Fettgewebsinjektion hilft Rollstuhlfahrern mit Schulterschmerzen

Ein US-amerikanisches Team von Spezialisten für regenerative Rehabilitation hat in einer erfolgreichen Pilotstudie die Injektion mikrofragmentierten Eigenfettgewebes (MFAT) bei Erkrankungen der Rotatorenmanschette bei Rollstuhlfahrern mit Querschnittlähmung untersucht. Die Studie belegt, dass die MFAT-Injektion eine nachhaltige schmerzlindernde Wirkung hat.

Dr. Malanga (rechts) und Dr. Dyson-Hudson (Mitte) bei einer Ultraschalluntersuchung bei einem Patienten nach der Injektion.

Chronische Schulterschmerzen (siehe: Schulterproblematik bei Querschnittlähmung und Rollstuhlfahrer haben drastisch erhöhtes Risiko für Schulterverletzungen) können für Nutzer von manuellen Rollstühlen ein großes Problem darstellen, denn sie können nicht nur die Lebensqualität sondern auch die Mobilität erheblich einschränken und evtl. das Umsteigen in einen Elektrorollstuhl erfordern.

Es gibt nicht-chirurgische Therapien für Schulterschmerzen, einschließlich Schmerzmedikamente, Physiotherapie und Geräteanpassungen, aber diese haben nur eine begrenzte Wirksamkeit gezeigt. Anhaltende Schulterschmerzen können die Lebensqualität erheblich einschränken, und wenn konservative Therapien versagen, ist eine Schulteroperation häufig die einzige Option, die mit einer Reihe von Risiken und möglichen Rückschlägen verbunden ist.

Die Studie

Nach einer vielversprechenden Fallstudie aus dem Jahr 2019 (siehe: Fallstudie: Neue Behandlung von Schulterschmerzen bei Rollstuhlfahrern mit Querschnittlähmung) untersuchten die Forscher in einer Gruppen-Pilotstudie die Wirksamkeit eines minimal-invasiven biologischen Verfahrens bei dem eine ultraschallgesteuerte Injektion mikrofragmentierten Fettgewebes (MFAT) in die Schulter verabreicht wird. So soll eine Art Aufpolsterung erreicht werden, die die Beweglichkeit verbessern und Schmerzen lindern soll.

An der Studie nahmen zehn querschnittgelähmte Rollstuhlfahrer teil, die seit mehr als sechs Monaten mäßige bis starke Schulterschmerzen aufgrund einer Beeinträchtigung der Rotatorenmanschetten hatten. Alle erhielten eine MFAT-Injektion und wurden sechs und zwölf Monate nach der Behandlung evaluiert. Dazu gehörte u. a. eine Selbsteinschätzung der Schmerzen sowie Ultraschall- und körperliche Untersuchungen.

Die Ergebnisse

Bei fast 80 % der Patienten kam es zu einer deutlichen Abnahme der Schmerzsymptome, und alle bis auf einen berichteten über eine gewisse Verbesserung der Beweglichkeit. Darüber hinaus sanken die Werte in den ersten drei Monaten bei allen Messgrößen kontinuierlich bzw. über das gesamte Jahr, was darauf hindeutet, dass die Methode nicht nur kurz- sondern auch mittel- und langfriste Effekte hat.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die minimal-invasive Injektion mikrofragmentierten Fettgewebes eine sichere und wirksame Option für Rollstuhlfahrer mit Schulterschmerzen bei Beeinträchtigung der Rotatorenmanschette ist“, sagte Dr. Malanga.  „Aufgrund des Erfolgs unserer Studie wurde eine randomisierte, kontrollierte Studie mit einer größeren Anzahl von Probanden in dieser Patientenpopulation initiiert. Wir glauben, dass diese Therapie ein großes Potenzial hat, um Menschen mit Schulterschmerzen bei der Bewältigung ihrer Symptome zu helfen und ihre Lebensqualität zu verbessern.“

Der Artikel, „A pilot study to evaluate micro-fragmented adipose tissue injection under ultrasound guidance for the treatment of refractory rotator cuff disease in wheelchair users with spinal cord injury,“ (doi: 10.1080/10790268.2021.1903140) wurde am 8. April 2021 im Journal of Spinal Cord Medicine erstveröffentlicht.

Über die Autoren

Studienautoren sind Trevor Dyson-Hudson, MD , und Nathan Hogaboom, PhD , bei der Kessler Foundation; und Gerard Malanga, MD, ein Gründer des New Jersey Regenerative Institute und Gastwissenschaftler bei der Kessler Foundation, und Chris Cherian, MD, von der Rutgers New Jersey Medical School. Die Studie wurde im Derfner-Lieberman-Labor für regenerative Rehabilitationsforschung im Center for Spinal Cord Injury Research der Kessler Foundation durchgeführt.

Über die Kessler Foundation

Die gemeinnützigen Kessler Foundation ist weltweit führend in der Rehabilitationsforschung, zur Verbesserung der Kognition, Mobilität und langfristigem Outcome von Menschen mit neurologischen Behinderungen aufgrund von Krankheiten und Verletzungen des Gehirns und des Rückenmarks. Zudem finanziert die Kessler Foundation Programme, die die Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen erweitern.

Siehe auch: Alternative Methoden zur Behandlung von Gelenkschmerzen


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