Wechseldruckmatratzen und -rollstuhlkissen

Wechseldrucksysteme werden von Menschen mit Querschnittlähmung zur Vermeidung von Druckstellen verwendet. Sie können als Matratzen im Bett oder als Sitzkissen im Rollstuhl Anwendung finden.

Druckstellen (Dekubitus) sind bei Querschnittlähmung aufgrund der Mobilitätsstörung und der Sensibitätsstörung ein großes Problem, das ernsthafte Konsequenzen mit sich bringen kann, und eine der häufigsten Komplikationen bei Querschnittlähmung (siehe: Entstehung von Druckstellen). Wenn eine Druckstelle erst einmal entstanden ist, kann die Behandlung für den Betroffenen, eine wochen- wenn nicht monatelange Einschränkung im Alltag bedeuten; schlimmstenfalls können Druckstellen zu einer Sepsis führen. Eine gut funktionierende Prophylaxe (siehe: Prävention von Druckstellen) ist für Menschen mit Querschnittlähmung daher Gold wert. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die zur Prophylaxe (und auch zu Behandlung) in Frage kommen, z. B. Wechseldruckmatratzen und -kissen.

So funktionieren Wechseldrucksysteme

Wechseldrucksysteme funktionieren nach dem Wirkprinzip der Druckentlastung. Wechseldruckmatratzen und -kissen gibt es von verschiedenen Herstellern; sie bestehen aus kleinteilig angeordneten Luftkissen, die mit Hilfe einer Pumpe abwechselnd mit Luft befüllt bzw. entleert werden. Dadurch findet mehrfach stündlich eine wechselnde Druckentlastung statt, die Druckstellen vorbeugen kann.

In der Praxis unterscheidet man manuell bzw. automatisch geregelte Wechseldruckmatratzen mit oder ohne Luftsrom.

Wechseldrucksysteme funktionieren nach dem Wirkprinzip der Druckentlastung. Wechseldruckmatratzen und -kissen gibt es von verschiedenen Herstellern; sie bestehen aus kleinteilig angeordneten Luftkissen, die mit Hilfe einer Pumpe abwechselnd mit Luft befüllt bzw. entleert werden. Dadurch findet mehrfach stündlich eine wechselnde Druckentlastung statt, die Druckstellen vorbeugen kann.

Die Stärke der Luftbefüllung wird manuell dem Körpergewicht und ggf. der Position des Patienten angepasst, um eine optimale Einsinktiefe zu erreichen und die Auflagefläche zu vergrößern. Die Matratzen bestehen aus großzelligen Systemen, mit einer Zellenhöhe von mind. 10 cm. Kleinzellige Systeme mit Zellenhöhe unter 10 cm sind nicht gebräuchlich.

Bei automatisch geregelten Wechseldrucksystemen wird eine veränderte Belastung (z. B. beim Sitzen) durch die Elektronik registriert und der Fülldruck automatisch erhöht bzw. gesenkt. Einige Produkte bieten die Möglichkeit, den Fülldruck manuell für einen begrenzten Zeitraum zu erhöhen (sog. Maximaldruckfunktionen) oder auf statischen Druck umzuschalten, um so Pflegemaßnahmen oder auch Transfer Bett/Rollstuhl auf der Matratze zu erleichtern.

Matratzen mit Luftstrom habennoch zusätzliche Eigenschaften: Die Liegefläche der Matratze ist teilweise feinporig gelöchert, so dass In Verbindung mit dem speziellen atmungsaktiven, luftdurchlässigen, abnehmbaren Bezug ein gutes Mikroklima und kontinuierlicher Luftstrom (auch Low-Air-Loss genannt) entsteht.

Indikationen für Wechseldrucksystem ohne Luftstrom

  • Druckentlastende Lagerung
  • Wenn mit Weichlagerungsmatratzen ein 4-6 stündiges Lagerungsintervall nicht möglich
  • Sicherung der häuslichen Versorgung
  • Sicherung einer Nachtruhe
  • Prophylaxe von Dekubitus
  • Sicherstellung des OP-Ergebnisses nach plastischer Dekubitus-Behandlung

Indikationen für automatisch geregelte Wechseldrucksystem ohne Luftstrom

  • Wie oben und:
  • Wenn die Wechseldruckmatratze manuell nicht adäquat eingestellt werden kann.
  • Wenn unterschiedliche Positionen (Rückenlage, Seitenlage) unterschiedliche Einstellungen erfordern

Indikationen für Wechseldrucksystem mit Luftstrom

  • Bei stark schwitzenden Patienten
  • Zur Verbesserung des Mikroklimas

Indikation für automatisch geregelte Wechseldruckmatratzen mit  Luftstrom

  • Wie oben und:
  • Wenn die Systeme mit manueller Einstellung nicht ausreichend.

Bei der Vermeidung von Druckstellen machen Matratzen mit Wechseldruck besonders viel Sinn, da während des Schlafes keine bewusste Umpositionierung vorgenommen werden kann. Das System sorgt für wechselnde Druckverhältnisse auf alle aufliegenden Körperteile und vermindert so den Auflagedruck (meist in einem Zyklus von 10 – 15 Minuten). Bei der Verwendung von Wechseldruckmatratzen ist zu bedenken, dass das Befüllen der Luftkammern nicht geräuschlos vonstatten geht, d. h. es kann zu einer Störung des Schlafes kommen.

Durch die wechselnde Positionierung können auch Sitzkissen mit Wechseldruck Druckspitzen vermeiden und das Dekubitusrisiko senken, da sie für eine minimale aber permanente Bewegung des Körpers sorgen. Während der Nutzung kann das Aggregat in z. B. einer Tasche am Rollstuhl befestigt werden. Die Systeme für den mobilen Gebrauch sind netzunabhängig und werden mit einem Akku betrieben.

Zur Dekubitusprophylaxe können Wechseldruck-Systeme durchaus beitragen, aber uneingeschränkt zu empfehlen sind sie nicht in jedem Fall: Unerwünschte Begleiterscheinungen können eine Erhöhung des Muskeltonus, eine veränderte Körperwahrnehmung oder auftretende Spastiken sein, d. h. wie bei so vielen Dingen, muss der Nutzer herausfinden, ob das System individuell für ihn geeignet ist oder nicht.

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Umpositionierung wichtig

Zwar dienen Wechseldruckmatratzen je nach angegebener Zweckbestimmung der Dekubitusprophylaxe und/oder -therapie (für welche Dekubitusgrade Matratzen geeignet sind, wird vom Hersteller angegeben), dennoch wird eine regelmäßige Umpositionierung, d. h. eine Veränderung der Sitz- bzw. Liegeposition des Betroffenen, durch Antidekubitus-Systeme nicht vollständig ersetzt. Und wenn ein Dekubitus erst einmal entstanden ist, ist die Entlastung der betroffenen Stelle das A und O der Behandlung. Im Hinblick auf Hilfsmittel und Heilung gilt folgender Merksatz: „You can put everything on the pressure sore except the patient. = Man kann alles auf das Druckgeschwür legen – nur den Patienten nicht.“

Hersteller

Hersteller von Matratzen und/oder Rollstuhlkissen mit Wechseldruck sind z. B. die Firmen Arjo, Novacare, SotTech, SLK, ALD, Hirtz oder Servoprax. Zu einem Vergleich von verschiedenen Produkten geht es z. B. hier.

Kosten und Kostenübernahme

Sitzkissen mit Wechseldruck gibt es ab ca. 900 Euro, Matratzen mit Wechseldruck ab ca. 1.500 Euro (Stand Nov. 2020). Es ist zu beachten, dass nicht jedes Produkt zur Verwendung bei jedem Dekubitusgrad vorgesehen ist. Alleine dadurch ergeben sich schon erhebliche Preisunterschiede. Ob die Kostenträger die Kosten bei entsprechender Indikation übernehmen, muss im Vorfeld individuell geklärt werden. Zumindest bei den Matratzen stehen die Chancen dabei aber recht gut (siehe: BIVA Urteil zur Kostenübernahme von Anti-Dekibitusmatratze – externer Link).

Weitere Informationen

Mit Druckmessung arbeiten auch andere Systeme, die bei Dekubitus prophylaktisch eingesetzt werden können, siehe z. B.:

Wechseldrucksysteme sind nicht die einzigen Systeme, die bei erhöhtem Dekubitusrisiko bei Querschnittlähmung eingesetzt werden können. Siehe dazu: