Sepsis bei Querschnittlähmung: Risiko und Prophylaxe

Der Eintritt einer Querschnittlähmung steigert das Risiko eine Sepsis zu entwickeln, denn Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen und Dekubitus sind Komplikationen, die dazu beitragen können.

Es gibt eine Reihe von Komplikationen bei Querschnittlähmung, über die Betroffene Bescheid wissen sollten, um sie bestenfalls vermeiden, mindestens aber erkennen zu können (siehe hierzu: Komplikationen, Folge und Begleiterkrankungen einer Querschnittlähmung). Zu ihnen gehören Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen (bei hohen Lähmungen) und Druckstellen, sowie andere Hautschädigungen, die aufgrund der eingeschränkten Sensibilität evtl. zu spät erkannt und behandelt werden. Diese gehören auch zu den Risikofaktoren einer Sepsis, ein lebensbedrohlicher Zustand, bei der das Immunsystem bei dem Versuch eine Infektion zu bekämpfen die Organe im Körper schädigt.

Die Sepsis

„Sepsis, oft auch Blutvergiftung genannt, ist die häufigste Todesursache bei Infektionen – und das trotz aller Fortschritte der modernen Medizin wie Impfungen, Antibiotika und Intensivmedizin. Dabei ist eine Sepsis keine Vergiftung im herkömmlichen Sinne, sondern entsteht, wenn die körpereigene Abwehrreaktion gegen eine Infektion das eigene Gewebe und die eigenen Organe schädigt. Eine Sepsis kann zu Schock, Multiorganversagen und Tod führen, vor allem wenn die Symptome nicht früh genug erkannt und sofort behandelt werden.“ (Definition von Sepsis-Stiftung.eu, 2021)

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Symptome einer Sepsis

Die Symptome einer Sepsis sind unterschiedlich und unspezifisch. Folgende Anzeichen können einzeln oder zusammen auftreten:

  • Verwirrung, Orientierungslosigkeit
  • Atemnot, schnelle Atmung
  • Niedriger Blutdruck, hohe Herzfrequenz
  • Extremes Krankheitsgefühl
  • Fieber, Schüttelfrost
  • Schwitzen, feuchte Haut (Uni Jena, 2021)
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Lethargie und mangelndes Interesse am Essen.
  • Ein erhöhter Blutzuckerspiegel, ohne dass Diabetes ein mitbestimmender Faktor ist (SCIProgress, 2021).

Speziell bei Menschen mit Querschnittlähmung, wurden folgende Symptome beobachtet:

Der Betroffene kann auch Ödeme aufweisen, insbesondere in den Extremitäten sowie im Gesicht und am Hals. Sie haben möglicherweise eine abnorm niedrige Temperatur und es kann zu Entzündungen an der Infektionsstelle oder an anderen Körperstellen kommen.

Probleme bei der Aufrechterhaltung des Blutdrucks und ein Verlust des Blutflusses in den Extremitäten, z. B. in den Fingern, sind weitere Probleme, die bei einer Sepsis nach einer Rückenmarksverletzung auftreten können (SCIProgress, 2021).

Rote Streifen auf der Haut (ein Bild, das viele Menschen mit dem Stichwort Blutvergiftung in Verbindung bringen) sind kein notwendiges Anzeichen einer Sepsis. Er zeigt die Entzündung einer Lymphbahn an, die zu einer Sepsis führen kann. Er muss aber nicht zwingend bei einer Sepsis auftreten. Ganz im Gegenteil: Die meisten Sepsis-Patienten zeigen dieses Symptom nicht (Sepsis-Stiftung.eu, 2021).

Inwieweit sind Menschen mit Querschnittlähmung durch Sepsis gefährdet?

Das Risiko eine Sepsis zu entwickeln ist für Menschen mit Querschnittlähmung höher als für andere, da eine höhere Wahrscheinlichkeit gegeben ist an Auslösern für eine Sepsis zu erkranken. Druckstellen und Harnwegsinfektionen sind die zwei häufigsten Komplikationen, mit denen es Betroffene nach Eintritt einer Querschnittlähmung zu tun haben. Bei hohen Lähmungen steigt zudem das Risiko auf eine Lungenentzündung z. B. aufgrund von Aspiration.

Sepsis vorbeugen

Das Vorbeugen und die schnelle Behandlung von Infektionskrankheiten und ihrer Risikofaktoren sind die wichtigsten Aspekte der Sepsisprophylaxe.

Für Menschen mit Querschnittlähmung gilt:

  • Vorsicht bei Dekubitus und anderen Hautvorfällen

Druckstellen können bei Querschnittlähmung entstehen, da oft die Oberflächen- und Tiefensensibilität gestört ist (siehe: Schmerz-Syndrome, Sensibilität und Empfindungsstörungen bei Querschnittlähmung). Regelmäßige Druckentlastung und Hautkontrolle sind daher unerlässlich. Sollte ein Dekubitus entstehen, müssen entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Siehe: Dekubitus-Behandlung bei Querschnittlähmung.
Das Entstehen und Fortschreiten einer eventuellen Infektion muss beobachtet und entsprechend behandelt werden; auch muss darauf geachtet werden, ob die oben genannten Symptome einer Sepsis auftreten.
Bei Symptomen einer Sepsis und/oder wenn die Wunde sich verfärbt oder ein unangenehmer Geruch entsteht, muss sofort ein Arzt konsultiert werden. Dies Vorsichtsmaßnahmen gelten nicht nur für Druckstellen, sondern auch für andere Hautvorfälle, wie z. B. Ekzeme oder ganz banale Schürfwunden.

  • Vorsicht bei Harnwegsinfektionen

Harnwegsinfektionen sind ein häufiges Problem bei Querschnittlähmung (siehe: Harnwegsinfektion: erkennen – behandeln – vorbeugen). Dabei ist es wichtig zu beachten, dass nicht bei jeder Harnwegsinfektion die Gabe von Antibiotika das erste Mittel der Wahl sein sollte, sondern dass Prophylaxe und Behandlung auch zunächst auch mit anderen Mittel (siehe: Alternative Methoden zu Vorbeugung und Heilung von Harnwegsinfekten und Harnwegsinfektionen und Querschnittlähmung: Helfen D-Mannose und L-Methionin?) erfolgen können, die Antibiotikaresistenzen keinen Vorschub leisten. Mit diesen Methoden können sich Harnwegsinfektionen zurückbilden. Das Infektionsgeschehen muss allerdings genau beobachtet werden, um zu bestimmen, ob nicht doch eine Einnahme von Antibiotika notwendig ist.


Eine nicht oder unzureichend behandelte Harnwegsinfektion kann zu Sepsis führen. Wenn Symptome einer Sepsis auftreten, muss sofort ein Arzt konsultiert werden.

  • Vorsicht bei Lungenentzündungen

Menschen mit hoher Querschnittlähmung haben ein erhöhtes Risiko an einer Lungenentzündung zu erkrankten, die üblicherweise durch typische bakterielle Erreger, wie Pneumokokken oder Staphylokokken, ausgelöst wird. Ein weiterer Risikofaktor für das Entstehen von Pneumonien bei Querschnittlähmung sind Schluckstörungen und der Einsatz von Trachealkanülen, da sie die Aspirationsgefahr beträchtlich erhöhen. Wenn es trotz vorbeugender Maßnahmen (siehe: Lungeninfektionen und Pneumonien vorbeugen mit LISA) zu einer Lungenentzündung kommt, muss diese ärztlich behandelt werden, um eine Gesundung zu gewährleisten und Sepsis zu vermeiden.

Die Diagnose einer Sepsis als Folge einer Lungenentzündung ist erschwert, da es nicht „das eine“ Symptom gibt, das auf eine Sepsis hinweist. Hinweise können nur die oben genannten Symptome geben, wie die Veränderungen der Vitalparameter: Blutdruck, Atem- und Herzfrequenz, Wahrnehmung, Körpertemperatur usw.

Sepsis behandeln

Tritt eine Sepsis auf, muss sie schnellstmöglich von Fachleuten, i. d. R. in einem Krankenhaus, behandelt werden. Patienten müssen Breitband-Antibiotika erhalten; zur Erregerdiagnostik sollten zuvor Blutkulturen und Abstriche vom mutmaßlichen Infektionsherd genommen werden. Hinzu kommen kreislaufstabilisierende Maßnahmen sowie evtl. die chirurgische Beseitigung von Infektionsherden. Wurde die Infektion durch z. B. Blasenkatheter oder andere Fremdkörper ausgelöst, müssen diese entfernt werden (Sepsis-Stiftung.eu, 2021).

Ebenfalls sinnvoll sind die Zufuhr von Flüssigkeit und Sauerstoff sowie die Verabreichung von Medikamenten zur Kontrolle von Insulin (SCIProgress, 2021).

Auch wenn eine Sepsis ein sehr ernstzunehmender Vorfall ist, sollten eine sorgfältige Überwachung sowie die genannten Prophylaxemaßnahmen dazu beitragen, die Gesundheit zu erhalten und das Potenzial für bakterielle Infektionen, die zu einer Sepsis führen, zu verringern.


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachspezialisten wie z. B. Ärzte oder Apotheker.