Die häufigsten Wechselwirkungen zwischen Arznei- und Nahrungsmitteln

Damit Arzneimittel ihre positive Wirkung entfalten können, muss im Vorfeld mindestens dreierlei klar sein: Wofür wird das Medikament eingesetzt? Wie wird es dosiert? Kann die Wirkung durch Lebensmittel beeinträchtigt werden?

Dr. Martina Melzer schreibt in der Apothekenumschau: „Medikamente können auf vielfältige Weise direkt oder indirekt mit Lebensmitteln wechselwirken. Das kann die Wirkung des Arzneistoffes verstärken oder absenken.“ Einige typische Beispiele für Lebensmittel und ihre Wechselwirkung mit Arzneimitteln werden im Folgenden genannt:

Alkohol


Alkohol löst die meisten Störwirkungen aus. Insbesondere bei Medikamenten wie zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmitteln, Antidepressiva oder anderen Psychopharmaka ist mit Problemen zu rechnen. Wie Alkohol haben auch diese Arzneimittel eine dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem, dies kann zu einer gegenseitigen Verstärkung führen, was im Extremfall zu einem Atem- oder Herzstillstand führen kann.

Alkohol verändert den Stoffwechsel mit der Folge, dass die in den Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe langsamer abgebaut werden. Wirkungen und Nebenwirkungen können somit länger anhalten. Im schlimmsten Fall kann es dadurch zu Vergiftungen kommen. Nimmt der Patient Antibiotika wie Metronidazol ein, können schon geringe Alkoholmengen zu Flush-Reaktionen wie Übelkeit, rotes Gesicht und Herzrasen führen, da diese Medikamente den Abbau des Alkohols verlangsamen. Besondere Vorsicht ist bei der Einnahme von Paracetamol und Alkohol geboten. Der Alkohol verstärkt die leberschädigenden Wirkungen des Medikaments mit möglicherweise lebensbedrohlichen Folgen. Daher gilt: Wer Arzneimittel einnimmt, sollte keinen Alkohol trinken.

Ballaststoffe


Ballaststoffe kommen in Obst und Gemüse, in Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten vor. Wer die gesunden Lebensmittel isst, kann die Aufnahme von zahlreichen Arzneimitteln aus dem Darm verringern, da diese an die Pflanzenfasern gebunden werden. Dies gilt besonders, wenn Weizen-, Haferkleie, Lein- oder Flohsamen regelmäßig, z. B. im Frühstücksmüsli zur Erleichterung des Darmmanagements, gegessen werden. Auf einen ausreichend großen Abstand bei der Einnahme von Medikamenten muss immer geachtet werden.

Fettreiche Nahrungsmittel


Die Leber entfernt aus dem Blut, das sie filtert, unerwünschte Substanzen. Darunter fallen auch viele Medikamente, die oft schon beim ersten Passieren der Leber zumindest in Teilen eliminiert werden. Ist die Leber mit dem Verdauen reichhaltiger, fetter Nahrung beschäftigt, können Medikamente wie der Betablocker Propranolol der ersten Leberkontrolle entgehen und deshalb stärker wirken als gewohnt. Auch die Effekte des Blutdrucksenkers Lercanidpin und von Ciclosporin werden durch fetteiches Essen verändert.

Grapefruit und Pomelo


Die Grapefruit und die artverwandte Pomelo haben es in sich. Bereits vier Stunden nach der Einnahme von Frucht oder Saft, verhält sich der Stoffwechsel unkalkulierbar. Dieser Effekt bleibt auch über viele Stunden bestehen, sodass eine zeitversetzte Einnahme allein nicht ausreicht, Grapefruit muss komplett gemieden werden. Insbesondere bei Arzneimittel gegen Erektionsstörungen (Sildenafil), einigen Cholesterinsenkern (z. B. Simvastatin)), Schlafmitteln (Zolpidem) oder Blutdruckmitteln (Kalziumantagonisten wie Amlodipin und Verapamil) sowie einigen Krebsmedikamenten und Immunsuppressiva ist Vorsicht geboten.

Kaffee und schwarzer Tee


Es ist bekannt, dass Koffein den Blutdruck erhöht. Diese Reaktion verstärkt sich, wenn bestimmte Antibiotika, insbesondere Gyrasehemmer, gleichzeitig genommen werden, da der Körper das Koffein dann schlechter abbauen kann. Als Folge können verstärkt Herzrasen und Schlafstörungen auftreten. Aus diesem Grund sollte auch auf andere Koffeinquellen wie Schwarz-, Grün- oder Matetee und Cola verzichtet werden.

Auch die Gerbsäure in schwarzem Tee behindert die Aufnahme vieler Arzneistoffe ganz erheblich. Zum Beispiel wird Eisen gebunden. Das hat zur Folge, dass es verstärkt ausgeschieden wird, statt über die Darmwand in den Blutkreislauf zu kommen. Eine um zwei Stunden versetzte Einnahme löst das Problem. Werden Arzneimittel eingenommen, bei denen ein gleichmäßiger Blutspiegel elementar ist, wie bei Psychopharmaka und Antiasthmatika, sollten gerbstoffhaltige Getränke komplett gemieden werden.

Lakritz


Der Verzehr von größeren Mengen Lakritz kann für Menschen mit Bluthochdruck problematisch sein. Es kommt zu einer Veränderung des Mineralstoffwechsels mit Natriumanreicherungen und Kaliumverlusten. Die Folge sind Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) und Muskelschwäche. Neben Patienten mit Bluthochdruck, sollten auch Herz-Kreislauf-Patienten, Diabetiker und Schwangere möglichst auf Lakritz verzichten.

Milch und Milchprodukte


Viele Arzneimittel wirken in Verbindung mit Calcium, das zum Beispiel in Quark, Joghurt und Milch enthalten ist, deutlich schlechter. Gerade Antibiotika sind davon betroffen. Das liegt daran, dass sich die Wirksubstanz des Antibiotikums (z. B. Tetracycline) im Darm an Calcium bindet. Diese Verbindung kann nicht mehr vollständig aufgenommen werden, sodass zu viel Wirkstoff im Darm verbleibt und ausgeschieden wird. Besondere Aufmerksamkeit muss der Behandlung von Osteoporose gewidmet werden. Denn hier ist eine reichliche Calciumzufuhr notwendig. An den Tagen jedoch, an denen gegen die Osteoporose Bisphosphonate eingenommen werden, muss konsequent mindestens eine Stunde vor und mindestens zwei Stunden nach der Mahlzeit auf die Einnahme von Calcium-haltigen Mitteln verzichtet werden, da der Körper die Wirkstoffe sonst nicht verwerten kann. Auch einige Medikamente gegen Parkinson dürfen nicht mit eiweißhaltigen Nahrungsmitteln kombiniert werden.

Vitamine K-reiche Lebensmittel


Grüne Gemüsesorten wie Spinat, Brokkoli oder Rosenkohl enthalten Vitamin K. Sie sind sehr gesund, können aber den gerinnungshemmenden Effekt von Phenprocoumon oder Warfarin abschwächen. Diese Arzneistoffe unterdrücken die Vitamin K-abhängige Bildung von Gerinnungsfaktoren im Körper. Gelangt über das Essen viel Vitamin K in den Organismus, lässt die Wirkung von Phenprocoumon oder Warfarin nach.

Bei der Einnahme von Medikamenten sollten Patienten immer mit dem Arzt oder Apotheker sprechen. Dieser kann genau sagen, welche Wechselwirkungen im individuellen Fall auftreten können und welche Nahrungsmittel in welchem Umfang zu meiden sind.

Siehe auch: Wechselwirkungs-Check von Medikamenten und Medikamentenplan


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachspezialisten wie z. B. Ärzte oder Apotheker.