Physiotherapie und Ernährungstherapie weiter per Video möglich

In der Physiotherapie und der Ernährungstherapie wird es weiterhin die Möglichkeit zur Videobehandlung geben. Auch die telemedizinische Beratung bei intensivpflichtigen Coronapatienten wird in die Regelversorgung aufgenommen. Andere Corona-Sonderregelungen – Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung oder Folgeverordnungen für Arzneimittel – gelten dagegen nur noch bis Ende Mai oder wurden bereits ganz abgeschafft. Die Videosprechstunde bei Ärzten ist ohnehin schon Standard.

Das Corona-Virus machte Sonderregelungen für das Gesundheitswesen nötig – einige bleiben dauerhaft.

Ärzte: Videosprechstunde ist kassenärztliche Regelleistung

Viele Ärzte bieten Online-Sprechstunden an, die sie mit der Krankenkasse abrechnen können – dabei gelten allerdings bestimmte Vorgaben zu Facharzt und Indikation. Das Portal (externer Link) krankenkassen.de nennt alle berechtigten Fachrichtungen. Laut Portal können u.a. folgende Leistungen per Video erbracht werden:

  • postoperative Verlaufskontrolle einer Operationswunde, von Dermatose(n) oder akuter, chronischer und/oder offenen Wunden
  • Verlaufskontrolle und Beurteilung von Einschränkungen des Stütz- und Bewegungsapparates
  • postoperative Kontrolle des Genesungsverlaufs

Tipp: Dieser Leistungskatalog wird ständig ausgebaut – bei Interesse am besten mit dem eigenen Arzt des Vertrauens sprechen, was für ihn möglich ist.

Auch in zwei wichtigen Bereichen der Heilmittelversorgung werden Video-Sprechstunden nun dauerhaft möglich. Eingeführt als Sonderregelungen während der Corona-Pandemie werden in der Physio- und Ernährungstherapie entsprechende Angebote in die Regelversorgung aufgenommen, so der GKV-Spitzenverband.

Vereinbarungen in der Physiotherapie

Folgende physiotherapeutische Behandlungen können nun regelhaft per Video durchgeführt werden:

• Krankengymnastik für Einzelne und Gruppen (bis zu 50 Prozent der verordneten Einheiten)

• Krankengymnastik bei Mukoviszidose (bis zu 50 Prozent der verordneten Einheiten)

• Krankengymnastik für das Zentrale Nervensystem (Bobath) für Kinder und Erwachsene (bis zu drei Behandlungseinheiten)

• Manuelle Therapie (nur eine der verordneten Behandlungseinheiten)

Vereinbarungen in der Ernährungstherapie

In der Ernährungstherapie können künftig die Anamnese und die Intervention per Video durchgeführt werden. Vereinbart wurde, dass nicht mehr als 50 Prozent der verordneten Zeitkontingente per Video erbracht werden dürfen. Bis zu 30 Minuten des Kontingents können zudem nun auch als telefonische Beratung abgerechnet werden.

Zusätzliche Regelungen für beide Heilmittel-Bereiche

Für Physiotherapie und Ernährungstherapie gilt, dass die Therapeutinnen und Therapeuten die Videobehandlung in ihren Praxisräumen durchführen müssen. Der erste Termin einer Behandlung muss in Präsenz stattfinden, das Einverständnis der Patientinnen und Patienten zur Videobehandlung ist erforderlich.

Neben neuen Positionsnummern zur Abrechnung gibt es nun auch Regeln für die technischen Voraussetzungen: Therapeutinnen und Therapeuten brauchen neben einem internetfähigen Endgerät ein Programm eines zertifizierten Videodienstanbieters.

Keine Einigung in anderen Heilmittel-Bereichen

Für die Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie konnte keine Einigung erzielt werden, da einer von vier Berufsverbänden die Vereinbarung zur Videotherapie nicht unterzeichnet hat. Auch für die Ergotherapie gibt es noch keine Einigung. Für beide Bereiche wurde bereits die Schiedsstelle angerufen. Leider können bis zur Entscheidung der Schiedsstelle weder Ergotherapie noch Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie per Video mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden. Für den Bereich Podologie kommt die Videotherapie nicht in Betracht. Daher war eine Vereinbarung darüber für keine Partei notwendig.

Beratung intensivpflichtiger Coronapatienten

Ebenfalls komplett in die Regelversorgung aufgenommen wurde die telemedizinische Beratung bei intensivpflichtigen Coronapatienten. „Das in Herz- und Lungenzentren vorhandene Expertenwissen soll von anderen Krankenhäusern bei der Behandlung von intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten mit COVID-19 genutzt werden können. Mit Hilfe von Audio-Videoübertragungen sind dann gemeinsame Beratungen zur Therapieplanung und Versorgung möglich“, vermeldet der G-BA.

Krankenhäuser, die als Zentren besondere Aufgaben wahrnehmen, können dafür seit 2020 finanzielle Zuschläge erhalten. Dazu zählen:

  • Herzzentren
  • Lungenzentren
  • neurovaskuläre Zentren
  • onkologische Zentren
  • rheumatologische Zentren
  • Traumazentren
  • Zentren für seltene Erkrankungen

Bis Ende Mai befristete Sonderregelungen

Die meisten Corona-Sonderregelungen wurden Ende März 2022 beendet, einige gelten nur noch (Stand: 29.03.2022) bis 31. Mai 2022:

  • Bescheinigung Arbeitsunfähigkeit

Wer an leichten Atemwegserkrankungen leidet, kann telefonisch bis zu 7 Kalendertage krankgeschrieben werden. Voraussetzung: eine eingehende telefonische Befragung durch den Arzt. Ebenfalls telefonisch möglich: eine einmalige Verlängerung der Krankschreibung für weitere 7 Kalendertage.

Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus kann eine Arbeitsunfähigkeit für eine Dauer von bis 14 Kalendertagen ausgestellt werden.  

  • Folgeverordnung für Arzneimittel

Zum zwingenden Schutz besonders vulnerabler Patientengruppen sind Folgeverordnungen ohne direkten Arzt-Patienten-Kontakt möglich.

Alle Sonderregelungen und ihre Geltungsdauer stellt der G-BA auf seiner Seite sehr detailliert  und unter Nennung der gesetzlichen Grundlagen dar: Befristete Sonderregelungen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie – Gemeinsamer Bundesausschuss (g-ba.de). Zudem hat der Ausschuss die Regelungen in einer Übersicht zusammengefasst: Schema über die aktuell bundeseinheitlich geltenden COVID-Sonderregelungen in Richtlinien des G-BA zu Veranlassten Leistungen und zur Feststellung der Arbeitsunfähigkeit