Diabetes-Medikament kann Sekundärschäden und Schmerzen bei Querschnittlähmung mindern

Metformin ist ein Medikament, dass schon seit einiger Zeit bei Diabetes mellitus eingesetzt wird, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass es auch bei akuter Querschnittlähmung und neuropathischen Schmerzen helfen könnte.

Metformin ist ein bewährtes Medikament zur Kontrolle des Blutzuckers bei Diabetes. Frühere Studien haben ergeben, dass Metformin die Erholung des Bewegungsapparates nach einer Rückenmarksverletzung verbessert. Es gibt Hinweise darauf, dass Metformin neuroprotektive und entzündungshemmende Effekte hat, die neuropathische Schmerzen und Schmerzüberempfindlichkeit in verletzten Nerven abschwächen.

Forscher der Universität Teheran wollten daher in einer Studie aus dem Jahr 2018 die therapeutischen Effekte von Metformin auf die Neuroinflammation bei Rückenmarksverletzungen und ihre sensorischen und lokomotorischen Komplikationen untersuchen. Zudem verglichen sie ihre Erkenntnisse mit den Resultaten, die mit Minocyclin, einer Anti-Neuroinflammationstherapie bei Querschnittlähmung, erzielt werden.

Die Studie

In einem Tiermodell wurde 48 männliche Ratten eine Rückenmarksverletzung auf Höhe Th 9 zugefügt. Die Tiere wurden in fünf Behandlungsgruppen unterteilt. Die Behandlungen umfassten die Gabe von Kochsalzlösung als Kontrollgruppe, Minocyclin in einer Dosierung von 90 mg pro Kilo Körpergewicht und Metformin in den Dosierungen von 10, 50 und 100 mg. Lokomotorische Skalierung, Verhaltenstests für neuropathische Schmerzen und Gewichtsveränderungen wurden über einen Zeitraum von 28 Tagen ausgewertet und verglichen. Am Ende der Studie wurden Gewebeproben entnommen, um neuroinflammatorische Veränderungen zu beurteilen.

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse sprechen bedingt für den Einsatz von Metformin bei akuter Querschnittlähmung: Metformin (in einer Dosierung von 50 mg/kg) verbesserte die Lokomotionsfähigkeit und verringerte die Empfindlichkeit gegenüber mechanischer und thermischer Allodynie bei der Ratte merklich. Diese Ergebnisse waren vergleichbar mit der Wirkung von Minocyclin. Sowohl Metformin als auch Minocyclin verringerten signifikant die Neuroinflammation, wobei Metformin zu einer Gewichtsabnahme führte, Minocyclin jedoch nicht.

Die Forscher schlussfolgern daraus, dass Metformin als alternatives therapeutisches Mittel bei akuter Querschnittlähmung in Betracht gezogen werden könnte, da es potenziell die Neuroinflammation sowie sensorische und lokomotorische Komplikationen der Rückenmarksverletzung abschwächt.

Zur vollständigen Studie (in englischer Sprache) geht es hier.

Die iranische Studie ist nicht die einzige, die einen möglichen Einsatz von Metformin bei Querschnittlähmung untersuchte. Eine chinesische Studie befasste sich im Tierversuch mit den potenziell positiven Effekten von Metformin auf die Nervenregeneration nach Eintritt einer Querschnittlähmung.  

Die Studie ergab, dass die Verabreichung von Metformin die funktionelle Erholung nach einer Rückenmarksverletzung durch die Reduzierung des Absterbens von Nervenzellen sowie durch die Reparatur von Neuriten durch die Stabilisierung von Bestandteilen des Zellskeletts über bestimmte Signalwege verbesserte. Zudem reduzierte die Behandlung mit Metformin u. a. die übermäßige Aktivierung von oxidativem Stress und verbesserte die mitochondriale Funktion. Insgesamt legt auch diese Studie nahe, dass die Verabreichung von Metformin eine potenzielle Therapie von Rückenmarksverletzungen darstellen könnte.

Zur vollständigen Studie (in englischer Sprache) geht es hier.

Ob und wie die Erkenntnisse auf den Menschen übertragen werden können, muss in weiteren Studien untersucht werden.


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