Diese sieben Lebensmittel können Entzündungen hemmen

Chronische Entzündungen und schmerzhafte Entzündungen als Begleiterscheinung von Gelenkverschleiß, können bei Menschen mit Querschnittlähmung häufig vorkommen und deren Mobilität erheblich einschränken. Die gezielte Aufnahme von entzündungshemmenden Nahrungsmitteln in den täglichen Speiseplan, kann helfen Schmerzen zu lindern und entzündlichen Prozessen entgegenzuwirken.

Menschen mit Querschnittlähmung sind, wenn sie den Rollstuhl antreiben, häufig von Schmerzen in den stark belasteten Schultern und Handgelenken betroffen; bei Fußgängern, die Gehhilfen verwenden, kann es zu einer Überlastung von Hand- und Kniegelenken kommen. Dabei ist auch Gelenkverschleiß, die sog. Arthrose, nicht auszuschließen. Zu chronischen Entzündungen kann es u. U. auch aufgrund einer Querschnittlähmung kommen. Dabei kann auch gesundes Gewebe angegriffen werden, siehe: Chronische Entzündungen und Querschnittlähmung.

Jenseits von Schmerzmitteln, die unschöne Nebenwirkungen mit sich bringen können, gibt es verschiedene alternative Methoden, die chronische Schmerzen und Gelenkschmerzen lindern können (siehe: Alternative Methoden zur Behandlung von Gelenkschmerzen). Dazu zählt auch eine entsprechende Ernährung. Diese kann zwar Entzündung nicht beseitigen, aber evtl. ein weiteres Fortschreiten vermindern.

Lebensmitteln, denen entzündungshemmen Eigenschaften zugeschrieben werden, sind z. B. Lebensmittel, die reich an Omega 3 und 6 Fettsäuren und reich an Ballaststoffen sind, manche Obstsorten, Nüsse und grünes Blattgemüse. Meiden sollte man zuckerreiche und frittierte Lebensmittel, gesättigte Fettsäuren und Transfettsäuren, Fertigprodukte und rotes Fleisch.

Regelmäßig verzehrt werden sollten z. B. die folgenden Lebensmittel, die man auch nach Lust und Laune auf dem Teller kombinieren kann.

  • Ananas

Die Enzyme Bromelain sind es, die die Ananas so wertvoll machen. Sie gehören zur Familie der Cysteinproteasen, die entzündungshemmend sowie muskelentspannend wirken. Cystein ist neben Methionin eine der Aminosäuren, die bei Gelenkverschleiß vermehrt zugeführt werden sollen. Siehe: Wie Aminsosäuren bei Gelenkverschleiß helfen können

  • Fetter Seefisch aus Wildfang

Fetter Seefisch, wie Lachs, Hering und Thunfisch, ist reich an Protein, Mineralstoffen und den wichtigen Omega 3 Fettsäuren. Dazu gehören z. B. Eicosapentaen- (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), die starke Entzündungshemmer sind.

  • Grünkohl

Der Hype um den Grünkohl ist vollauf gerechtfertigt, denn er enthält die Vitamine A, C, K und Calcium, Beta-Carotin, Eisen, Magnesium, sowie die Entzündungshemmer Omega-3 sowie Omega-6-Fettsäuren in nennenswerten Mengen. Mit 4,2 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm ist Grünkohl ein ballaststoffreiches Gemüse.  Auch das enthaltende Chlorophyll soll hilfreich sein: Der Pflanzenfarbstoff kann die Leber dabei unterstützen, entzündungsfördernde Schwermetalle und Umweltgifte auszuleiten.

  • Ingwer

Ingwer enthält Gingerole und Shogaole sowie viele gesundheitsförderliche ätherische Öle. Die kleine Knolle soll nicht nur bei Erkältungen und Magen-Darmerkrankungen helfen (siehe: Ingwer: Wohltuende Schärfe) sondern auch fiebersenkende entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften besitzen. Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Rheuma und Arthrose wird Ingwer als Alternative zu Schmerzmitteln eingesetzt.

  • Leinsaat

Leinsaat ist nicht nur reich an Ballaststoffen (fast 40 Gramm in 100 Gramm Leinsaat!) und Omega 3 Fettsäuren, sondern enthält auch Phytoöstrogene, die mit den menschlichen Östrogenrezeptoren reagieren und dadurch die Aktivität der körpereigenen Östrogene nachahmen oder blockieren. Dies wirkt vorteilhaft, da körpereigene Östrogene entzündliche Prozesse begünstigen, die nachgeahmten aber nicht.

  • Walnüsse

Walnüsse bieten eine gute Kombination aus Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die dafür sorgen, dass z. B. Blutgefäße vor Entzündungsreaktionen geschützt werden. Zudem sind Walnüsse reich an Antioxidantien und Ballaststoffen.

  • Zwiebelgewächse

Zwiebeln, Schalotten, Lauch und Knoblauch gehören zur Familie der Zwiebelgewächse, die sich durch ihre gesundheitsfördernden Schwefelverbindungen auszeichnen. Während Zwiebeln in das Schwefelmolekül Onionin A und das Antioxidans Quercetin gegen entzündliche Prozesse vorgehen, ist auch Knoblauch mit seinen schwefelhaltigen Stoffen z. B. Diallyldisulfid ein altbewährtes Hausmittel gegen Entzündungen. Alle Zwiebelgewächse sind reich an der entzündungshemmenden Aminosäure Methionin. Siehe: Wie Aminosäuren bei Gelenkverschleiß helfen können.

Wieso wirken diese Lebensmittel entzündungshemmend?

Zusammengefasst sind es Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe, schwefelhaltige Aminosäuren und Ballaststoffe, die im Körper gezielt gegen Entzündungen wirken sollen.

  • Ballaststoffe

Ballaststoffe spielen eine entscheidende Rolle in der Ernährung. Sie sind Nahrungsbestandteile, die der menschliche Körper nicht verdauen kann, jedoch positive Auswirkungen auf Verdauung und Gesundheit haben. Für Menschen mit Querschnittlähmung sind sie vor allem in Hinblick auf das Darmmanagement wichtig (siehe: Ballaststoffe für die Verdauung), doch auch bei entzündlichen Prozessen im Körper können sie einen positiven Einfluss haben. Ballaststoffe wirken entzündungshemmend, weil sie entzündungsfördernde Stoffe binden und aus dem Körper schleusen können, bevor sie Schaden anrichten können.

30 g Ballaststoffe sollten am Tag verzehrt werden. So lautet die Empfehlung der DACH für nicht von einer Querschnittlähmung betroffene Fußgänger. Von dieser Empfehlung kann auch für den querschnittgelähmten Patienten ausgegangen werden (DACH, 2013). Die meisten Menschen in Mitteleuropa verzehren deutlich weniger Ballaststoffe.

Man unterscheidet lösliche und nicht lösliche Ballaststoffe, die beide gleichermaßen wertvoll sind. Sie kommen fast ausschließlich in pflanzlichen Nahrungsmitteln vor, in nennenswerten Mengen in Vollkornprodukten, vielen Gemüsesorten, Nüssen, Saaten und Beerenobst.

  • Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren

Der menschliche Körper benötigt Fett als Energiespender, Bau- und Speicherstoff und als Träger fettlöslicher Vitamine. Im Abbauprozess entstehen Fettsäuren. Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren sind essenziell (d. h. sie müssen über die Nahrung aufgenommen werden) und sind Gegenspieler der jeweilig anderen für die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts biologischer Prozesse und wirken dann am besten, wenn sie in einem ausgewogenen Verhältnis verzehrt werden. In Mitteleuropa werden allerdings zu viele Omega-6 Fettsäuren konsumiert (z. B. aus Pflanzenölen in Fertigprodukten) und zu wenig Omega-3 Fettsäuren und nur wenn das Verhältnis ausgewogen ist, kann eine entzündungshemmende Wirkung eintreten.

Omega-3 Fettsäuren finden sich in Leinöl, Walnüssen und fettreichen Seefischen. Ein ideales Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 Fettsäuren ist in Rapsöl gegeben.

  • Schwefelhaltige Aminosäuren

Da man davon ausgeht, dass ein Mangel an Schwefel im Körper, die Heilung des Knorpels bei Arthroseerkrankungen erschweren kann, wird ein erhöhter Bedarf bei Menschen mit Arthrose vermutet (Soeken, 2002). Über Aminosäuren wie L-Methionin und L-Cystein kann die körpereigene Schwefelproduktion angekurbelt und ein Mangel ausgeglichen werden.

Zudem wirken schwefelhaltige Aminosäuren sowohl entzündungshemmend als auch schmerzlindernd (Ursini, 2009). Sie stecken in großen Mengen in Nüssen, Saaten, Lachs, grünem Blattgemüse und Sojabohnen.

  • Sekundäre Pflanzenstoffe

Eine hohe Zufuhr von sekundären Pflanzenstoffen über pflanzliche Lebensmittel geht mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie weiterer Krankheiten einher. Immer mehr Ergebnisse aus epidemiologischen Studien belegen, dass diese Substanzen das Risiko für verschiedene Krebsarten senken. Einige wirken cholesterolsenkend, andere verbessern die Funktion der Blutgefäße oder senken den Blutdruck. Ihre antioxidativen, entzündungshemmenden und antibakteriellen Wirkungen wurden in Tier- und experimentellen Studien belegt.

In der Pflanze erfüllen sekundäre Pflanzenstoffe ganz unterschiedliche Funktionen. Einige geben den Pflanzen ihre Farbe oder das Aroma, andere schützen vor Fraßfeinden und Krankheiten oder regulieren das Wachstum. Etwa 100 000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe sind derzeit bekannt. Täglich werden mit einer normalen Mischkost bis zu 1,5 Gramm sekundäre Pflanzenstoffe zugeführt, bei Vegetariern ist die Menge oftmals deutlich höher. Wie hoch die optimale Zufuhrmenge sein sollte, lässt sich noch nicht abschätzen.

Von Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten sekundären Pflanzenstoffen rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ab. Vielmehr sollten sekundäre Pflanzenstoffe und andere entzündungshemmende Nährstoffe zugeführt werden, indem die Lebensmittel, in denen sie vermehrt vorkommen, in den täglichen Speiseplan aufgenommen werden.

  • Flavonoide verleihen vielen Gemüse- und Obstarten ihre rote, blaue, gelbe und violette Farbe und sind beispielsweise in Äpfeln, Zwiebeln, Soja und Tee enthalten. Eine Untergruppe stellen die Proanthocyanidine dar. Sie kommen in Beeren, Rotwein, Äpfeln, Tee, Nüssen und Schokolade vor.
  • Carotinoide: Von den über 700 verschiedenen Carotinoiden haben etwa 50 Provitamin A-Aktivität. Die Carotine – wie α- und β-Carotin sowie Lykopin – kommen v. a. in orange-gelb-rotem Gemüse und Obst vor. Die Xanthophylle wie Lutein, Zeaxanthin und β-Cryptoxanthin finden sich überwiegend in grünem Gemüse.
  • Phytosterole sind aufgrund ihrer chemischen Struktur und ihrer Funktion im Organismus dem tierischen Cholesterol sehr ähnlich. Sie sind wichtige Bestandteile von pflanzlichen Zellmembranen. In Lebensmitteln finden sie sich vor allem in fettreichen Pflanzenteilen wie Nüssen, Saaten und Vollkorn.
  • Phytoöstrogene werden in drei Strukturklassen eingeteilt: Isoflavone, Lignane und Coumestane. Sie reagieren mit den menschlichen Östrogenrezeptoren und können dadurch die Aktivität der körpereigenen Östrogene nachahmen oder blockieren. Hauptquelle für Phytoöstrogene stellen Soja und Sojaprodukte dar. In Vollkornprodukten und Leinsamen sind sie ebenfalls enthalten.
  • Glucosinolate sind in Senf, Rettich, Kohl, Kresse und Radieschen enthalten und verleihen diesen als scharf schmeckende Aromastoffe ihren typischen Geschmack (DGE, 2020).