Kampagne in Österreich: „Mit einer Behinderung wirst du nicht gebraucht.“

In Bus- und Bahnstationen österreichischer Städte hängen im Oktober 2021 Plakate mit u. a. dem Text „Mit einer Behinderung wirst du NICHT gebraucht.“ aus. Der Lebensmittelkonzern Billa (Teil der Rewe Group) steckt hinter der umstrittenen Kampagne.

Der Verein BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben in Österreich, der Österreichische Behindertenrat sowie weitere Behindertenverbände fordern einen sofortigen Stopp der Aktion, da dabei mit einer kalkulierten widerlichen Provokation Aufmerksamkeit erregt werden solle. Laut Aussage des Auftraggebers Billa sollten die Plakate bis zum 21. Oktober so aushängen und dann „aufgelöst“ werden. Auch wenn hier bereits zu unterstellen war, dass offensiv Aufmerksamkeit auf einen Missstand gelenkt werden sollte, befürchten Betroffene und Vertretergruppen in Österreich einen bereits entstandenen Schaden.

BIZEPS zitiert die Wiener Autorin Marlise Hübner: „Wie auch immer diese Kampagne am 21.10. aufgelöst wird – ich habe das Gefühl, der Schaden ist angerichtet. Das, was Menschen ohnehin schon denken, wird bestätigt und brennt sich durch täglichen Sichtkontakt weiter ein. Keine Wendung kann so stark sein, um diese Aussagen zu neutralisieren. In einer Zeit, in der die Grenzen des Sag- und Denkbaren immer weiter verschoben werden, ist eine über menschenverachtende Teaser funktionierende Werbekampagne, die nicht umgehend aufgelöst wird, keine gute Idee.“

Zu einer ausführlichen Stellungnahme von BIZEPS geht es hier: Unfassbar diskriminierende Werbung muss sofort weg! – BIZEPS

Die Auflösung durch Billa wurde aufgrund der landesweiten Empörung früher herbeigeführt. Laut eine Unternehmenssprecher hätte man bewusst Vorurteile thematisiert, die „ungerecht, diskriminierend sind und wütend machen“. „Durch diese Irritation lenken wir bewusst auf die aktuelle Arbeitsplatzsituation von Menschen mit Behinderungen“, betonte der Konzern. Noch immer sei es so, dass diese Personengruppe, genauso wie ältere Personen und Jugendliche, am meisten von Arbeitslosigkeit und tagtäglichen Vorurteilen betroffen seien. „Dagegen gilt es aufzutreten“, wurde bekräftigt. Für Billa seien Alter, fehlende Matura (Abitur) oder Behinderung kein Hinderungsgrund bei der Aufnahme von Mitarbeitern (siehe: „Nicht gebraucht“: Billa steckt hinter umstrittener Kampagne).

Bizeps hätten eine Entschuldigung von Billa erhalten, sehen darin allerdings kein Verständnis gegenüber der oben beschriebenen Kritik: „Leider haben es die Verantwortlichen bei Billa bisher noch immer nicht verstanden. Ihre diskriminierende Kampagne auf Kosten verschiedener Gruppen von Menschen – darunter auch Menschen mit Behinderungen – musste aufgrund der heftigen medialen Reaktionen sofort gestoppt werden.“

Der österreichische Werberat sieht in der Billa-Kampagne eine Verletzung des Ethik-Kodex der Werbewirtschaft. Eine entsprechende Begründung veröffentlichte Bizeps hier.