Wie Aminosäuren bei Gelenkschmerzen helfen können

Schmerzende Gelenke und Gelenkverschleiß sind eine Alterserscheinung, die jeden treffen kann. Bei Menschen mit Querschnittlähmung können sie die Mobilität erheblich einschränken. Die gezielte Einnahme von Aminosäuren könnte helfen.

Menschen mit Querschnittlähmung sind, wenn sie den Rollstuhl antreiben, häufig von Schmerzen in den stark belasteten Schultern und Handgelenken betroffen; bei Fußgängern, die Gehhilfen verwenden, kann es zu einer Überlastung von Hand- und Kniegelenken kommen. Dabei ist auch Gelenkverschleiß, die sog. Arthrose, nicht auszuschließen, wie Der-Querschnitt.de-Leser Jörg Rosin erzählt: „Mein Ellbogen ist völlig hinüber. Schon vor 5-6 Jahren hat eine Kernspintomographie gezeigt, dass da eine Gelenksarthrose ist. Jetzt kann ich den Arm weder richtig beugen, noch richtig strecken. Vor allem bei Transfers schränkt mich das ein.“ Und nicht nur die Mobilitätseinschränkung und Schmerzen im Ellbogen machte Rosin zu schaffen. „Mal zwickte es in der Schulter, mal im Daumen.“ Siehe auch: Altwerden ist nichts für Feiglinge – Über das Altern mit Querschnittlähmung.

Jenseits von Schmerzmitteln, gibt es verschiedene alternative Methoden, die Gelenkschmerzen lindern können (siehe auch: Alternative Methoden zur Behandlung von Gelenkschmerzen). Eine wichtige Rolle könnte bei der Behandlung von schmerzenden, entzündeten Gelenken auch die Aminosäure L-Methionin spielen.

L-Methionin

L-Methionin ist eine essenzielle Aminosäure, d. h. der Körper kann sie nicht selbst herstellen und sie muss über die Nahrung zugeführt werden. In Lebensmitteln kommt sie vor allem in Nüssen, Saaten und Lachs vor.

Lebensmittel zur Deckung des täglichen Bedarfs an L-Methionin sind:

  • Paranüsse (ca. 1.000 mg je 100 g),
  • Roher Lachs (ca. 626 mg pro 100 g),
  • Sesamkörnern (ca. 586 mg je 100 g),
  • Rindfleisch (ca. 554 mg pro 100 g),
  • Hähnchenbrustfilet (ca. 552 mg pro 100 g),
  • Getrocknete Sojabohnen (ca. 547 mg je 100 g).

Auch grüne Gemüse wie Broccoli, Rosenkohl und Spinat können zu einer ausreichenden Versorgung von ca. 21 mg pro Kilogramm Körpergewicht (bei gesunden Erwachsenen) mit L-Methionin beitragen.

Es ist allerdings so, dass die therapeutische Wirkung von Methionin über die Ernährung alleine nicht erreicht werden kann. Eine gezielte Nahrungsergänzung mit speziellen Aminosäure-Präparaten scheint notwendig zu sein (aminosäure.org, 2020).

Wie L-Methionin bei Arthrose helfen kann

Bei einer Arthrose kommt es zu einem Abbau von Gelenkknorpel, was zu schmerzhaften Entzündungen in dem betroffenen Gelenk führen kann. Man geht davon aus, dass ein Mangel an Schwefel im Körper, die Heilung des Knorpels erschweren kann. Studien zufolge verfügen Menschen mit einem gesunden Knorpel über dreimal mehr Schwefel im Knorpelgewebe als Menschen mit Arthrose. Zudem können einige Medikamente (z. B. manche Schmerzmittel) Schwefel binden und damit dem Körper entziehen. Wissenschaftler schließen daraus, dass Menschen mit Arthrose einen höheren Bedarf an Schwefel haben als Gesunde (Soeken, 2002). Über die Aminosäure L-Methionin kann die körpereigene Schwefelproduktion angekurbelt und ein Mangel ausgeglichen werden. 

In einer doppelblinden, randomisierten, kontrollierten klinischen Studie verglichen Forscher die Wirkung von L-Methionin mit der eines nicht-steroidalen Antirheumatikums (NSAR) bei Patienten mit Kniegelenkarthrose. Sie fanden heraus, dass L-Methionin ebenso gut wirkte wie das Antirheumatikum: Bei beiden Gruppen kam es nach 28 Tagen zu einer erheblichen Verbesserung der Schmerzen im Kniegelenk. Nach 56 Tagen verbesserten sich in beiden Gruppen die Morgensteifheit, die schmerzfreie Wegstrecke und die Beweglichkeit. Und: Bei den Patienten, die mit L-Methionin behandelt wurden, hielten die Verbesserungen länger an, als bei den anderen (Klötzer, 2014).

L-Methionin wirkte demnach sowohl entzündungshemmend als auch schmerzlindernd. Anders als bei anderen Mitteln, sind bei der Einnahme von L-Methionin kaum schwerwiegende Nebenwirkungen bekannt (Ursini, 2009).

Andere Quellen empfehlen zusätzlich zu L-Methionin auch die Aminosäuren L-Cystein (soll den Knorpel elastisch halten und seine passive Versorgung verbessern sowie die Bildung von Gelenkschmiere aktivieren) und die Aminosäuren L-Lysin und Prolin (spielen wichtige Rolle für den Gelenkstoffwechsel). Diese Empfehlungen werden nicht von Studien gestützt.

Über die Einnahme von L-Methionin und mögliche Nebenwirkungen

L-Methionin gibt es als Pulver, Tabletten oder Kapseln. Es wird als rezeptfreies Mittel in der Regel nicht mehr von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Hersteller empfehlen schmerzvorbeugend eine Einnahme von 1,5 Gramm täglich. Am besten wird Methionin über den Tag verteilt und zwischen den Mahlzeiten eingenommen, beispielsweise dreimal täglich 500 bis 1.000 Milligramm.

Die Behandlung von Arthrose muss stets mit einem Arzt abgestimmt werden.

Manche Menschen, die L-Methionin regelmäßig einnehmen, berichten von einem stark schwefeligen Geruch des Urins. Gelegentlich treten auch Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden und Müdigkeit auf.

Sehr selten kann es bei der Einnahme von hohen Dosen von L-Methionin vorkommen, dass eine Azidose (Übersäuerung des Blutes) entsteht. Der ph-Wert des Blutes sollte daher regelmäßig kontrolliert werden, da eine Azidose schwerwiegende Folgen haben kann und schnellstens von einem Arzt behandelt werden muss.

Menschen mit Querschnittlähmung kann L-Methionin evtl. auch bei der Prävention und Behandlung von Harnwegsinfektionen helfen. Siehe hierzu: Harnwegsinfektionen und Querschnittlähmung: Helfen D-Mannose und L-Methionin?