Einkaufs-Wunschliste: Diese sieben Punkte machen Supermärkte rollstuhlgerecht

Wie sollte ein Supermarkt aussehen, in dem Rollstuhlfahrer gerne einkaufen und sich gut bewegen können? Die Redaktion hat einige Punkte zusammengestellt, mit denen die Betreiber von Supermärkten der Kundschaft auf Rädern den Alltag leichter machen könnten. Vielleicht auch eine kleine Argumentationshilfe für ein Gespräch mit dem Händler des Vertrauens …  

Rollstuhl und Einkaufswagen bilden eine synchrone Einheit.

1. Behindertenparkplätze nicht nur anlegen, sondern auch für Berechtigte freihalten

Die Parkplätze mit dem Rollstuhlsymbol machen Sinn. Dank ihrer Extra-Breite können Rollstuhlfahrer ihr Auto verlassen, ohne vorher den Kurs „Leben als Schlangenmensch“ zu absolvieren.

Angebote wie rollstuhltaugliche Einkaufswagen können den Einkauf im Supermarkt für Menschen mit Querschnittlähmung deutlich angenehmer machen.

Positiver Sidekick für den Betreiber des Supermarkts: Werden die Parkplätze für Berechtigte freigehalten, haben diese die Möglichkeit, vor Ort Geld auszugeben – wovon wiederum die Geschäfte profitieren. Der Sozialverband Schleswig-Holstein rät daher Besitzern von Supermärkten, „im eigenen Interesse“ darauf zu achten, dass diese Parkplätze nicht von Kunden ohne Berechtigung genutzt werden (SoVD, 2018).

Kleiner verkehrsrechtlicher Exkurs: Supermarkparkplätze sind Privatgrund. Wer hier falsch parkt, begeht – vereinfacht gesagt – meist keinen Verkehrsverstoß, sondern eine „Besitzstörung“ (ADAC, 2019). Egal, mit welchen Schildern der Behindertenparkplatz markiert ist: Rein verkehrsrechtlich haben sie keine Bedeutung – weshalb die Polizei dort in der Regel auch keine Strafzettel ausstellen darf. Aktiv werden darf nur der Parkplatzinhaber. Er entscheidet, ob er z. B. ein privates Knöllchen verteilt, einen Abschleppwagen ruft oder den Falschparker anderweitige Sanktionen auferlegt (Anwalt).

2. Freie Fahrt für Rollis – zum und in den Supermarkt

Zugegeben: Der Ruf nach Wegen ohne Kanten, Schwellen, Bordsteine und Treppen ist nicht neu. Wir wiederholen ihn dennoch – denn derartige Bausünden wiederholen sich ja auch immer noch.

Für Rollstuhlnutzer mit Querschnittlähmung oder anderen Handicaps ebenfalls wichtig: Türen, die sich automatisch öffnen. Halbhohe Drehkreuze sollten also bald überall ausgedient haben, vor allem, wenn sie den einzigen Zugang in den Markt für Rollstuhlfahrer versperren (nullbarriere).

3. Rollstuhlgerechte Einkaufswagen

Die Bügel mit denen Rolli und Einkaufswagen gekoppelt werden, passen laut Hersteller Wanzl zu allen üblichen mechanischen und elektrischen Rollstühlen.

Den Rollstuhl manuell oder per Steuerungseinheit bewegen und gleichzeitig – mit welcher Hand eigentlich? – den Einkaufswagen durch die Gänge bugsieren? Schwierig bis unmöglich. Inzwischen gibt es Hersteller, die auch rollstuhlgerechte Einkaufswagen anbieten – und Supermärkte, bei denen diese Modelle im Eingangsbereich stehen.

Als Beispiel sei der „Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer“ von Wanzl genannt, den das Leipheimer Unternehmen (externer Link) im Austausch mit verschiedenen Gruppen von Rollstuhlnutzern entwickelt hat. Das für Rollstuhlnutzer vermutlich wichtigste Detail: Der Einkaufswagen verfügt über eine Ankopplungsmechanik, die zu elektrischen und mechanischen Rollstühlen passt. Die beiden Bügel werden am Gestänge des Rollstuhls angeklickt – fertig ist die Fahreinheit, die ab nun synchron und ohne Handeinsatz zu bewegen ist. Dazu gibt es noch andere praktische Details wie eine Flaschenhalterung oder Taschenhaken (Wanzl, 2020).

4. Zurückhaltung bei Aktionsständen

Regalreihen sind heute meist so aufgebaut, dass sich in den Gängen Menschen begegnen können, ohne dass sich ihre Rollstühle oder Einkaufswägen ineinander verheddern. Die Gangbreite, so konstatiert es der Sozialverband Schleswig-Holstein sei also „gar nicht das Problem“. Für Rollstuhlfahrer werde es meist erst dann eng, wenn sich Einzelhändler darin überböten, „Aktionsstände mit Leckereien und Sonderangeboten in die Wege der Kunden zu stellen.“  Der Verband richtet deshalb einen Appell an alle Supermärkte: „Bei zusätzlichen Verkaufsflächen, welche die Gänge verkleinern, ist Weniger oft Mehr.“ (SoVD, 2018).

5. Preisschilder lesbar platzieren

Was kostet die Packung Müsli auf dem vierten Regalbrett? Schwer zu sagen, wenn das Preisschild nur von oben zu lesen ist. nullbarriere.de rät daher, die Preisangaben nicht nur „groß, kontrastreich und blendfrei“ zu gestalten, sondern sie auch so zu platzieren, dass Kunden sie auch aus der Rollstuhlperspektive lesen können (nullbariere).

6. Keine Engpässe an den Kassen

Wenn es ans Zahlen geht, wird es manchmal eng. Mindestens 90 cm breit sollte der Gang hier noch sein (nullbarriere). Aber, so hat es der Sozialverband Schleswig-Holstein beobachtet, mehr wäre schon schön, weil ansonsten „insbesondere Nutzer von größeren E-Rollstühlen aufpassen müssen, keine Süßwaren abzuräumen“. Die Sozialexperten schlagen deshalb vor, dass – wo möglich – zumindest eine Kasse über einen breiteren Gang zu erreichen sein sollte. Diese Kasse sollte zudem die Kasse sein, die immer geöffnet ist (SoVD, 2018).

7. Rollstuhlgerechte Toiletten

In Deutschland gibt es (Stand: September 2020) für Supermärkte und Discounter keine generelle Pflicht, eine Kunden-Toilette bereitzustellen. Viele bieten dieses Service dennoch an, viele von ihnen auch in der rollstuhlgerechten Variante. Die Hoffnung: Es könnten noch mehr werden.