Aerobes Oberkörper-Training: Positive Auswirkungen auf Insulinsensitivität

Sport, ohne sich völlig zu verausgaben, kann bei Menschen mit Querschnittlähmung positive Auswirkungen auf den Insulinhaushalt haben. Laut einer Meta-Studie wirkt sich aerobes Oberkörper-Training vor allem auf die Insulinsensitivität und auf die Taille aus.

Einigen Diabetes-Risikofaktoren können Paraplegiker mit gezieltem Sport zu Leibe rücken.

Menschen mit Querschnittlähmung haben im Vergleich zu Menschen ohne Querschnittlähmung ein erhöhtes Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sogenannte kardiovaskuläre Erkrankungen.

Das Risiko, diese chronischen Krankheiten zu entwickeln, ist bei Personen erhöht, die ein Bündel von Risikofaktoren – allgemein als kardiometabolisches Syndrom (engl.: Cardiometabolic Risk Factors, CMS) bezeichnet – aufweisen.  Zu diesen Risiken gehören:

  • Fettleibigkeit: Nach einer Rückenmarksschädigung verringern die reduzierte Muskelmasse und eingeschränkte Mobilität den Energieumsatz – es besteht eine gesteigerte Tendenz zu Übergewicht bzw. Adipositas (siehe auch: Was tun bei Übergewicht? Abnehmen bei Querschnittlähmung).
  • Insulinresistenz:  Die Körperzellen brauchen Insulin, um den Nahrungszucker aufnehmen zu können. Wer zu viel isst, riskiert, dass die Körperzellen „abstumpfen“ und unempfindlicher gegen Insulin werden. Die Folge: Die Bauchspeicheldrüse muss immer mehr Insulin produzieren, was wiederum dazu führt, dass die Körperzellen noch resistenter werden. Ein Teufelskreislauf beginnt – zu den möglichen Langzeit-Auswirkungen siehe Beitrag Diabetes mellitus und Querschnittlähmung.
  • Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie, z.B. Abweichungen im Cholesterinspiegel),
  • Bluthochdruck – von dem Paraplegiker häufiger betroffen sind als die Durchschnittsbevölkerung (siehe auch: Querschnittlähmung und Bluthochdruck).

Können querschnittgelähmte Menschen diesen CMS-Faktoren mit Sport zu Leibe rücken? Und wenn ja: Wie intensiv sollte der Sport betrieben werden? Ein internationales Forscherteam hat in einer systematischen Überprüfung 65 Studien ausgewertet, um zu klären, welchen Effekt Bewegung auf kardiometabolische Risikofaktoren bei Erwachsenen mit chronischer Rückenmarksschädigung hat? (Originaltitel: Effect of Exercise on Cardiometabolic Risk Factors in Adults With Chronic Spinal Cord Injury: A Systematic Review).  Ziel war es, die Wirkung verschiedener Trainingsmodalitäten auf CMS-Risikofaktoren zu bestimmen

Die gute Nachricht für nicht zu ehrgeizige Erwachsene mit Querschnittlähmung: Aerobes Oberkörpertraining bei weniger als 75 % der maximalen Herzfrequenz scheint den Taillenumfang (Stichwort: zentrale Adipositas) und die hepatische (= die Leber betreffende) Insulinsensitivität zu verbessern. Womit bereits zwei sehr wichtige Faktoren angegangen werden könnten.

Das aerobe Oberkörpertraining allein scheint aber – so die Wissenschaftler – nicht auszureichen, um Nüchtern-Blutzuckerwert, Ruheblutdruck oder Lipidprofil (zum Beispiel Cholesterin) zu verbessern. Um eine Verbesserung des Lipidprofils zu erreichen, so die These der Wissenschaftler, könnte zusätzlich mit einem Oberkörperwiderstandstraining (z.B. mit Gewichten, Bändern oder Hanteln gearbeitet werden.  

Um zu prüfen, ob auch die Kombination mit anderen Bewegungsangeboten – zum Beispiel Biken mit einer funktionellen Elektrostimulation (FES-Biken) – messbare positive Auswirkungen haben, seien jedoch, so die Wissenschaftler, weitere qualitativ hochwertige Studien erforderlich.

Welche weiteren positiven Auswirkungen Sport auf den Körper und die Psyche querschnittgelähmter Menschen haben kann, schildern u.a. die Beiträge Der Nutzen von Fitnesstraining für Querschnittgelähmte und Schwimmen mit Querschnittlähmung: Optimales Training für den Körper und die Seele. Anregungen, die passende Sportart für sich selbst zu finden, gibt es in der Kategorie Sport – und Übungseinheiten fürs Oberkörpertraining zu Hause finden sich auf dem YouTube-Kanal von Der-Querschnitt.de in der Playlist: Zuhause fit bleiben!.


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