Rehabilitationssport: Argumentation, Verordnung, Antragstellung

Ziel der medizinischen Rehabilitation bei Querschnittlähmung ist es, wieder schnell fit für den Alltag zu werden. Der Rehabilitationssport sollte dabei lebenslang betrieben werden. Doch wie schaut es mit der Verordnungsfähigkeit aus? Hier einige Antworten.

Der Rehabilitationssport nach Eintritt einer Querschnittlähmung soll frischverletzten Rollstuhlfahrern helfen, die im Sitzen stärker genutzten Muskeln aufzubauen und den Umgang mit dem Rollstuhl zu lernen. Die Übungen sollen vor allem die psychische und physische Leistungsfähigkeit stärken, zu der z. B. Ausdauer, Koordination, Flexibilität und Kraft gehören. Dies kann durch Gymnastik, Leichtathletik, Schwimmen oder Bewegungsspiele in der Gruppe erfolgen. Über die Bedeutung der Sporttherapie informiert der Beitrag Sporttherapie in der Rehabilitation von Menschen mit Querschnittlähmung.

Die genannten Ziele müssen aber auch langfristig angestrebt werden, was bedeutet, dass der Rehabilitationssport für Querschnittgelähmte eine lebenslange Aufgabe ist und vom Leistungssport abgegrenzt betrachtet werden muss.

Argumentation für Verordnung und Kostenübernahme von Rehabilitationssport durch die Leistungsträger

Damit die Kosten für Rehabilitationssport von den Leistungsträgern übernommen werden, kann man bei Antragstellung einige Argumente ins Feld führen. Andreas Löhlein, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin in Bad Wildbad erklärt:

Regelmäßige sportliche Betätigung ist dauerhaft notwendig, da verlorengegangene Mobilität ständig ausgeglichen werden muss, da z. B.

  • Fehlende Kreislaufstabilität / fehlendes Kreislauftraining Folgeerkrankungen wahrscheinlicher machen als beim nichtbehinderten Menschen,
  • Fehlende Beweglichkeit und damit fehlende Gewebedurchblutung die Dekubitusgefahr erhöhen können,
  • Körperliche Beanspruchung die Spastik reduzieren kann, und
  • Zahlreiche, für querschnittgelähmte Menschen typische Schmerzzustände kaum durch Medikamente, wohl aber durch ablenkende und fordernde körperliche Aktivität beeinflussbar sind.

Diese notwendige regelmäßige sportliche Betätigung muss in Form des Rehabilitationssports, d. h. in Gruppen, unter Anleitung und ständiger Anwesenheit von speziell im Bereich Rehabilitation geschulten Übungsleitern sowie nach ärztlicher Indikationsstellung und unter ärztlicher Betreuung erfolgen, da z. B.

  • Nahezu alle Sportarten für die Ausübung durch querschnittgelähmte Menschen umgestaltet, modifiziert trainiert und behinderungsspezifisch überwacht werden müssen,
  • Eine völlig anders gelagerte Verletzungsgefahr besteht und die Vermeidung von Fehlbelastungen individuell und behinderungsspezifisch trainiert werden muss,
  • Die Kreislaufreaktionen auf körperliche Belastung (besonders bei hohen Querschnittlähmungen) sich völlig von denen nichtbehinderter

Zum kostenfreien Download zu Löhleins kompletten Ausführungen geht es hier.

Antragstellung für den Rehabilitationssport

Ist nach einer Erkrankung oder auch aufgrund einer erworbenen oder angeborenen Behinderung die physische Leistungsfähigkeit gefährdet, kann Rehabilitationssport dazu beitragen Akutphasen zu überbrücken und die Wiedereingliederung in den Alltag zu erleichtern. Rehabilitationssport ist nach §44 des Sozialgesetzbuches (§ 64 SGB IX) eineErgänzende Leistung, welche Ihnen zusteht und nicht verwehrt werden kann. Erster Ansprechpartner bei der Frage nach Rehabilitationssport ist der behandelnde Arzt, da die Notwendigkeit von rehasportlichen Maßnahmen dann in Anspruch genommen werden, wenn diese Notwendigkeit festgestellt wird.

Der Verein Reha-Sport-Bildung e. V. gibt Auskunft darüber, welche Schritte bei Verordnung und Antragstellung wichtig sind. Der Leitfaden „So erhalten Sie eine Verordnung für Rehasport und stellen den richtigen Antrag für Ihre Krankenkasse“ erklärt, wie ein Antrag gestellt wird, wie Rehabilitationssport dauerhaft und ohne Zuzahlung erlangt werden kann und beleuchtet Richtwerte zu zahlungsfreien Leistungen verschiedener Kostenträger.

Ist der Kostenträger z. B. eine Unfallversicherung, besteht generell keine Einschränkungen in der Dauer und Zahl der in Anspruch zu nehmenden Einheiten. Ebenfalls ist so eine Wiederholung, bei nicht erfolgreichem Abschluss möglich. Die gesetzliche Krankenversicherung dagegen genehmigt die Dauer des Rehabilitationssports danach, wie diese im Einzelfall notwenig, geeignet und wirtschaftlich ist. Die Richtwerte liegen bei 50 Übungseinheiten, welche auf 18 Monate verteilt werden. Bei Erkrankungen oder Behinderungen mit starker Beeinträchtigung oder mit Notwendigkeit komplexerer Übungen, erhöhen sich diese Werte auf 120 Einheiten in 36 Monaten.

Zur Aufstellung von Reha-Sport-Bildung geht es hier.