Fünf Aspekte, die Menschen mit Querschnittlähmung beim Stehtraining beachten sollten

Stehtraining kann bei der Rehabilitation von Menschen mit Querschnittlähmung eine sinnvolle Ergänzung sein. Es gibt verschiedene Aspekte, die dabei (im Vorfeld) geklärt und beachtet werden müssen, um sicherzustellen, dass keine Nachteile entstehen.

Unabhängig von der Lähmungshöhe findet bei der Rehabilitation von Menschen mit Querschnittlähmung oft ein tägliches, ca. 30-minutiges Stehtraining statt. Auch im häuslichen Umfeld wird dieses Training empfohlen, da es langfristig positive (teils prophylaktische) Auswirkungen z. B. auf das Darmmanagement oder die Knochengesundheit haben kann. Für Details siehe: Stehtraining für Menschen mit Querschnittlähmung

  • Gesundheitscheck im Vorfeld

Wer (wieder) mit dem Stehtraining beginnen möchte, muss im Vorfeld abchecken lassen, ob der augenblickliche Gesundheitszustand dies zulässt. Nötig kann z. B. eine Überprüfung der Knochendichte und der Gelenke hinsichtlich Kontrakturen sein, um sicherzustellen, dass die Knochen bzw. Gelenke das Gewicht des Körpers tragen können. Zudem kann eine Untersuchung von Gefäßen und Herzgesundheit sinnvoll sein, da das Stehen eine erhebliche Herausforderung für den Kreislauf sein kann.

  • Der Zeitfaktor

Das Leben findet für Rollstuhlfahrer im Sitzen oder Liegen statt. Wenn (nach evtl. langer Zeit) mit den Stehtraining begonnen wird, bedeutet dies eine enorme Anstrengung für den Kreislauf und man muss ihm Zeit geben, sich an die neue Position zu gewöhnen. Zu Anfang können Symptome wie Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht möglich sein, weshalb mit dem Training sehr behutsam begonnen werden und eine komplett aufrechte Position zunächst vermieden werden sollte. Mit der Zeit sollten sich die Symptome bessern und gute Erfolge erkennbar sein.

  • Den Kreislauf unterstützen

Vor dem Training sollte man sich mit dem eigenen Blutdruck vertraut machen und herausfinden welches die eigenen Normalwerte sind. Wenn während des Trainings der Blutdruck rapide abfällt, ist dies ein Warnsignal des Körpers, auf das gehört werden muss. Unterstützend kann man Kompressionsstrümpfe oder elastische Bauchbinden verwenden, die die Verengung der Blutgefäße in den unteren Extremitäten und dem Rumpf erleichtern und so zu einem stabilen Kreislauf beitragen.

  • Vorsicht, Druckstellen!

Zwar dient das Stehen generell der Dekubitusprophylaxe, doch können durch die Stehrahmen selbst Druckstellen entstehen, da an verschiedenen Stellen Druck auf die Haut ausgeübt wird, z. B. an den Knien. Die Außenseite der Knie ist für Menschen mit Querschnittlähmung eigentlich keine gefährdete Zone, da sie beim Sitzen oder Liegen kaum beansprucht wird. Beim Stehtraining kann sich aber genau hier ein Gurt zur Fixierung des Körpers befinden.

Bei der täglichen Hautkontrolle sollten Menschen, die Stehtraining durchführen, sich also daran gewöhnen Stellen zu beobachten, denen sie zuvor nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt hatten. Neben den Knien sind das Gesäß, Rücken und Schultern, falls dort der Fixiergurt aufliegt. Auch die Füße können beim Stehen anders belastet werden und sollten täglich kontrolliert werden. Stellen, an denen Rötungen entstanden sind, sollten mehrere Tage nicht belastet werden.

  • Mögliche Nebenwirkungen

Die Auswirkungen des Stehens sind nicht immer offensichtlich. Zwar kann es zu Ermüdung, Problemen mit der Körperstellung oder anderen akuten Problemen kommen, aber es ist auch möglich, dass der Körper die neuen Reize auf andere Weisen interpretiert. Wenn das Stehtraining neu eingeführt wird, kann es bei Menschen mit Querschnittlähmung (abhängig von der Lähmungshöhe) z. B. zu autonomer Dysreflexie, Tonuserhöhung (erhöhter Spastizität) oder Anfällen (neuropathischen) Schmerzen kommen.

Sollte es zu diesen Folgen kommen, muss das langfristige Stehtraining nicht notwendigerweise abgebrochen werden. Sie sollten aber mit einem Arzt und/oder Therapeuten besprochen werden, so dass die Trainingseinheiten entsprechend angepasst werden können.

Siehe auch:

Stehtraining für Menschen mit Querschnittlähmung

„Ratgeber Stehen“ für Rollstuhlfahrer, Angehörige und Therapeuten


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachspezialisten wie z. B. Ärzte oder Apotheker.