Fatigue und Querschnittlähmung: Dinge, die man beachten sollte

Verschiedene Faktoren können bei Menschen mit Querschnittlähmung Fatigue, d. h. chronische Müdigkeit und Antriebschwäche, auslösen. Was Betroffene beachten sollten und wie sie damit umgehen können, wird im Folgenden beschrieben.

Wie im Beitrag Fatigue – Chronische Erschöpfung bei Querschnittlähmung erklärt, ist Fatigue eine immer häufiger erkannte Folge von Querschnittlähmung, die vor allem Menschen mit inkompletter Lähmung zu betreffen scheint. Die Behandlung ist von den auslösenden Faktoren abhängig und umfasst z. B. Bluttransfusionen, Medikamente, Gesprächstherapien, das Erlernen von Entspannungsmethoden oder sportliche Aktivitäten.

Das Krankheitsbild Fatigue als solches zu erkennen, ist nicht ganz einfach, da die Symptome diffus und individuell verschieden sein können. Es ist wichtig sich darüber im Klaren zu sein, dass Fatigue nicht ein Zeichen mangelnder Tatkraft oder Motivation ist, sondern physische und/oder psychische Faktoren zugrunde liegen. Und dass Fatigue kaum von heute auf morgen verschwinden wird, sondern einer langfristigen Behandlung (siehe: Fatigue – Chronische Erschöpfung bei Querschnittlähmung) bedarf, die Energie steigern oder wenigstens den Umgang mit Fatigue vereinfachen kann.

Dazu ist es notwendig die Situation des Betroffenen zu bewerten und die Auslöser von Fatigue zu bestimmen. Es gibt verschiedene Aspekte, die das Auftreten von Fatigue wahrscheinlich machen können. Dazu können z. B. Schlafmangel, ungesunde Ernährung und übertriebene oder auch zu wenig Aktivitäten gehören. Ziel ist es, die richtige Balance zwischen Schlaf, Ernährung und Bewegung zu finden.

Fatigue bei Querschnittlähmung: Wie damit umgehen?

In einer Studie aus dem Jahr 2009 kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die Empfehlungen, die u. a. die Deutsche Fatigue Gesellschaft allgemeingültig ausspricht, auch Betroffenen mit Querschnittlähmung helfen können, mit Fatigue umzugehen.

  • An erster Stelle sollte man mit dem sozialen Umfeld, aber auch dem Arzt offen über die Problematik sprechen. Verständnis wird sich dann einstellen, wenn alle mittelbar Betroffenen wissen, was los ist und wie sich der Betroffene fühlt. Eine Hilfestellung wie man das Thema anderen nahebringen kann, bietet die Löffeltheorie von Christine Miserandino.
  • Betroffene sollten auf ihren Körper hören und ihn unterstützen, z. B. durch
  • Verbesserung der Bedingungen für einen angenehmen und entspannenden Schlaf
  • Das Einplanen von Ruhepausen über den Tag verteilt
  • Eine gesunde, angepasste Ernährung mit kleinen Portionen (siehe: Ernährung bei Querschnittlähmung).

SCI Progress schlägt dazu konkrete Verhaltensregeln vor:

  • Lernen den Tag besser zu planen:
    Wenn man verstanden hat, wie es zu Fatigue kommen kann, ist es ratsam den Tag so zu planen, dass keine Aktivität das Energielevel restlos erschöpft. Dies gilt für den Alltag, besonders aber auch für außergewöhnliche Situationen wie Urlaubs- oder Geschäftsreisen.
  • Körperliche Belastung reduzieren:
    Der Einsatz von Hilfsmitteln, die das Leben erleichtern, kann dazu beitragen, dass man sich weniger anstrengen und weniger Stress bei bestimmten Handlungen empfindet.
  • Flüssigkeitszufuhr und Ernährung:
    Der Körper muss genährt werden, damit er Leistung erbringen kann. Ausreichend viel Wasser (siehe: Trinkverhalten bei Querschnittlähmung) und eine gute, gesunde Ernährung (s. o.) können einen großen Einfluss auf das Energieniveau haben.
  • Bewegung:
    Wie bei einer gesunden Ernährung ist auch das richtige Maß an Bewegung wichtig, um Fatigue zu bekämpfen. Natürlich ist bei einer Querschnittlähmung die Lähmungshöhe entscheidend, wenn es um Sport und Bewegung geht, doch kann die Verbesserung der Fitness (im Rahmen des Möglichen) helfen Fatigue zu verringern.
  • Plan B:
    Wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht, mit dem man nicht sofort klarkommt, kann dies Betroffene derartig unter Stress setzen, dass fast unweigerlich Fatigue eintreten wird. Im Idealfall haben Betroffene für solche Situationen einen Notfallkontakt, der hilft die Lage zu bewältigen. Allein die Gewissheit diesen „Joker“ in der Hinterhand zu haben, kann oft schon helfen Fatigue zu vermeiden.

Es ist wichtig, Fatigue bei Querschnittlähmung nicht einfach hinzunehmen, egal wie sie sich äußert. Die Suche nach wirksamen Strategien und die Anpassung der täglichen Routine können dazu beitragen, die mit Fatigue verbundenen Symptome zu lindern und sicherzustellen, dass Betroffene Energie für die Dinge haben, die am wichtigsten sind.


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachspezialisten wie z. B. Ärzte oder Apotheker.