Neues aus der Stammzellentherapie bei Querschnittlähmung

Ein amerikanisch-japanisches Forscherteam hat in einer neuen Studie gezeigt, dass die intravenöse Injektion von aus dem Knochenmark entnommenen Stammzellen (MSCs) bei Patienten mit Rückenmarksverletzungen zu einer deutlichen Verbesserung der motorischen Funktionen führen kann.

Bei mehr als der Hälfte der Patienten wurden innerhalb weniger Wochen nach der Injektion der Stammzellen wesentliche Verbesserungen der Schlüsselfunktionen – wie die Fähigkeit zu gehen oder die Hände zu benutzen – beobachtet, berichten die Forscher. Es wurden keine wesentlichen Nebenwirkungen festgestellt.

Die Stammzellenstudie

Die Patienten hatten einige Wochen vor der Stammzelleninjektion Rückenmarksverletzungen erlitten, verursacht durch Stürze oder kleinere Traumata. Die Symptome der Betroffenen umfassten den Verlust von Motorik und Koordination, sensorische Ausfälle sowie Darm- und Blasenfunktionsstörungen. Die Stammzellen wurden aus dem eigenen Knochenmark der Patienten über ein mehrwöchiges Kulturprotokoll in einem spezialisierten Zellaufbereitungszentrum hergestellt. Die Zellen wurden in dieser Serie intravenös injiziert (Placebo-Kontrollen gab es nicht).

Die Ergebnisse im Einzelnen

Bei 12 der 13 Patienten kam es sechs Monate nach der MSC-Infusion zu einer neurologischen Verbesserung, basierend auf der American Spinal Cord Association (ASIA)-Skala. Fünf von sechs Patienten, die vor der MSC-Infusion als ASIA A eingestuft wurden, verbesserten sich auf ASIA B (3/6) oder ASIA C (2/6), zwei ASIA B-Patienten verbesserten sich auf ASIA C (1/2) oder ASIA D (1/2), fünf ASIA C-Patienten verbesserten sich und erreichten einen Funktionsstatus von ASIA D (5/5). Bemerkenswert ist, dass die Verbesserung von ASIA C zu ASIA D bei allen fünf Patienten einen Tag nach der MSC-Infusion beobachtet wurde. Die Bewertung des ISCSCI-92 und des SCIM-III zeigte ebenfalls funktionelle Verbesserungen sechs Monate nach der MSC-Infusion, verglichen mit den Werten vor der MSC-Infusion bei allen Patienten.

Die Studienautoren der Universitäten Yale (USA) und Sapporo (Japan) betonen, dass weitere Studien notwendig sein werden, um die Ergebnisse dieser vorläufigen, unverblindeten Studie zu bestätigen. Sie betonen auch, dass dies Jahre dauern könnte. Trotz der Herausforderungen bleiben sie aber optimistisch.

„Die Idee, dass wir in der Lage sein könnten, die Funktion nach einer Verletzung des Gehirns und des Rückenmarks mit Hilfe von patienteneigenen Stammzellen wiederherzustellen, fasziniert uns schon seit Jahren“, sagen die Forscher. „Jetzt haben wir einen Hinweis darauf, dass dies beim Menschen möglich sein könnte.“

Zur einer Veröffentlichung der Studienergebnisse in englischer Sprache geht es hier: Intravenous infusion of auto serum-expanded autologous mesenchymal stem cells in spinal cord injury patients: 13 case series – ScienceDirect