Kalte Füße bei Querschnittlähmung

Menschen mit Querschnittlähmung können aus unterschiedlichen Gründen kalte Füße haben, etwa wenn Temperaturdysregulation und/oder Durchblutungsstörungen vorkommen. Es gibt aber Mittel und Wege, mit denen man dem Problem begegnen kann.

Für Nicht-Betroffene mag es nach Jammern auf hohem Niveau klingen, aber dauerhaft kalte Füße können für Menschen mit Querschnittlähmung sehr unangenehm sein. Und sie können auch weitere negative Folgen haben, denn der Körper kann auf den Reiz unterhalb der Lähmungshöhe mit Schmerzen oder Spastik reagieren. Auch können kalte Füße das Einschlafen erschweren, sie bedeuten Stress für den Körper und schließlich kann ein ständiges Kältegefühl ein quälender Zustand sein.

Gründe für kalte Füße bei Querschnittlähmung

  • Durchblutungsstörungen

Das autonome Nervensystem (siehe: Das Nervensystem) ist für die Steuerung von Funktionen wie Blutdruck, Herzfrequenz und andere Kreislauffunktionen verantwortlich. Dieses System wird durch Signale reguliert, die vom Gehirn über das Rückenmark gesendet werden. Wenn das Rückenmark verletzt ist, sind diese Kommunikationswege gestört. Der Herzschlag kann beeinflusst sein und auch die Reflexe zur Verengung oder Erweiterung der Blutgefäße können beeinträchtigt sein.

All dies beeinflusst, die Blutzirkulation und die Versorgung der Beine und Füße, weshalb sie kalt und/oder anschwellen können, u. a. weil die Muskelpumpfunktion fehlt. Siehe auch: Was tun bei geschwollenen Beinen? – Ödemtherapie bei Querschnittlähmung

  • Temperaturdysregulation

Eine Temperaturregulierungsstörung (siehe: Temperaturdysregulation) betrifft viele Menschen mit Querschnittlähmung. Das liegt daran, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Mess- und Regelkreise der Temperaturregulation im menschlichen Körper durch die Rückenmarksverletzung gestört sind.  Wenn es kalt ist, sollten die sensorischen Nerven der Haut Signale an das Gehirn senden, um ihm mitzuteilen, dass der Körper kalt wird. Daraufhin sollte das Gehirn die Blutgefäße verengen, um eine Unterkühlung zu verhindern. Im Fall einer Querschnittlähmung sind diese Mechanismen aber beeinträchtigt und die Füße bleiben kalt.

  • Bewegungsmangel

Auch Bewegungsmangel kann dazu führen, dass sich Füße und Beine von Menschen mit Querschnittlähmung kalt anfühlen.  Beim Gehen üben die Beinmuskeln Druck auf die Blutgefäße aus, was die Durchblutung fördert und so die Füße warmhält. Zudem ist zu bedenken, dass ein Großteil der Körperwärme über Muskelkontraktionen erzeugt wird. Wenn die Beinmuskeln also nicht bewegt werden können, kann der Körper nicht genügend Wärme aus eigener Kraft erzeugen, und die Füße werden schnell kalt.

  • Untergewicht und Mangelernährung

Untergewicht kann verursacht werden durch verminderten Appetit, als Nebenwirkung von Medikamenten, als Folge depressiver Verstimmungen oder als Alterserscheinung. Wenn als Begleiterscheinung einer Querschnittlähmung eine Schluckfunktionsstörung auftritt, kann auch diese Ursache für eine verminderte Nahrungsaufnahme sein. Wird der verminderten Nahrungsaufnahme nicht gegengesteuert, kann es zu einer Mangelernährung kommen(siehe auch: Was tun bei Untergewicht und Mangelernährung bei Querschnittlähmung). Sowohl die fehlende Fettschicht bei Untergewicht als auch eine Unterversorgung mit verschiedenen Mineralstoffen und Vitaminen können das Entstehen von kalten Füßen (und Händen) begünstigen.

Auch passive Bewegung kann helfen.

Was tun bei kalten Füßen?

Es gibt verschiedene Methoden, mit denen man den Füßen einheizen kann. Oft ist eine Kombination aus mehreren Möglichkeiten am hilfreichsten.

  • Wärmende Kleidung und Wärme zuführen

Füße und Beine warm einzupacken, ist das A und O, wenn man leicht friert. Dazu sind verschiedene wärmeisolierende Stoffe geeignet oder auch heizbare Kleidungsstücke wie Socken oder Schuhsolen. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass diese Kleidungsstücke u. U. gewisse Risiken wie Verbrennungen oder Druckstellen bergen können. Siehe auch: Heizbare Kleidung für kalte Wintertage. Dies gilt auch für Heizdecken und Wärmflaschen, die nie mit Wasser, das wärmer ist als 60 Grad Celsius gefüllt werden sollten. Auch Schlupfsäcke können dazu beitragen, dass Füße und Beine warm bleiben (siehe: Die stecken die Kälte weg … ) und im Büro und am Arbeitsplatz zu Hause bieten moderne Untertischheizungen eine gute Alternative zu Textilien und Wärmflaschen, siehe: Gegen kalte Beine am Schreibtisch – Die Untertischheizung)

  • Kompressionsstrümpfe

Kompressionsstrümpfe üben einen externen Druck auf die Blutgefäße aus und stimulieren so die Durchblutung. Wichtig ist, dass die Strümpfe genau passen. Wenn sie zu weit sind, verfehlen sie ihren Zweck, wenn sie zu eng sind schnüren sie den Blutzufluss in die Extremitäten ab und können zu Druckstellen führen. Siehe hierzu: Thrombose: Entstehung, Risikofaktoren, Prophylaxe

  • Passive Bewegung

Bewegung hilft die Durchblutung in den Extremitäten anzuregen. Wer keine Restmotorik hat und die Füße und Beine nicht aktiv bewegen kann, sollte Möglichkeiten der passiven Bewegung in Betracht ziehen, entweder mit Hilfe eines Therapeuten, eines Pflegenden oder entsprechender Geräte. Eine Reihe von Möglichkeiten werden im Beitrag Motorunterstützte Bewegungstrainer aufgezeigt.

  • Massage und Wärmebehandlungen

Wie die passive Bewegung regen Massagen die Durchblutung an. Siehe: Physikalische Therapie – Selbstheilungskräfte aktivieren und Ödemtherapie bei Querschnittlähmung: Was tun bei geschwollenen Beinen?.

Auch wohltuend und durchblutungsfördernd sind Wärmebehandlungen, wie Saunagänge, Moxaanwendungen oder einfach warme Fußbäder, denen ätherische Öle beigemischt werden können. Siehe hierzu: Mit Querschnittlähmung ins Sauna, Dampfbad und Co., Aromatherapie und Aufgüsse in der Sauna und Moxabehandlungen bei Querschnittlähmung.

  • Ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung

Wer optimal mit Makro–  und Mikronährstoffen versorgt ist, beugt den Begleiterscheinungen von Untergewicht und Mangelernährung vor und ist generell fitter und gesünder. Bei Querschnittlähmung gibt es ein paar Punkte zu beachten. Siehe auch: 14 Regeln zur Ernährung bei Querschnittlähmung.

Auch gut geeignet sich in der kalten Jahreszeit kuschlig warm zu fühlen sind Wärmende Ernährungsstrategien nach der Traditionell Chinesischen Medizin sowie Wärmende Getränke und verschiedene Kräuter und Gewürze.

Extratipp: Aufs Rauchen verzichten sollten sowohl Menschen mit als auch ohne Querschnittlähmung, da es viele negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann (siehe: Rauchen und Querschnittlähmung). Eine davon ist eine eingeschränkte Durchblutung von Gewebe, was zusätzlich zu allem anderen auch noch zur Entstehung von kalten Füßen beitragen kann.

Siehe auch: Fünf für die Füße und Heißt Tipps für kalte Tage