Deutsch-japanische Forschungskooperation: „Gehen nach Querschnittlähmung“

Rehabilitationserfolge bei Querschnittlähmung sollen durch eine Kombination von Roboteranzug und computergesteuerter Orthese verstärkt werden – so erhofft es sich eine Forschungskooperation zwischen dem Robot Rehabilitation Center im japanischen Kobe und einem deutschen Hilfsmittelhersteller.

Ottobock forscht mit Dr. Takaaki Chin (Re.), Direktor des Roboter Rehabilitationszentrums, an einer kombinierten Reha-Therapie mit C-Brace und Hal

Dr. Takaaki Chin, Direktor des Robot Rehabilitation Center: „Mein Ziel der kombinierten Therapie ist es, den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, dass sich Patienten mit sowohl inkompletter als auch kompletter Querschnittlähmung nach regenerativer medikamentöser Behandlung wieder unabhängig in ihrem Umfeld bewegen können.“ Dazu soll der robotische Anzug HAL mit der von Ottobock entwickelten Mikroprozessor-Orthese C-Brace kombiniert werden. (Zum Thema Orthese siehe auch Beitrag Die Gehfunktion erhalten: Orthesenversorgung bei Querschnittlähmung)

Der japanische Robotik-Professor und Gründer von Cyberdyne, Yoshiyuki Sankai, entwickelte in den 1990er Jahren HAL (Hybrid Assistive Limb). Heute unterstützt das robotische Exoskelett Gelähmte in der Rehabilitation in Japan: Sensoren registrieren Muskelsignale auf der Haut, ein Mikroprozessor wandelt sie in Bewegungsbefehle um und das Gelenk bewegt sich (siehe auch Beitrag Bewegungstherapie mit dem HAL Exoskelett). Ein Nachteil: HAL wird über mehrere Monate in der Reha angewandt, ist aber aufgrund seiner Größe wenig alltagstauglich. Ohne den Anzug lassen Erfolge mit der Zeit nach.

An diesem Punkt komme laut Pressemeldung des Herstellers das C-Brace ins Spiel. Dr. Andreas Hahn, Leiter der klinischen Forschung bei Ottobock: „Die Kombination von Roboteranzügen wie HAL als Initialbehandlung und die Fortführung der Rehabilitation mit C-Brace ist ein innovativer Ansatz für schwer betroffene Patienten.“

Zentrum moderner Robotik

Japan gilt laut PM als „eines der globalen Epizentren der Robotik“ – sowohl in der Medizintechnik, als auch in der Industrie. Die größten Hersteller sitzen dort; darunter Fanuc, Yaskawa und Omron. Roboter findet man in Flughafen-Terminals, Supermärkten und in der Pflege. „Gleichzeitig sucht man noch nach dem idealen Weg, um sie sicher und effizient einzusetzen“, sagt Senior Adviser Yuichi Yano von Ottobock Tokio. Daran forscht auch Dr. Chin. Er sagt: „Vor fünfzehn Jahren, als sich noch niemand mit Robotik im medizinischen Bereich beschäftigte, war ich überzeugt, dass das eine starke Rehabilitationsstrategie sein könnte. Deshalb beschloss ich, das erste Roboter Rehabilitationszentrum in Japan zu gründen. Mein Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen durch robotische Rehabilitation zu helfen.“