Süße Medizin: Honig zur Behandlung von Druckstellen

Aufgrund der eingeschränkten Sensibilität unterhalb der Läsionsstelle haben Menschen mit Querschnittlähmung ein erhöhtes Risiko Dekubitus (Druckstellen) zu entwickeln. Wenn ein Dekubitus mit offener Haut entstanden ist, kann eine Behandlung mit medizinischem Honig den Heilungsprozess unterstützen.

Honig ist als Heilmittel heute vor allem in Verbindung mit Husten und Halsschmerzen bekannt (siehe: Fünf Hausmittel bei Erkältungen und ihre Wirkung), vor dem Aufkommen der Antibiotika wurde er jedoch auch zur Behandlung von Wunden eingesetzt. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird Honig äußerlich zur Behandlung von Verbrennungen und Erfrierungen eingesetzt, und auch bei Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Knochenbrüchen, Kurzatmigkeit, Magenschmerzen und Durchfall wird er verwendet. Letzteres scheint von Laboruntersuchungen untermauert zu werden, da (Manuka)Honig die Bakterien (Helicobacer pylori), die häufig für das Entstehen von Entzündungen der Magenschleimhaut und im Darm verantwortlich sind, wirksam bekämpft (Zirkulin, 2021).

Honig hat es in sich.

Honig besteht zu 20 Prozent aus Wasser und aus den Zuckerarten Fructose (Fruchtzucker, 27 bis 44 %) und Glucose (Traubenzucker, 22 bis 41 %). Zudem enthält er Fermente und Mineralstoffe; in geringen Mengen finden sich Pollen und Spuren von Wachsteilchen. Außerdem enthalten sind sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, sowie die wasserlöslichen Vitamine des B-Komplexes: B1 (Thiamin), B2 (Riboflavin), B6 (Pyridoxin), Niacin und Panthothensäure.

Zu der potenziell heilungsfördernden Wirkung von Honig kommt es aufgrund mehrerer seiner Eigenschaften. Zum einen hat Honig einer eher sauren ph-Wert von ca. 3 – 4,5, wodurch die Wundheilung stimulier wird, zum anderen fördert der hohe Zuckeranteil den Lymphabfluss und hemmt das Bakterienwachstum auf der Wunde. Zudem enthält Honig die antibakterielle Substanz Wasserstoffperoxid und Methylglyoxal (letzteres kommt nur in Manukahonig vor).

Honig für die medizinische Verwendung

Zu Behandlung von Wunden, u. a. auch Druckstellen bei Menschen mit Querschnittlähmung, wird heute kein zum Verzehr gedachter Honig verwendet. Auf Wunden kommt ausschließlich medizinischer Honig zum Einsatz, der durch Bestrahlung sterilisiert ist und daher keine Bakterien bzw. Sporen von Bakterien enthält. Meistgenutzt ist die Sorte Manuka, die entsteht, wenn Bienen zur Herstellung ihres Honigs hauptsächlich den Blütennektar der neuseeländischen/australischen Südseemyrte (Manuka) verwenden. Manukahonig enthält im Gegensatz zu anderen Honigsorten Methylglyoxal. Dieser Stoff ist eigentlich zytotoxisch, nicht jedoch in Kombination mit den restlichen Inhaltsstoffen des Honigs. Klinische Daten belegen dem Manukahonig eine beschleunigte Wundheilung sowie eine aktive Wirkung gegen sog. Biofilmbildner und damit eine Reduktion der Biofilmmasse. „Viele Antibiotika können Bakterien in so einem Biofilm nur schlecht erreichen“, sagt Jonathan Häußer auf sportsandmedicine.com. „Damit ist er (der Biofilm) für den begrenzten Nutzen topischer (lokal angewandter) und systemischer Antibiotika bei chronischen Wunden verantwortlich“.

Verwendung von Medihoney (medizinisches Präparat mit Manukahonig) als nicht-chirurgische Therapie für chronische Druckgeschwüre bei Patienten mit Querschnittlähmung


Eine Studie aus dem Jahr 2011 betrachtete 20 Patienten mit Querschnittlähmung und chronischen Druckgeschwüren (Dekubitus) unter Verwendung von Medihoney, ein antibakterieller medizinischer Honig zur topischen Anwendung bei akuten und chronischen Wunden. Ziel war die Bestimmung der Auswirkungen von Medihoney auf das Bakterienwachstum, die Wundgröße und das Stadium der Heilung bei Dekubitus.

Die Forscher behandelten 20 erwachsene Patienten mit Querschnittlähmung und mit chronischem Dekubitus mit Medihoney. Bei den Patienten handelte es sich um eine gemischte Gruppe von 30- bis 79-jährigen Frauen (35%) und Männer (65 %); Tetraplegikern (30%) und Paraplegikern (70%).

Bei fünf (25%) der Patienten lagen Dekubitus des Grades IV und 15 (75 %) Dekubitus des Grades III (gemäß dem National Pressure Ulcer Advisory Panel siehe: Entstehung von Druckstellen (Dekubitus) bei Querschnittlähmung) vor.

Nach einer einwöchigen Behandlung mit Medihoney waren alle Abstriche frei von bakteriellem Wachstum. Insgesamt zeigten 18 Patienten (90%) nach vier Wochen eine vollständige Wundheilung, und die entstandenen Narben waren weich und elastisch. Es wurden keine negativen Auswirkungen der Behandlung mit Medihoney festgestellt. Die Forscher leiten daraus den Schluss ab, dass eine Behandlung mit Medihoney zur Wundversorgung Teil eines umfassenden konservativen chirurgischen Wundversorgungskonzepts sein sollte. Die Studie hätte die äußerst wertvolle Wirksamkeit von Honig bei der Wundbehandlung und Infektionskontrolle, gemessen am Bakterienwachstum, der Wundgröße und dem Heilungsstadium gezeigt (Biglari et al, 2011).

In einer weiteren Studie waren bei 40 Patienten mit Beinulcera, die nicht auf eine Kompressionstherapie über zwölf Wochen ansprachen, Schmerz, Größe und Geruch der Wunde nach der Behandlung mit Honig reduziert. Eine andere Studie mit acht Patienten mit venösen Beinulcera zeigte einen beschleunigten Wundverschluss bei der Behandlung mit Manukahonig. Und in noch einer Studie an elf Patienten mit nicht heilenden venösen Ulcera konnte innerhalb von drei bis sechs Wochen ein vollständiger Wundverschluss erreicht werden (Häußer, 2021).

Medizinischer Honig wird zur Dekubitus-Behandlung bei Querschnittlähmung auch in Querschnittzentren, u. a. in der BG Klinik Duisburg eingesetzt.

Medihoney ist in Apotheken und im Onlinehandel erhältlich; vor einer Verwendung bei Dekubitus sollte unbedingt eine Fachperson konsultiert werden.


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