„Mehr Platz zum gleichen Preis“ – Jan-Peter Börnsen über seine Kreuzfahrten

Jan-Peter Börnsen reist gern und viel. Als Jugendlicher verletzte er sich während des Sportunterrichts bei einem Trampolinunfall schwer und behielt eine hohe Querschnittlähmung zurück. Das hält ihn nicht davon ab, die Welt zu sehen. Für Der-Querschnitt.de sprach Nikola Hahn mit dem Globetrotter über seine Erfahrungen auf Kreuzfahrtschiffen.

Riesig: Jan-Peter Börnsen vor dem Luxusliner in Brügge

Der-Querschnitt.de: Herr Börnsen, wie viele Kreuzfahrten haben Sie schon unternommen?

Seit 2012 war ich dreimal unterwegs: Im Mittelmeerraum, im Norden zwischen Skandinavien und Russland und zuletzt auf der Fahrt „Die Metropolen im Norden Europas“: Hamburg, Southampton – Le Havre – Zeebrügge – Rotterdam – Hamburg. Dabei war ich zuerst skeptisch und dachte mehr so an eine Art „gesetztes Publikum“, aber die Gäste auf den Kreuzfahrtschiffen waren immer wild gemischt, eine gute Atmosphäre!

Der-Querschnitt.de: Was muss man beachten, wenn man als Tetraplegiker auf Kreuzfahrt gehen will?

Wunderhübsch: Honfleur in der Normandie

Auf jeden Fall sollte man früh genug buchen. Bei der Aida gibt es dafür spezielle Formulare. Hier kann ich auch sagen, dass alles immer völlig unkompliziert war und sich das Team sehr auf Rollstuhlfahrer einstellt. Ich reise ja z.B. auch mit Beatmungsgeräten, aber solange man selbst die Reise gut durchdacht und vorbereitet hat, ist es kein Problem. Das Team muss nur sicher sein können, dass auch auf längeren Routen ohne Landgang für alles gesorgt ist – der Kapitän hat schließlich die Verantwortung.

Der-Querschnitt.de: Wie bereiten Sie sich auf eine Kreuzfahrt vor?

Ich bin auch bei meiner letzten Kreuzfahrt im Sommer 2016 mit drei Assistenten, meiner Schwester und ihrer Familie unterwegs gewesen. Da habe ich natürlich viel Unterstützung. Die Auswahl des Schiffes ist immer nach den Reisezielen erfolgt. Selbstverständlich müssen die Ausrüstung und auch die Medikamente für die gesamte Reise gesichert sein. Und für die Zielhäfen sollte man sich die Möglichkeiten des Sightseeings überlegen. In Helsinki, Rom oder Monaco gibt es die sogenannten „roten Busse“, die barrierefrei zugänglich sind und Stadtrundfahrten anbieten. Ich habe aber auch schon mal im Vorfeld ein barrierefreies Auto in einem Hafen für mich gebucht.

Der-Querschnitt.de: Haben sich die Angebote in Sachen Barrierefreiheit weiterentwickelt?

Ich kann nur von Aida-Schiffen berichten, aber hier sind die Barrierefreiheit und der Komfort für Rollstuhlfahrer auf jeden Fall gestiegen. Inzwischen verfügen viele Kabinen über noch mehr Platz, breitere Türen ohne Schwellen; bei der Aida prima gingen die Türen zur barrierefreien Kabine sogar automatisch auf. Großes Bad, ebenerdige Dusche, ein schöner Balkon. – Großer Komfort und mehr Platz zum gleichen Preis, wie ihn Passagiere für andere Kabinen auch zahlen. Auf dem Schiff selbst gab es sonst keine Türen – alles war  zu erreichen.

Der-Querschnitt.de: Wie sieht es mit der medizinischen Versorgung an Bord aus?

Ein Arzt war auf den Aida-Schiffen immer da. Reisende mit Behinderung sollten sich zu Beginn der Reise bei ihm vorstellen – aber ich bin irgendwie nicht dazu gekommen. Es gab immer so viel zu sehen und zu machen!

Der-Querschnitt.de: Welche Reiseziele können Sie besonders empfehlen?

Honfleur in der Normandie ist sehr hübsch mit seiner alten Holzkirche und dem Hafen. Dort haben wir Station gemacht auf der Fahrt zu den Metropolen Europas. Brügge hat mir auch sehr gefallen, aber viel Kopfsteinpflaster! Rotterdam dagegen ist ziemlich rollstuhlgerecht. Da denkt man, das sei so eine dreckige Industriestadt, aber gar nicht – Rotterdam ist wirklich sehenswert. Insgesamt waren es alles schöne Reisen – jede auf ihre Art.

Vielen Dank für das Gespräch!

Für weiterführende Informationen zum Thema Kreuzfahrten mit Querschnittlähmung siehe Beitrag Barrierefreie Kreuzfahrten