Walkerchair: Mehr Mobilität durch intelligenten Roboter-Rollstuhl

Selbstständig Treppen überwinden oder in Busse und Bahnen einsteigen – für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist das bislang oft unmöglich. Mit dem Walkerchair, einem elektrisch angetriebenen Roboter-Rollstuhl mit künstlicher Intelligenz (KI), will die TU Darmstadt dies ändern.

Dr. Alexander Stumpf (rechts) aus dem Gründungsteam demonstriert die „Augen“ des „Walkerchairs“: Scanner und KI zur Treppenerkennung.

Entwicklung eines Funktionsdemonstrators

Das Team wird im Projekt „DIMO“ einen vollständigen Funktionsdemonstrator entwickeln. Der „Walkerchair“ ist eine intelligente Mobilitätshilfe für Rollstuhlfahrende, die es erstmals ermöglichen soll, nahezu alle Barrieren des Alltags selbstständig und sicher zu überwinden. Einfach gesagt, beruht der Walkerchair auf dem Konzept eines teilautonomen, elektrisch angetriebenen Roboter-Rollstuhls mit Künstlicher Intelligenz (KI). Während auf ebenen Flächen ein Radantrieb zur Fortbewegung eingesetzt wird, kommen zur Überwindung von Barrieren spezifisch entwickelte, elektrisch angetriebene Beine zum Einsatz. Eine innovative KI-Steuerung erfasst und analysiert mittels Sensoren automatisch die Umgebung sowie Hindernisse und übernimmt die anspruchsvolle Planung und Steuerung der Beinbewegungen. Dabei wird beim Überwinden von Barrieren stets ein sicherer Stand gewährleistet. Die KI des Walkerchairs soll über eine intuitive und transparente Bedienschnittstelle gesteuert werden.

„Das Projekt ,DIMO‘ mit der Entwicklung des ,Walkerchairs‘ ist ein hervorragendes Beispiel für ein gelungenes Transferprojekt aus der Forschung an der TU Darmstadt in die Gesellschaft. Mit der Robotik in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz kommen Technologien aus zentralen Forschungsfeldern der TU Darmstadt in der Praxis zum Einsatz – mit dem Potenzial, sehr vielen Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu helfen, den Alltag besser zu bewältigen und Eigenständigkeit zurück zu gewinnen“, so Professor Jens Schneider, TU-Vizepräsident für Transfer und Internationalisierung. „Wir freuen uns, dass das Hessische Digitalministerium dieses Potenzial ebenfalls sieht und das Projekt substanziell finanziell fördert. Dies ist zugleich eine Anerkennung der starken Forschungs- und Transferaktivitäten der TU Darmstadt in diesen sehr wichtigen Innovationsbereichen der Zukunft.“

Die neue Technologie dient dem Menschen und ist nachhaltig. Sie kann Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, zu mehr selbstbestimmter Mobilität verhelfen. Nebeneffekt: Sie kann auch wirtschaftliche Vorteile generieren, etwa für Sozialversicherungsträger, aber auch für die Nutzenden selbst. Wo der „Walkerchair“ künftig zum Einsatz kommen kann, entfallen möglicherweise Erwerbsminderungsrenten, Umbauten von Immobilien oder Einbauten von Treppenliften, Umzüge in barrierefreie Wohnungen oder Kosten für Assistenz- und Fahrdienstleistungen. Die dem „Walkerchair“ zugrundeliegenden Technologien besitzen zudem auch für sekundäre Märkte hohes Innovationspotential. Denkbar ist ein Einsatz in der letzten Meile in der Logistik für die autonome Zustellung schwerer Pakete oder als flexible Mobilitätshilfe in Gebäuden mit geringer Barrierefreiheit.

Förderung durch das Land Hessen

Die Hessische Digitalministerin Professorin Kristina Sinemus hatte im Sommer 2020 an der TU einen Förderbescheid über 800.000 Euro für das Projekt „DIMO“ übergeben, das einen Funktionsdemonstrator für den „Walkerchair“ entwickeln wird: einen elektrisch angetriebenen Roboter-Rollstuhl mit Künstlicher Intelligenz.

Für weitere Informationen zum Projekt siehe: „DIMO“ (Digitale Technologien für intelligente Barrieren überwindende Mobilität zur besseren Teilhabe an der Gesellschaft)