Querschnittgelähmt nach Badeunfall

Vorsicht im Sommer: Ca. 4 % der unfallbedingten Querschnittlähmungen entstehen bei Badeunfällen (siehe: Ursachen für eine Querschnittlähmung). PD Dr. Mirko Aach, Leitender Arzt der Abteilung für Rückenmarkverletzte im BG Universitätsklinikum Bergmannsheil, erklärt die Hintergründe.

Sommerzeit ist Badezeit, doch der Freizeitspaß hat immer wieder tragische Folgen: Wer den Kopfsprung in unbekanntes und zu flaches Gewässer probt, bringt sich und seine Gesundheit in höchste Gefahr. Auch 2020 verzeichnete die Abteilung für Rückenmarkverletzte im Bergmannsheil wieder mehrere tragische Fälle von Menschen, die nach einem Kopfsprung einen Halswirbelbruch erlitten haben und seitdem querschnittgelähmt sind. Die Folgen sind dann oftmals ein Leben im Rollstuhl oder sogar an der Beatmungsmaschine – und das lebenslang.

Vor allem Jugendliche betroffen

„Vor allem Jugendliche springen immer wieder kopfüber in Kanäle, Seen oder Flüsse, ohne sich über die Gefahren bewusst zu sein“, erklärt PD Dr. Mirko Aach, Leitender Arzt der Abteilung für Rückenmarkverletzte im BG Universitätsklinikum Bergmannsheil. Aber auch die immer beliebter werdenden Heimpools sind eine Gefahrenquelle: „Denn auch hier kommt es leider immer wieder zu tragischen Unfällen, weil Menschen per Kopfsprung in die viel zu niedrigen Becken eintauchen wollen“, so der Experte.

Lebenslange Querschnittlähmung

Wer kopfüber in zu flaches Wasser springt, kann ungebremst mit dem Kopf auf den Grund aufschlagen. Oft ziehen sich die Springer einen Bruch der Halswirbel und eine Verletzung des Rückenmarks zu. „Solche Verletzungsmuster sind oft sehr gravierend und irreparabel, sie gehen dann leider mit einer dauerhaften Querschnittlähmung einher“, so Dr. Aach. In diesem Jahr nahm die Abteilung bereits sechs Patienten auf, die wegen eines Kopfsprungs jetzt dauerhaft querschnittgelähmt sind. Möglicherweise suchen Menschen in diesem Jahr  vermehrt gefährliche und ungeeignete Badestellen auf, weil öffentliche Bäder und offizielle Badestellen wegen der aktuellen Corona-Situation nur eingeschränkt geöffnet sind.

Weit überwiegend sind es junge Männer, die aus Leichtsinn, Übermut und teilweise auch unter Alkoholeinfluss waghalsige Kopfsprünge verüben. Es gibt aber durchaus auch ältere Menschen, die sich auf diese Weise verletzen. „Wir mahnen dringend: Kopfsprünge in unbekannte, ungeeignete, flache oder trübe Gewässern sollten unbedingt unterlassen werden! Denn ein einziger Sprung kann Leben kosten oder eine lebenslange Lähmung bedeuten“, sagt Dr. Aach.

Siehe auch: Manfred Sauer über Stoke Mandevill, Rainer Küschall: Von Stoke Mandeville zu olympischen Höchstleistungen und Maria-Cristina Hallwachs: Mit Hirn, Herz und Selbstbewusstsein