Gelesen: Wie ich lernte, Plan B zu lieben

Gregor Demblin ist seit einem Badeunfall bei seiner Schulabschussreise querschnittgelähmt. Als Firmengründer und Unternehmer versucht er die Welt zu verändern. In seinem Buch „Wie ich lernte, Plan B zu lieben. Resilienz für Anfänger“ gibt Demblin Einblicke in sein Leben im Rollstuhl während der vergangenen 25 Jahre.

Aus dem Inhalt

Gregor Demblin erzählt in seinem Buch „Wie ich lernte, Plan B zu lieben. Resilienz für Anfänger“ von besonderen Wendepunkten seines Leben. Dreh- und Angelpunkt ist dieser eine Moment, in dem er, ein Jahr nach seinem Unfall, akzeptieren musste, dass sein altes Leben für immer vorbei sein würde. Eindringlich und berührend schildert er, wie es gelingen kann, mit der Vergangenheit abzuschließen und offen für Neues zu sein. Dass ein Leben sich nach einer Krise verändert, aber nicht unbedingt schlechter wird – im Gegenteil. Dass in jeder Krise auch Chancen stecken, und dass es darum geht, diese Chancen zu sehen und zu nutzen. Und dass eine Krise immer auch bereichernd ist, weil sie unseren Blickwinkel verändert und uns lehrt, das zu schätzen, was wir haben.

Demblin verfolgt seine Visionen einer besseren Welt und lässt sie auch unternehmerisch Realität werden. Sein Buch will zeigen, wie es gelingen kann, eine neue Lebensrealität anzunehmen, sich neu auszurichten und ohne Wehmut auf die Vergangenheit zurückblicken zu können. Nichts wird schlechter, nur anders.

Wie liest es sich

Demblins Buch ist erfrischend kurz, denn es versteht sich nicht als Biografie, die ausführlich Unfall, Rehabilitation und jeden Aspekt des neuen Lebens nach dem Unfall beschreibt, sondern skizziert wenige wichtige Momentaufnahmen und Konsequenzen, die Demblin für sich daraus zieht. Ohne unnötige Umwege kommt der Autor zum Punkt: Dies ist passiert, dies muss ich nun tun. So fühle ich mich damit.   

So einfach und kurz die Ausschnitte auch gewählt sind, verlieren sie dennoch keineswegs an Eindrücklichkeit, sondern gewähren den relevanten Einblick, den Demblin beabsichtigt. Er schreibt über die Diagnose Querschnittlähmung: „Ich hatte keine Ahnung, dass auch Hände und Arme gelähmt sein können. Dass eigentlich sämtliche Körperfunktionen betroffen sind, Kreislauf, Verdauung, Blasenfunktion. Das alles muss ich jetzt in geballter Form lernen. Ich bin komplett überfordert, versuche bloß nicht nachzudenken, mache Witze. Später erzählen mir meine Eltern, dass sie sich schon ernsthaft Sorgen machten, ob ich eine Hirnschädigung erlitten hätte.“

Und über seinen ersten Ausflug auf die Terrasse der Unfallklinik: „Es ist nicht viel, sicher nicht die interessanteste Aussicht die Wien zu bieten hat. Aber ein Gedanke fährt mir in den Kopf und lässt mich nicht mehr los: Da draußen gibt es noch ein Leben, und das geht einfach weiter! Nach einer Viertelstunde müssen wir wieder zurück, doch dieser Ausflug verändert alles. Plötzlich kommt von irgendwoher wieder Energie zurück. Ich will leben! Ich habe nur dieses eine Leben, und ich muss das Beste daraus machen.“

Jahre später sagt er den Barrieren in seinem Umfeld und denen in den Köpfen der Menschen den Kampf an: „Ich hatte zwei Optionen. Entweder ich selbst verändere mich und ziehe mich zurück. Oder ich verändere meine Umwelt. … Ich musste erreichen, dass ein Rollstuhl genauso unspektakulär ist wie eine Brille. Mir war klar, dass ich eine Monsteraufgabe vor mir hatte. Aber ich hatte keine Wahl. Und zum Glück wusste ich nicht, wie steil der Weg sein würde.“

Demblin beschreibt Aspekte seines Privatleben, z. B. hinsichtlich Ehe und Vaterschaft, ebenso wie Schlüsselszenen aus Beruf und sozialem bzw. politischem Engagement. Alles kurz, alles auf den Punkt gebracht und doch so intim und offen, dass der Leser den Eindruck hat, dass nichts Wichtiges verheimlicht wird – und das auf nur 80 Seiten.

Besonders originell: der Soundtrack zu den einzelnen Szenen. Unter jedem kurzen Kapitel steht ein Titel aus der Playlist des Lebens, z. B. „While my guitarre gently weeps“ von den Beatles im Kapitel „Abhaken“, in dem Demblin nach zehnmonatiger Rehabilitation erkennt, dass er die Klinik im Rollstuhl verlassen wird.

Über den Autor

Gregor Demblin, Jahrgang 1977, ist ein österreichischer Unternehmer und seit einem Badeunfall querschnittgelähmt. Nach seinem Studium der Philosophie ging er in die Privatwirtschaft. 2010 gründete er Career Moves, die erste inklusive Online-Jobplattform Europas. 2014 folgten die Gründung von myAbility und 2018 die des Therapiezentrums tech2people.

Demblin ist verheiratet und Vater von vier Söhnen. Er war der erste Rollstuhlfahrer, der in einem Exoskelett am Wings for Life Run teilnahm.

Das Buch

  • Wie ich lernte, Plan B zu lieben. Resilienz für Anfänger
  • Von: Gregor Demblin
  • Seiten: 80
  • ISBN: 978-3903715028
  • Preis: ca. 14 Euro (Stand: Okt. 2021)