Mehr Geld und weniger Bürokratie für Steuerzahler mit Behinderung

„Behinderten-Pauschbetragsgesetz“. Auch wenn das sperrige neunsilbige Wortungetüm es nicht vermuten lässt: Das Gesetz macht das Ausfüllen der Steuererklärung für Menschen mit Querschnittlähmung einfacher. Und mehr Geld gibt es auch.

Pauschbeträge für Menschen mit Behinderung können bei der Steuererklärung einige Euros bringen.

Ende 2020 hatte der Gesetzgeber in Sachen „steuerliche Nachteilsausgleiche“ einige Regelungen zu Gunsten von Steuerzahlern mit Behinderung nachjustiert. Im sogenannten „Behinderten-Pauschbetragsgesetz“ wurden u.a. neue Pauschalen statt Einzelnachweisen eingeführt, was das bürokratische Prozedere deutlich erleichtert. In anderen Bereichen wurden Pauschalen gefühlt erstmals seit Erfindung des Rollstuhls angehoben, zum Teil sogar verdoppelt. Die Neuregelungen gelten erstmals für den Veranlagungszeitraum 2021 (wer noch an der Steuererklärung für 2020 bastelt, muss die zuvor geltenden Regelungen beachten).

Behinderungsbedingte Fahrtkosten: Künftig als Pauschale absetzbar

Menschen mit Behinderung können u.U. „behinderungsbedingte, unvermeidbare Privatfahrten“ bei der Steuererklärung geltend machen – sie zählen zu den atypischen behinderungsbedingten Kosten und gehören damit nicht in den allgemeinen Behindertenpauschbetrag (s.u.). Gemeint sind damit z.B. durch die Behinderung bedingte Fahrten zu Ämtern, zur Reha oder zum Arzt oder notwendige Einkäufe. (Steuertipps, 2021). Der Kurztrip in die Toskana zählt aus naheliegenden Gründen nicht dazu.

Die entsprechenden Kosten können Steuerzahler mit entsprechend hohem GdB und/oder Merkzeichen bei der Steuererklärung in die außergewöhnlichen Belastungen einfließen lassen (eine Auflistung aller Merkzeichen, ihrer Definition und ihre Abkürzung gibt es im Beitrag Schwerbehindertenausweis). Hier gelten jeweils Grenzen der Zumutbarkeit, die sich am Familienstand und -einkommen orientieren. Im Internet finden sich dazu zahlreiche Rechner, zum Beispiel auf den Seiten der Stiftung Warentest, mit denen man seine ganz persönliche Grenze des Zumutbaren (aus Kosten, die z.B. aus Schicksalsschlägen wie Krankheiten, Behinderungen, Naturkatastrophen, Todesfällen entstehen) ermitteln kann. Vereinfacht gesagt: Alles, was über dieser Grenze des Zumutbaren liegt, kann steuerlich geltend gemacht werden.

Bei den behinderungsbedingten Fahrten verlangte das Finanzamt bis Veranlagungsjahr 2020 Einzelbelege. Nun wurde die Zettelwirtschaft abgeschafft. Die Begründung liefert das Finanzministerium in erfrischend klaren Worten:  „Anstelle des bisherigen individuellen und aufwändigen Einzelnachweises der behinderungsbedingt entstandenen Fahrtkosten wird eine Pauschbetragsregelung in Höhe der bisher geltenden Maximalbeträge (900 bzw. 4.500 Euro) eingeführt … Den Steuerpflichtigen wird dadurch der aufwändige Einzelnachweis erspart.“ (Bundesfinanzministerium 2021, siehe auch externer LInk: Einkommensteuergesetz (EStG), § 33 Außergewöhnliche Belastungen).

  • Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 80 oder mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 und dem Merkzeichen „G“ erhalten eine Pauschale in Höhe von 900 Euro,
  • Menschen mit dem Merkzeichen „aG“, mit dem Merkzeichen „Bl“, mit dem Merkzeichen „TBl“ oder mit dem Merkzeichen „H“ erhalten eine Pauschale in Höhe von 4.500 Euro. (Bundesamt, 2021)

Damit ist der Anspruch gedeckelt – mehr „behindertengerechte Fahrtkosten“ können nicht ins Berechnungstöpfchen geworfen werden.

Tipp: Fahrten aufgrund einer Erkrankung, die nicht behinderungsbedingt ist, können zusätzlich als „außergewöhnliche Belastungen“ angegeben werden. (vlh, 2021)

Behinderten-Pauschbetrag: Verdoppelt

Auch die Behinderten-Pauschbeträge dienen der Vereinfachung des ganzen Steuerkrams. Sie konzentrieren sich auf den Aufwand für die sog. „Verrichtungen des täglichen Lebens“ – z.B. die Körperpflege.  –  die nur schwer als ganz eindeutig behinderungsbedingt einzuordnen sind. Weshalb andere Kosten, die eindeutig behinderungsbedingt sind – z.B. Umbau- oder Fahrtkosten – nicht unter diesen Pauschbetrag fallen. Sie können auch weiterhin steuerlich berücksichtigt werden, soweit sie die zumutbare Belastung übersteigen. (Bundesfinanzministerium, 2021)

Die Höhe des Behinderten-Pauschbetrags ist weiterhin vom Grad der Behinderung (GdB) abhängig. Da alle Pauschalen – erstmals seit 45 Jahren! – angepasst wurden, können ab Steuerjahr 2021 Pauschalen zwischen 384 Euro (GdB 20) und 2.840 Euro (GdB 100) geltend gemacht werden. Menschen mit Merkzeichen H, Bl oder TBl steht generell ein Pauschbetrag in Höhe von 7.400 zu.  (betanet, 2021)

Tipp 1: Tritt die Behinderung erst im Laufe des Jahres ein, erhalten Betroffene dennoch den vollen Pauschbetrag für ihren GdB.

Tipp 2:  Ändert sich der GdB, gilt für das ganze Jahr die für den Betroffenen – steuerlich gesehen – beste Einstufung.

Tipp 3:  Eltern von Kindern mit Behinderungen, die keine eigene Steuererklärung abgeben, können den Pauschbetrag auf sich übertragen lassen. (betanet, 2021)

Pflege-Pauschbetrag: Angepasst

Aufgabe dieses Pauschbetrags ist es, die Menschen steuerlich zu entlasten, die Angehörige oder Nahestehende pflegen. Sie sollen mit dem Pauschbetrag Aufwendungen abdecken, die sich nicht unbedingt auf Heller und Pfennig beziffern lassen. Die Höhe der Pauschale hängt vom Pflegegrad dessen ab, der versorgt wird und ist nicht mehr an das Kriterium „hilflos“ geknüpft.

Ab Steuerjahr 2021 wurde der Pauschbetrag auf max. 1.800 festgelegt (Pflegegrad 4,5 oder Merkmal „H“), was nahezu einer Verdoppelung im Vergleich zu den Vorjahren entspricht. Bei Pflegegrad 3 stehen den Pflegenden 1.100 Euro, bei Pflegegrad 2.600 Euro als Pauschale zu. (Steuerring, 2021)

Tipp 1: Auch dieser Pauschbetrag ist ein Jahresbetrag und steht einem in voller Höhe zu, unabhängig davon, wie lange das Pflege-Engagement angedauert hat. Ändert sich der Pflegegrad im Laufe des Jahres wird für die Berechnung ebenfalls der höchstmögliche Satz zu Grunde gelegt.

Tipp 2: Pro pflegebedürftiger Person darf die Pauschale nur einmal angerechnet werden – kümmern sich also mehrere Leute um einen Pflegebedürftigen, müssen diese den Pauschbetrag unter sich aufteilen. Kümmert sich eine Person jedoch um mehrere Pflegebedürfte, kann sie den Pauschbetrag mehrfach absetzen. (Steuerring, 2021)


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