Höhenverstellbar und unterfahrbar: Wickeltische, an denen Eltern im Rollstuhl und im Stehen das Baby versorgen können

Das Baby ist da! Es braucht viel Liebe, einen Platz zum Schlafen, Nahrung – und eben auch bis zu zehn Mal am Tag eine frische Windel. Doch wie soll der Wickelplatz aussehen in einem Haushalt, in dem ein Elternteil Rollstuhlfahrer und der andere Fußgänger ist?

Bei der Höhe der Wickelfläche kann es keinen goldenen Mittelweg geben, denn der Platz in der Mitte wäre für den Mensch im Rollstuhl zu hoch – und für den stehenden Elternteil zu niedrig. Aber es gibt diverse Möglichkeiten, die Wohnung so auszustatten, dass Eltern sich zu gleichen Teilen an der Körperpflege des Babys beteiligen können. Vorausgesetzt, die funktionalen Möglichkeiten des querschnittgelähmten Partners lassen dies zu.

Variante 1: Wer viel Platz in der Wohnung hat, kann sich zwei Baby-Versorgungs- und Quatschmach-Stationen aufbauen: Eine auf Fußgänger- und eine auf Rollstuhlfahrerhöhe. So hat zum Beispiel eine querschnittgelähmte Leserin das Problem gelöst, die „statt eines handelsüblichen Wickeltischs, welcher meist nicht unterfahrbar ist, einen kleinen, unterfahrbaren Tisch, der auf meine Höhe angepasst ist“, für die Körperpflege des Nachwuchses genutzt hat. Diese Variante zieht vermutlich einige Doppelanschaffungen mit sich, damit Papa und Mama vom Feuchttuch bis zur Creme alles, was sie zur Versorgung des Babys brauchen, stets griffbereit haben.

Variante 2 (die der Vollständigkeit halber erwähnt sei): Einer der beiden Elternteile übernimmt den Wickeljob komplett – dann benötigt nur dieser einen Wickelplatz, der auf seine Arbeitshöhe zugeschnitten ist.

Variante 3: Ist der querschnittgelähmte Elternteil aufgrund seiner eingeschränkten körperlichen Funktionalität nicht in der Lage, ein Baby zu versorgen, gibt es die Möglichkeit der Elternassistenz. Die Assistenz agiert im Familienverbund als „dritter Arm“ des behinderten Elternteils, der Unterstützung braucht bei der Versorgung des Kindes. Die Leistungen, die erbracht werden, sind unterschiedlich und die Selbstbestimmung der Eltern bleibt durchgehend erhalten (mehr dazu im Beitrag Ratgeber Elternassistenz). Hier gilt es, die Arbeitshöhen an die Bedürfnisse von Assistenz und Partner ohne Querschnittlähmung anzupassen – ein rollstuhlgerechter Wickeltisch wird vermutlich nur in Ausnahmefällen benötigt. 

Variante 4: Eine höhenverstellbare, unterfahrbare Wickelkommode. Zugegeben keine besonders preiswerte Anschaffung. Inklusive Lift muss man als Endverbraucher mit mindestens 1800 Euro rechnen.

Beispiele für unterfahrbare Wickeltische zuhause*

Das Dömitzer Unternehmen timkid stellt unter anderem TÜV-geprüfte aufklappbare Wandwickeltische her, die auch im öffentlichen und gewerblichen Raum einsetzbar sind. Laut Hersteller kombiniert seine Lösung Wickelregal mit Wickelauflage und sei dadurch „eine tolle Alternative zu einer Wickelkommode.“ Gegenüber dem statischen Möbel besitzen die Wandwickeltische gerade für querschnittgelähmte Mamas und Papas einen großen Vorteil: Sie können mit einem Lift kombiniert werden und sind dann per Fernbedienung stufenlos höhenverstellbar. In der niedrigsten Position kann das Kleinkind aus eigener Kraft auf den Wickeltisch krabbeln, ein Stockwerk höher Mutter oder Vater vom Rollstuhl aus das Kind pampern und in der höchsten Position ein Fußgänger sich bequem um das Baby kümmern. Da die Wickelfläche an die Wand geklappt werden kann, ist unter ihr: nichts – der Klappwickeltisch ist also gut mit dem Rollstuhl unterfahrbar – wie auch ein Produktvideo von timkid zeigt:

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Weitergehende Informationen auf der Seite des Herstellers: timkid.de.

Auch Kayserbetten hat einen höhenverstellbaren, unterfahrbaren Wickeltisch im Angebot. Das Unternehmen aus Bad Fallingbostel-Dorfmark stellt laut Eigenbeschreibung seit mehr als 30 Jahren „innovative Kinderpflegebetten her, die die tägliche häusliche und stationäre Pflege einfacher machen. Dabei entsprechen KayserBetten selbstverständlich allen relevanten Normen und den strengen Kriterien des Hilfsmittelverzeichnisses.“ Die große Zielgruppe des Herstellers sind Menschen oder Einrichtungen, die sich um behinderte Kinder kümmern. Eine der Wickelkommoden des Unternehmens ist so konzipiert, dass auch Rollstuhlnutzer an ihr bequem und sicher ein Kind wickeln und pflegen können. Mit einer Fernbedienung kann die Höhe stufenlos zwischen 60 und 100 cm (inkl. 7,5 cm Rollen) verstellt werden. 

Den unterfahrbaren und höhenverstellbaren Wickeltisch von Kayserbetten gibt es in diversen Breiten.

Das Unternehmen bietet auch Einzelanfertigungen an. Möglich sind individuelle Konfigurationen in Optik und Größe der Wickelfläche.

Weitergehende Informationen auf der Seite des Herstellers: kayserbetten.eu

Barrierefreie Wickeltische auch unterwegs

Ein Baby muss ja nicht nur daheim, sondern auch außerhalb der eigenen vier Wände versorgt werden. Da hat es der Elternteil, der im Rollstuhl sitzt, mitunter doppelt schwer: Zum einen braucht er einen barrierefreien Wickelplatz – ist der nicht vorhanden, muss jemand anderes das Baby trockenlegen.

Und das öffnet Türen für Vorurteile gegenüber Eltern im Rollstuhl. So erzählt eine Mutter von zwei Kinder: „Als belastend empfinde ich es manchmal, dass ich mich selbst unter Druck setze, wenn wir mit Menschen unterwegs sind, die keinen Einblick in unser Leben haben. Es wirkt dann so, als müsste mein Mann alles alleine machen. In unbekannter Umgebung muss mein Mann auch öfters einspringen. Ist der Wickelraum nicht barrierefrei, dann muss mein Mann eben wickeln. Dies heißt aber nicht, dass er das auch alles sonst machen muss. Menschen sind manchmal sehr schnell, wenn sie sich ein Bild machen wollen.“ Das ganze Interview mit der zweifachen Mutter im Rollstuhl – siehe Beitrag Einfach unendlich viel Sonnenschein – vom Alltag als Mutter mit Handicap.  


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