Fünf Fakten über Menschen mit Querschnittlähmung, die vielleicht nicht jeder kennt

„Menschen mit Querschnittlähmung sind so coole Socken, dass sie nicht mal beim Sport ins Schwitzen geraten…“. Viele Nicht-Betroffene wissen nicht, dass dahinter eine Temperaturdysregulation steckt. Und dann gibt es da noch ein paar andere Fakten, die nicht jeder kennt.

  • Die Gehfähigkeit kann erhalten bleiben.

Unabhängig von der Lähmungshöhe, kann bei einer inkompletten Querschnittlähmung die Gehfähigkeit erhalten bleiben. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Betroffene keine Querschnittlähmung haben. Zu sämtlichen Folge-, Langzeit- und Begleiterkrankungen kann es auch bei erhaltender Gehfähigkeit kommen, was nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Zudem ist es möglich, dass mit fortschreitendem Alter ein Einsteigen in den Rollstuhl angezeigt ist. Auch wenn es schwerfällt, sollte man sich nicht davor scheuen, diese Veränderungen anzunehmen, um dem Körper die Möglichkeit zu geben auch mit Querschnittlähmung lange gesund und aktiv zu bleiben.

Siehe auch: Querschnittlähmung: Der Einfluss der Lähmungshöhe und Altwerden ist nichts für Feiglinge – Über das Altern mit Querschnittlähmung

  • Die Hormonproduktion kann beeinflusst sein.

Die Produktion bestimmter Hormone kann bei Menschen mit Querschnittlähmung eingeschränkt sein. Diese betrifft z. B. das Sexualhormon Testosteron (siehe: Testosteron und Querschnittlähmung), das Schlafhormon Melatonin (siehe: Schlafstörungen bei Querschnittlähmung), das antidiuretische Hormon (ADH), welches die Harnproduktion reguliert (und nachts hemmt) sowie das Wachstumshormon (GH), was bei angeborener Querschnittlähmung Folgen auf das Wachstum im Kindesalter haben kann.

Eine spanische Studie aus dem Jahr 2017 mit 18 Teilnehmern gibt Grund zur Annahme, dass Injektionen mit Wachstumshormonen, die Folgen einer akuten traumatischen Querschnittlähmung positiv beeinflussen können. „Die Teilnehmer, die mit dem Wachstumshormon behandelt wurden, zeigten nach drei und sechs Monaten signifikante Verbesserungen bei der Selbstversorgung und der Atmung sowie der Schließmuskelkontrolle. Auch verbesserte sich bei der Behandlungsgruppe (im Vergleich zur Placebogruppe) nach sechsmonatiger Behandlung die Sensibilität unterhalb der Läsionsstelle deutlich.“ Zur Studie (in englischer Sprache) geht es hier: Growth hormone therapy enhances recovery of patients with spinal damage — ScienceDaily

  • Eine Querschnittlähmung ist kein Zölibat

Menschen mit Querschnittlähmung können ein erfülltes Sexualleben führen und auch Eltern werden. Obwohl Sexualfunktionen und Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen mit Querschnittlähmung in unterschiedlichem Ausmaß beeinflusst sein können, muss dies nicht bedeuten, dass Sinnlichkeit im Leben von Betroffenen keine Rolle mehr spielt. Es gibt Mittel und Wege, wie die Sexualität ausgelebt werden kann, evtl. unter dem Einsatz von Medikamenten und Hilfsmitteln. Siehe: Sexualität: Hilfsmittel für Männer und Frauen mit Querschnittlähmung, Sexualität bei Querschnittlähmung: Stellungswechsel und Erotikroman mit Rollstuhlfahrer.

Und auch einem Kinderwunsch muss die Querschnittlähmung nicht zwingend im Wege stehen. Siehe: Schwangerschaft bei Querschnittlähmung und Vater werden trotz Querschnittlähmung.

  • Schwitzen und zittern ist nicht möglich.

Schwitzen und zittern ist unterhalb der Lähmungshöhe nicht möglich. Wenn diese körpereigenen Mechanismen zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur aber außer Kraft gesetzt sind, muss man andere Wege finden, um eine Unterkühlung oder eine Überhitzung zu vermeiden. Menschen mit Querschnittlähmung müssen bei extremen Außentemperaturen daher darauf achten, entsprechende Kleidung zu tragen und sich ggf. mit weiteren Maßnahmen die Temperaturen ausgleichen.

Siehe auch: Temperaturdysregulation bei Querschnittlähmung

  • Wenn die Verletzung neu eingetreten ist, könnte Stammzellentherapie eine Lösung sein.

Menschen mit Querschnittlähmung könnten in Zukunft von Stammzellentherapie profitieren: Studien haben gezeigt, dass Stammzellenbehandlungen regenerative Effekte auf das verletzte Rückenmark haben und in manchen Fällen die Folgen von Rückenmarksverletzungen mildern können. Stammzellen können die abgestorbenen Nervenzellen ersetzen, die Myelinbildung anregen und ein Neu-Wachstum beschädigter Axone stimulieren. Zudem können sie Zellen an der Läsionsstelle vor weiteren Schäden schützen und entzündliche Prozesse im Rückenmark unterdrücken.

Noch ist die Forschung nicht soweit die Stammzellentherapie standardmäßig bei der Versorgung von Menschen mit Querschnittlähmung einzusetzen, doch es gibt vielversprechende Ansätze, siehe: Fallstudie: Mit Stammzellen einen Schritt weiter zur Verbesserung der motorischen und sensorischen Fähigkeiten bei Querschnittlähmung.