Kunst trifft Rollstuhl – Walking Chair und Playa Crawler sind „Rollstühle“ auf Füßen

Was läuft denn da über den Strand? Ist das ein Rollstuhl? Ein Rollstuhl auf Füßen… ? Gleich zwei rollstuhlähnliche Gefährte gibt es, die sich auf kleinen Beinchen über losen Untergrund bewegen. Sie haben beide gewisse Vorteile, doch machen sie dem Rollstuhl wirklich Konkurrenz?

Walking Chair: Design Martin Harris

Auf einem ebenen, geraden Untergrund ist ein Rollstuhl schnell und wendig, doch auf Unebenheiten und Bodenbelägen wie Sand, Kies und Gras haben Räder es deutlich schwerer als Beine. Zwei Prototypen, der Walking Chair und der Playa Crawler, zeigen wie es anders geht.

Anfang des Jahrtausends hatte der britische Student Martin Harris den Walking Chair (den laufenden Stuhl) entwickelt. Er bewegt sich auf zwölf kurzen Beinen, überwindet Bordsteine und hätte in seiner Funktionalität dem Rollstuhl durchaus Konkurrenz machen können – wenn er es je über den Prototypen-Status hinaus geschafft hätte.

Walking Chair

Während seines Produkt-Design Studiums entwickelte Harris den Walking Chair, in der Hoffnung, eines Tages die Bewegungsfreiheit und Lebensqualität von Menschen mit eingeschränkter Mobilität verbessern zu können. Statt der Räder befinden sich an jeder Seite des batteriebetriebenen Walking Chairs sechs Metallbeine, die es ermöglichen, auf fast jedem Untergrund zu laufen, moderate Gefälle zu überwinden und über Hindernisse zu steigen. Ein Bordstein kann ohne Mühe überwunden werden, zum Treppensteigen ist der Walking Chair allerdings nicht geeignet.

Alternative zum Elektrorollstuhl

Gedacht war der  Walking Chair für Menschen mit eingeschränkter Mobilität der oberen Extremitäten, da nur eine einseitige Beweglichkeit von Hand und Arm benötigt wurde, um ihn nutzen zu können. Seine Geländegängigkeit bot einen weiteren, entscheidenden Vorteil. “Elektrorollstühle sind entweder für die Nutzung im Haus oder für die Nutzung im Freien konstruiert“, sagte Harris. „Aber nicht für beides.“ Der Walking Chair wäre kompakt genug für die Nutzung in Räumen gewesen gleichzeitig aber für alle Arten von Untergrund geeignet, die für schwer Elektrorollstühle gewöhnlich Probleme darstellen.

Harris Website www.walkingchair.co.uk ist derzeit (Jan. 2021) nicht erreichbar und man kann davon ausgehen, dass der Walking Chair nie mehr als eine gute Idee sein wird.

Playa Crawler

Nie als Rollstuhlersatz gedacht aber optisch deutlich aufregender als der Walking Chair ist der Playa Crawler (etwa: Strandkrabbler) von Mark Ellis. Gedacht ist er als ein optisch vom Dieselpunk inspiriertes Ein-Personen-Scout-Fahrzeug, das die von Theo Jansen (s. u.) entwickelte Bewegungsmechanismen nutzt. Laut Ellis wurde er entwickelt, um „die Alkali-Ebenen der großen Black Rock Wüste zu durchstreifen“, was ziemlich poetisch klingt.

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Freimütig räumt Ellis auch ein, dass der Playa Crawler – mal abgesehen von seiner pompösen Optik – gegenüber einem Rollstuhl keinerlei Vorteile habe. Aber ein medizinisches Hilfsmittel hatte er ohnehin nie sein sollen. Ellis entwickelte den Playa Crawler als Hingucker. Und nur zu seinem Privatvergnügen. Auf die Frage, warum er den Crawler gebaut habe, antwortet er: „Zum Spaß und weil es cool ist! Das ist doch Grund genug, oder? Außerdem wollte ich etwas haben, auf dem ich beim Burning Man (Kunstfestival in den USA) herumfahren kann. Ich hatte noch nie gesehen, dass jemand Theo Jansens Vorlagen in einem Transportfahrzeug verwendet hat und dachte, es wäre ein cooles Projekt, das ich machen könnte.“

Und ein kleines bisschen Rollstuhl steckt doch drin, im Playa Crawler.  Er wird von zwei bürstenlosen elektrischen Rollstuhlmotoren und zwei großen Bleiakkus angetrieben. Die Motoren, die Steuerung und der Joystick stammen alle von einem zerlegten Arrow Rollstuhl des Herstellers Invacare.

Ellis facebook-Seite bietet weitere Informationen und Eindrücke.

Vorbild: Standbeesten

Inspiriert wurden beide Designer von den Strandbeesten, den beweglichen Skulpturen des niederländischen Künstlers und Ingenieurs, Theo Jansen. Auf Jansens Website heißt es über die Kunstprojekte: „Seit 1990 beschäftigt sich Theo Jansen mit der Erschaffung neuer Lebensformen: den so genannten Strangbeesten. Diese bestehen nicht aus Proteinen wie gängige Lebensformen, sondern aus einem anderen Grundstoff: gelben Plastikschläuchen. Skelette aus diesen Schläuchen sind in der Lage zu laufen. Ihre Energie beziehen sie aus dem Wind. Sie entwickelten sich über viele Generationen und wurden immer besser darin, Stürme und Meerwasser zu überleben. Mit der Neuschöpfung hofft er, weiser im Umgang mit der bestehenden Natur zu werden, indem er auf Probleme stößt, denen sich der echte Schöpfer stellen musste.“

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