Fünf Fakten über Rollstühle und die Menschen, die sie nutzen

In Deutschland sind ca. 1,5 Millionen Menschen dauerhaft im Rollstuhl unterwegs. Grund genug einmal ein paar Fakten zu dem wichtigen Hilfsmittel und den Menschen, die sie nutzen, zusammenzustellen.

  • Rollstühle sorgen für Mobilität

Wenn einem umweltbedingte Barrieren gerade keine Stöcke in die Speichen werfen, sorgt der Rollstuhl für die Mobilität seines Nutzers, weshalb man getrost davon ausgehen kann, dass Menschen im Rollstuhl froh sind, dass sie selbigen haben. Keinesfalls kann man davon sprechen, dass sie an den Rollstuhl „gefesselt“ sind. Dank der Aufklärungsarbeit von Aktivisten verschwindet diese gruselige Formulierung langsam aus der Berichterstattung in den Main-Stream-Medien und der Rollstuhl wird auch dort als das betrachtet was er ist: Ein wichtiges Hilfsmittel für Menschen, die z. B. aufgrund einer Querschnittlähmung, nicht gehen können.

  • Rollstühle gibt es schon ziemlich lange

Die ersten Rollstühle gab es bereits vor über 3.000 Jahren in China. Sie waren alten, kranken und vermutlich reichen Menschen vorbehalten. Es gibt Belege für rollendes Mobiliar aus dem antiken Griechenland, und im 17ten Jahrhundert wurde in Nürnberg das erste Handbike erfunden. Der erste faltbare moderne Rollstuhl wurde 1933 auf den Markt gebracht und der erste Elektrorollstuhl nach dem Zweiten Weltkrieg. Siehe hierzu: Rückenmarksverletzungen und Rollstühle in der Geschichte

  • Unterschiedliche Rollstühle werden verschiedenen Anforderungen gerecht

Manuelle Rollstühle, Elektrorollstühle, Rollstühle mit Zusatzantrieb…. und das war’s? Auf keinen Fall! Es gibt Rollstühle, die den verschiedensten Anforderungen gerecht werden können, z. B. Geländerollstühle für das Befahren von unebenem Untergrund (siehe: Outdoor-Elektrorollstühle für den Trip ins Abenteuer und Ab ins Gelände mit manuellen Outdoor-Rollstühlen), Strandrollstühle für den Trip ans Meer (siehe: Strandrollstühle – Für Sand, Wellen und Watt), Rollstühle, die es Treppen hoch und runter schaffen (siehe: Treppensteigen im Rollstuhl: Mit und ohne Hilfsmittel), Rollstühle für XXL-Körper (siehe: XXL-Modelle: Rollstühle für übergewichtige Menschen) und Rollstühle, die für verschiedene Sportarten geeignet sind (siehe: Sportrollstühle), weil man einfach nicht mit jedem Gefährt Mörderball spielen oder Rennen bestreiten kann.

Und es gibt Rollstühle, die wirklich kostengünstig sind. Laut der WHO gibt es weltweit sieben Millionen Kinder, die einen Rollstuhl brauchen, aber keinen Zugang zu Hilfsmitteln haben. Die israelische Organisation Wheelchair of Hope hat einen Rollstuhl entworfen, der in 3D-Druck gefertigt wird und gerade mal 100 Dollar (ca. 83 Euro) kostet. Siehe hierzu: Wheelchairs of Hope – Der 100 Dollar Rollstuhl

  • Rollstühle können eine Mode-Statement sein

Rollstühle können traditionell ein optischer Schrecken auf Rädern sein. Die neuen Modelle sind nicht nur funktionell ausgereifter, sondern auch schnittiger und sie kommen in Farben, die nicht mal mehr entfernt an „Krankenhaus“ erinnern. Zudem gibt es viele Möglichkeiten den Rollstuhl individuell zu stylen, z. B. mit Speichenschutz oder besonderen Greifreifen. Damit können Menschen im Rollstuhl nicht nur über ihre Kleidung, sondern auch über Accessoires und Deko am Rollstuhl ihre Persönlichkeit ausdrücken.

Siehe hierzu: Nice! Den Rollstuhl verschönern und Greifreifen und Greifreifenbezüge für den Rollstuhl

  • Rollstühle sind unantastbar

Viele Menschen, die einen Rollstuhl nutzen, berichten, dass sie Übergriffen ausgesetzt sind. Dass sie z. B. einfach aus dem Weg geschoben werden, dass andere sie und ihren Rollstuhl als Ablagefläche verwenden, dass Hilfe ungefragt und ohne Zustimmung erteilt wird. All diese Dinge stellen eine Verletzung der Entscheidungsfreiheit dar. Und es ist erstaunlich, dass darauf überhaupt erst hingewiesen werden muss.

Rollstühle sind der ganz persönliche Bereich des Fahrers. Ohne Zustimmung darf er ebenso wenig angefasst und fortbewegt werden, wie dem Fahrer übers Haar gestreichelt werden darf. „Finger weg!“ muss die Devise für alle lauten.

Siehe auch: Meine Querschnittlähmung und ich: Das Buhai um die Ausdrucksweise