kompliziertere Sitzungen muss der Patient jedoch in den meisten Fällen nach wie vor in die Praxis kommen oder gebracht werden. Wo die jeweiligen Behandlungen letztendlich stattfinden, liegt in der Entscheidung des Zahnarztes, die er unter Berücksichtigung des Einzelfalls und der gesundheitlichen Situation treffen muss (KZBV, Flyer).

Kosten für Taxi oder Fahrdienst

Kann der Patient zum Arzt in die Praxis kommen, übernimmt u. U. die gesetzliche Krankenkasse zu einem gewissen Anteil die Kosten für ein Taxi oder einen Fahrdienst. Voraussetzung: Besitz eines Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „aG“, „Bl“ oder „H“ oder Pflegegrad 5, 4 oder 3 – wobei bei letzterem zusätzlich ein Nachweis über eine dauerhafte Mobilitätsbeeinträchtigung vorgelegt werden muss. Der Eigenanteil liegt je nach Strecke zwischen mindestens 5 und maximal 10 EUR. In der Regel ebenfalls mit Zuzahlungen verbunden sind Fahrten zum Zahnarzt mit einem Krankentransportwagen, die auf jeden Fall medizinisch notwendig sein und im Vorfeld von der Krankenkasse werden müssen. (KZBV, Versorgungsangebote).

Die ganze Bandbreite des Angebotes, das die Mundgesundheit von Menschen mit Behinderung und/oder Pflegebedarf deutlich verbessern soll, zeigt auch ein Video der KZBV, das auch abrechnungstechnische Aspekte wie das Modell von Kooperationsverträgen genauer erläutert.

Das neue Informationsvideo der KZBV kann unter www.kzbv.de/versorgungsangebote-pflege angesehen werden. Auf dieser Themenwebsite finden sich zudem ergänzende Informationen für Praxen, Patienten, deren Angehörige und Pflegepersonal, darunter auch das zahnärztliche Versorgungskonzept „Mundgesund trotz Handicap und hohem Alter“.

Wie ein nahezu komplett außerhäusiges zahnärztliches Behandlungsmodell funktionieren kann, zeigt der Beitrag Mobile Zahnärzte: Hausbesuche bei Beatmungspatienten oder immobilen Menschen. Welche Bedeutung das richtige Kauen der Nahrung hat, schildert der Beitrag Verdauung und der Verdauungstrakt. Wenn Mund und Zähne dank Pflege und regelmäßiger Kontrolle in Ordnung sind, kommt es natürlich auch darauf an, was man zu sich nimmt. In der Kategorie Ernährung finden Menschen mit Querschnittlähmung viele Anregungen für eine ausgewogene Kost, die ihren speziellen körperlichen Bedürfnissen entgegenkommt.