Leben mit Querschnittlähmung: „Gegen die Schmerzen nehme ich Weihrauch und CBD-Öl.“

Antonia Lehmann* ist seit einem Suizidversuch querschnittgelähmt. Seither lebt sie mit chronischen orthopädischen und neuropathischen Schmerzen. Weihrauch und CBD-Öl verschaffen ihr Erleichterung.

Im April 2015 versuchte Antonia Lehmann sich das Leben zu nehmen. Als Folge trug sie eine Rückenmarksverletzung mit einer Lähmungshöhe von L1 (siehe: Der Einfluss der Lähmungshöhe bei Querschnittlähmung) davon. Nach mehreren Monaten in Unfallkrankenhäusern und Reha-Einrichtungen, startet sie in einen neuen Alltag in einer Einrichtung für Betreutes Wohnen für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dass sie dort die einzige ist, die im Rollstuhl unterwegs ist, findet sie nicht weiter störend.

Der Rollstuhl sind meine Beine

„Der Rollstuhl sind meine Beine“, sagt Lehmann. „Ich habe mich so sehr darüber gefreut endlich wieder mobil zu sein. Nach der langen Zeit in den Kliniken war das ein Stück neuer Freiheit, die ich wirklich genossen habe. Hier (in der Einrichtung) habe ich zwar nicht viel mit anderen Querschnittgelähmten zu tun, aber es gibt immer jemanden mit dem man sich unterhalten kann. Zumindest, wenn ich unterwegs sein kann, was leider nicht immer der Fall ist.“

2018 begannen die Hüftschmerzen, die sie von Anfang gehabt hatte, immer stärker zu werden. Und auch neuropathische Schmerzen machten die Mobilität im Rollstuhl zur Qual. „Meine Hüfte ist bei meinem Sturz stark beschädigt worden. Alle Knochen waren gebrochen, und obwohl mich die Ärzte wirklich gut wieder zusammengeflickt hatten, waren da eben die Schmerzen, die Rollstuhlfahren und auch das Umsetzen aus dem Bett in den Rollstuhl sehr schwer machten. Also entschloss ich mich schließlich dazu, eine neue Hüfte einsetzen zu lassen.“

Die Hüftoperation im Mai 2019 brachte allerdings nicht die erhoffte Verbesserung und Lehmann wurde mit starken Schmerzmitteln behandelt. „Ich habe alles durch, was Schmerzmittel angeht. Und oft ist da ja das Problem, dass Ärzte mir gar nicht glauben, dass ich Schmerzen haben. Sie denken: ‚Die Frau ist querschnittgelähmt; die sollte doch eigentlich gar nichts spüren.‘. Aber so ist es nun mal nicht.“

Weihrauch, Grapefruit, CBD

Erleichterung verschaffen Lehman nun drei zunächst ungewöhnlich erscheinende Mittel. „Ich nehme ein Weihrauchpräparat, 10%iges CBD-Öl und Grapefruitkernextrakt. Das Grapefruitkernextrakt ist entzündungshemmend. Ich nehme es hauptsächlich wegen der Harnwegsinfekte, die ich immer mal wieder habe. Das und natürlich Apfelessig.

Der Weihrauch (das Harz des Boswellia-Baumes) wirkt auch entzündungshemmend. Er wird traditionell bei schmerzenden Gelenken eingesetzt und und ich bin immer offen für naturheilkundliche Methoden. Das hilft nicht jedem und man darf keine Wunder erwarten, aber einen Versuch ist es wert, finde ich.

Das CBD-Öl (Öl aus der Cannabis-Pflanze) hilft mir bei den neuropathischen Schmerzen. Das brennende Gefühl, das ich unterhalb der Lähmung habe, lässt damit wirklich nach. Aber ich muss sagen, ich nehme es nicht nur wie empfohlen zweimal am Tag sondern öfter. Und man darf auch nicht von einem Tag auf den anderen eine Verbesserung erwarten. Ich musste das CBD-Öl drei bis vier Wochen nehmen, bevor ich eine Wirkung bemerkte. Aber jetzt bin ich gut bedient damit.“

Auf die Frage, wie sie mit der belastenden Situation, dem Leben mit chronischen Schmerzen umgeht, sagt Lehmann: „Ich verliere nie die Hoffnung, dass es wieder besser werden wird. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich wieder ohne Probleme in den Rollstuhl transferieren und unterwegs sein kann. Ganz wichtig ist mir auch das Wissen, dass ich nicht alleine mit meiner Situation bin. Es gibt so viele tolle Menschen da draußen, die querschnittgelähmt sind oder Schmerzen haben, und es geht trotzdem immer irgendwie weiter. Es ist sehr wichtig und hilfreich für mich darüber zu lesen oder mich vielleicht sogar mit anderen darüber austauschen zu können.“

*Name von der Redaktion geändert


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