„Because of my Body“: Sexualassistenz für Frau mit Querschnittlähmung

Die italienische Dokumentation „Because of my Body“ aus dem Jahr 2020 begleitet Claudia, eine junge Frau mit Spina bifida, bei ihren Treffen mit dem Sexualassistenten Marco, in den sie sich trotz aller Warnungen verliebt.

Claudia Muffi lebt mit ihren Eltern und Schwester in den Abruzzen. Die heute 21-jährige Studentin wurde mit Spina bifida geboren und obwohl ihre Gehfähigkeit zwar eingeschränkt, mit Gehhilfen aber erhalten ist, ist sie weit davon entfernt, ein selbständiges Leben zu führen. Sie braucht zum Anziehen, Anlegen der Orthesen und zum Katheterisieren Hilfe. Und sie hat zwar ein angepasstes Auto, fährt es aber meist nur in Begleitung ihrer Mutter.

Ein Entdecken und Ausleben der eigenen Sexualität wie bei anderen Frauen ihres Alters erscheint ihr aufgrund ihrer Behinderung unmöglich. Sie spürt ihre sexuellen Bedürfnisse, ist aber immer noch Jungfrau und fragt sich, wie sich die Berührung eines Mannes überhaupt anfühlt. Nach Jahren voller Diskriminierung und Einsamkeit wendet sie sich schließlich an einen Sexualassistenten.

Der 42-jährige Marco hat gerade seinen ersten Kurs als „LoveGiver“ absolviert. Das LoveGiver-Projekt (LOVEGIVER) ist eine Initiative eines gleichnamigen Vereins aus Bologna, in dem sich Psychotherapeuten, Sozialarbeiter und Sexualwissenschaftler zusammengeschlossen haben, um körperbehinderten Menschen die Möglichkeit zu geben, mit Hilfe von ausgebildeten Sexualassistenten ihre eigene Sexualität zu erleben. Diese Aufgabe ist in Italien ein Novum, ein schwer von der Prostitution abzugrenzendes Experiment am Rande der Legalität. Auch in deutschsprachigen Ländern ist assistierte Sexualität ein weites Feld, in dem es Grenzen zu wahren gilt. Sexualberater und Sexualtherapeuten, z. B., arbeiten ausschließlich im beratenden bzw. therapeutischen Kontext, während Sexualbegleiter und Surrogatpartner auch körperliche Dienstleistungen anbieten können (siehe: Assistierte Sexualität in Deutschland, Österreich und der Schweiz).

Assistierte Sexualität erleben

„Because of my Body“ zeigt, wie sich Marco und Claudia betreut vom LoveGiver-Expertenteam regelmäßig zu zweit treffen, mit dem Ziel, Claudia mit ihrem eigenen Körper und ihren Bedürfnissen bekanntzumachen. Dabei gibt es einige Vorgaben: Marco darf Claudia zwar zeigen, wie sie sich selbst berühren oder Sexspielzeuge verwenden kann, um Lust zu erfahren, ein direkter sinnlicher Körperkontakt darf zwischen den beiden aber nicht stattfinden. Bei einem Körperwahrnehmungsspiel, bei dem sie sich gegenseitig die entkleideten Körper bemalen, ersetzt ein Pinsel den direkten Kontakt. Claudia ist von Anfang an begeistert von Marco und ihren Treffen mit ihm. Sie wiederholt oft, wie dankbar sie ihm ist und wie sehr ihr seine Hilfe hinsichtlich ihrer Sexualität hilft. Sie sagt: „Ich fühle mich jetzt viel mehr als Frau. Dank dir. Vorher habe ich mich eher wie ein Mädchen gefühlt. Aber jetzt fühle mich viel besser, viel leichter. Ich sehe das Leben viel positiver.“

Die Euphorie, die Claudia vor, während und nach den Treffen zeigt, mag man als Zuschauer zunächst ihrer extrovertierten, offenen und direkten Persönlichkeit zuschreiben, schnell wird jedoch klar, dass die junge Frau keineswegs die Distanz wahren kann, die der professionelle Charakter ihrer Beziehung zu Marco voraussetzt. Claudia wünscht sich mehr als Sex. Sie wünscht sich eine Partnerschaft, in der Claudia (die Liebe bisher nur im Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Familie kennengelernt hat) eine gleichberechtigte aktive Rolle spielen kann.

Die Vorgabe von LoveGiver lautet zwar „Auf keinen Fall verlieben.“, doch für Claudia ist die Abgrenzung zwischen Dienstleistung und einer gefühlsbetonten Partnerschaft nicht machbar. Sie möchte Marco auch nach Ablauf der limitierten Sitzungen mit ihm sehen und empfindet die drohende, unvermeidliche und schließlich eintretende Trennung von ihm als fremdbestimmten Abbruch einer Liebesbeziehung. Und was als Erforschung des Körpers begann, endet mit einem gebrochenen Herzen. Vielleicht ist es aber auch das Bewusstwerden ihrer Einsamkeit, die Claudia zu einem zunehmend aggressiven Verhalten sich selbst und anderen gegenüber bewegt. Sie sagt zu Marco: „Wenn du nachher zur Tür raus gehst, bin ich wieder allein. So wie immer.“ Und: „Ich habe Angst. Mir geht es schlecht. Es tut so weh.“

Als junge Frau möchte sie ihr eigenes selbstbestimmtes Leben führen; in diesem (völlig normalen) Wunsch wurde sie durch die Treffen mit Marco bestärkt. Diese Wandlung vom Mädchen zur Frau ist es, was ihr Umfeld zu akzeptieren und zu ermöglichen lernen muss.

Die Dokumentation „Because of my Body“

Der produzierende Sender Arte schreibt: „Because of my Body“ ist das intime Filmporträt einer jungen Frau, getragen vom Temperament und der gnadenlosen Offenheit der Protagonistin Claudia Muffi. Bei der Weltpremiere des Films sagte sie: „Die Zuschauer brauchen Mut, um diesen Film zu sehen. Es ist ein kraftvoller Film, weil er meine eigene persönliche Erfahrung ist.“

Die vollständige Dokumentation „Because of my Body“ kann bis August 2021 hier gesehen werden:

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