Guido A. Zäch: Mensch. Visionär. Pionier.

Guido A. Zäch gilt – weit über die Schweiz hinaus – als Wegbereiter und charismatischer Kämpfer für die ganzheitliche Rehabilitation querschnittgelähmter Menschen. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung hat dem Lebenswerk und dem Menschen Zäch einen Dokumentar-Film gewidmet. Für Der-Querschnitt.de Anlass, die Visionen und Konzepte des Arztes vorzustellen, ohne den es die Schweizer Paraplegiker-Gruppe mit dem vorbildhaften Schweizer Paraplegiker-Zentrum, der Vereinigung und der Forschung in seiner heutigen Form vermutlich nicht gäbe.

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In den 60er-Jahren sah Zäch, so das Intro des Films, „viel Leid, untaugliche Behandlungsmethoden und gesellschaftliche Stigmatisierung.“  Junge querschnittgelähmte Menschen hätten oft mehrere Jahre im Krankenhaus verbracht, nur um danach in ein Altersheim oder eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung zu wechseln.

Der junge Arzt machte es sich zur Lebensaufgabe, für diese Menschen neue Perspektiven zu eröffnen, damit sie sich chancengleich wieder in die Gesellschaft und ins Berufsleben integrieren konnten.

1975 gründete er die Schweizer Paraplegiker-Stiftung, 1980 die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung als Selbsthilfeorganisation. Dabei musste er viele gesellschaftliche Widerstände überwinden und politische Hürden brechen. Zäch selbst beschreibt die Gründerjahre im Video mit recht klaren Worten. Es sei ein steter Kampf gegen die „üblichen helvetischen Killerkriterien“ gewesen: „Das haben wir schon immer so gemacht. Das haben wir nie so gemacht. Wenn da jeder käme!“ Beim Erzählen blitzen die Augen des Über-80-Jährigen: „Wir mussten lernen, alles im Gegenwind aufzubauen. Dabei merkten wir schnell, dass Gegenwind auch Stabilität gibt und wenn man das Höhenruder richtig setzt, sogar Aufwind.“

Viele Erwartungen auch in die Betroffenen

In dem 13 Minuten langen Video kommen ehemalige Patienten wie  Karl Emmenegger (Schweizer Querschnittgelähmter des Jahres 2020/2021), Manuela Schär (seit einem Unfall mit 9 Jahren querschnittgelähmt – heute eine der erfolgreichsten Rollstuhlathletinnen),  Heinz Frei (seit 1978 Paraplegiker, Pionier des Rollstuhlsports und einer der erfolgreichsten Sportler der Schweiz) und Julia Fischer (war bei ihrem Unfall im dritten Monaten schwanger, brachte ein halbes Jahr später ein gesundes Kind zur Welt) zu Wort, aber auch Mitarbeiter und Weggefährten wie Theo Basler (arbeitete fast 40 Jahre mit Zäch zusammen) und Michael Baumberger (Chefarzt Paraplegiologie und Rehabilitationsmedizin, seit 1994 am Schweizer Paraplegiker-Zentrum) zu Wort.

Sie schildern Zäch als Mensch, der „viele Erwartungen“ in die Patienten steckte und versuchte, ihnen möglichst viele Perspektiven zu eröffnen, „aber du musst es wollen!“. So habe er seinen Patienten geholfen, wieder in vielen „Bereichen des Lebens Fuß zu fassen. Mit den Händen.“ Denn das wichtigste sei ihnen geblieben: Ihr Hirn, das sie nun benutzen sollten, um zu schauen, was noch möglich ist – und nicht, um dem nachzutrauern, was nicht mehr möglich ist.

Charismatischer Impulsgeber

Auch von seinen Mitarbeitenden habe er viel gefordert. Sein Gedanke dahinter: Die Woche hat 168 Stunden, und der Patient leidet während dieser gesamten 168 Stunden – und keine halbe Stunde weniger.

Auch Veronika Geng, von 1990 bis 2006 am Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil tätig, heute bei der Manfred-Sauer-Stiftung Leiterin des Beratungszentrums für Ernährung und Verdauung Querschnittgelähmter, lernte Zäch als charismatischen Vorgesetzten und wichtigen Impulsgeber kennen. „Die Idee der ganzheitlichen Rehabilitation, wie sie auch Sir Ludwig Gutmann in Stoke Mandeville verfolgte, hatten sich alle in Nottwil zur Aufgabe gemacht. Im Fokus stand zu meiner Zeit und vermutlich auch heute noch immer der Patient oder die Patientin – und die Frage, was wir tun können, um ihnen nach der Reha bei uns einen bestmöglichen Start in ein neues Leben mit Querschnittlähmung zu ermöglichen.“

Zäch selbst hat dazu ein 3-Hülle-Modell entwickelt, das auf seiner Website auch grafisch dargestellt ist (siehe externer Link:  guidozaech.ch). Im Kern steht die medizinische Behandlung (Erstversorgung, Rehabilitation, aber auch klinische Forschung). Reintegration beginnt auf der Intensivstation. Als nächste Schicht wird die Lebensbegleitung genannt (Stichworte hier: Bewegung und Sport, Rechtsberatung, Ferien und Reisen, Hilfsmittelversorgung, Berufsbildung, Betreuung außerhalb des Krankenhauses). Ummantelt wird das Modell vom Gedanken der Sensibilisierung der Gesellschaft (Stichworte sind hier u.a. Gleichstellung, Verständnis, Sachkenntnis, Solidarität und Akzeptanz). 

„Hat es mich heute gebraucht?“

Noch heute, erzählt Geng im persönlichen Gespräch, stelle sie sich täglich die Frage, die Zäch ihr und dem gesamten Kollegium immer wieder stellte: „Hat es mich heute gebraucht?“. Das sei „eine starke Motivation, um im Alltag das Beste zu geben“.

Wieder fähig und motiviert sein, um im Alltag das Bestmögliche zu geben, darauf scheint auch die ganzheitliche Rehabilitation, wie sie Zäch vorschwebte, abzuzielen. „Menschen mit Behinderung haben eine klare Rolle in der Gesellschaft. Und die ist auch nicht anders als die der Nicht-Behinderten“, umreißt Chefarzt Baumberger die Aufgabenstellung im Video der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Ex-Patient Emmenegger formuliert es im Video etwas handfester: „Es ist eine Art Selbstmitleid, die einen in diesem Moment (des Unfalls, die Redaktion) prägt, und dann kommt er, packt dich, und holt dich aus der Sch… heraus.“

Um dem Ziel näher zu kommen, Betroffenen vom Eintritt der Querschnittlähmung bis zum Lebensende in allen Lebenssituationen die bestmögliche Unterstützung bieten zu können, wurde  1990 in Nottwil das Schweizer Paraplegiker-Zentrum eröffnet (siehe auch externer Link paraplegie.ch).

Auch hier setzte Zäch und sein Team neue Maßstäbe: 27 Rollstuhlfahrer waren permanent in der Baukommission vertreten, was, so wird es im Video betont, die Architektur entscheidend beeinflusste und dafür sorgte, dass in diesem ländlichen Teil der Schweiz ein Kompetenz- und Begegnungszentrum entstand, das heute Leuchtturmfunktion hat.

Der Kurzfilm über Guido A. Zäch ist einer der „Perspektivenfilme“ der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Mehr zu diesen Filmen und mehr Filme auf (externer Link) den Seiten der SPS.