Schlechtwettertraining: Handbike-Touren im Wohnzimmer

Bei miesem Wetter und in der Wintersaison können Handbiker auch zu Hause etwas für ihre Kondition tun – zum Beispiel mit einem Rollentrainer, wie er im Fahrradsport verwendet wird.  Wie das funktioniert, erklärt Malte Wittmershaus vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS).

Für Rennrollstuhl-Nutzer gibt es spezielle – und kostenintensive – Rollentrainer. Handbiker nutzen dagegen mitunter handelsübliche Rollentrainer für den Radsport.

Das Wirkprinzip von einfachen Rollentrainern ist recht simpel: Das Rad, das normalerweise auf dem Asphalt für Anschub sorgt, liegt auf Walzen auf: So kann der Handbiker ein ordentliches Trainingspensum zurücklegen, ohne sich einen Zentimeter vorwärts zu bewegen. „Viele Hobby-Handbiker trainieren bei Schmuddelwetter oder Kälte mit solchen Fahrrad-Rollentrainern“, sagt auf Anfrage der Pressesprecher des (externer Link) DRS, Malte Wittmershaus, „gerne auch mal abends vorm Fernseher.“ Die Trainingsmethode würden viele bereits aus der Reha kennen: „In der Sporttherapie wird das oft angeboten, um frisch Querschnittgelähmten den Handbike-Sport näherzubringen, ohne dass sie gleich mit einem Bike auf die Straße müssen.“

Preiswerte Alternative für zuhause

Im (neuen) Alltag wiederum nutzen viele Handbiker diese Möglichkeit, um sich fit zu halten. Gerade die einfachen Rollentrainer mit losen Rollen, die komplett ohne Strom und Internetzugang auskommen, seien eine „preiswerte Möglichkeit, regelmäßig etwas für seine Ausdauer zu tun“, sagt Wittmershaus.

Manche Handbiker trainieren im Winter mit Rollentrainern, die für den Radsport entwickelt wurden.
Für Rennrollstühle gibt es spezielle Rollentrainer.

Allerdings gilt wie in so vielen Bereichen des Lebens: Die eigenen Möglichkeiten und auch die Leidensfähigkeit der Mitbewohner und Nachbarn realistisch einschätzen! Wer nicht im Erdgeschoss wohnt, sollte eine Matte unterlegen, um nervige Störgeräusche zu minimieren. Zudem sollte auf die richtige Positionierung geachtet werden, eventuell ist es ratsam, beim Adaptivbike den Rollstuhl, beim Handbike die Hinterräder etwas höher zu stellen, um beim Training zu Hause die Position im Bike zu haben, die sich bereits beim Outdoor-Training bewährt hat. Zudem gilt: Für einen festen Stand sorgen und das Sportgerät möglichst gut fixieren! Und: Immer an die Schultern denken und diese vor Überlastung schützen (mehr zum Thema Schultergesundzeit z.B. im Beitrag Schulterproblematik bei Querschnittlähmung)

Für den gemeinen Straßen- und Wege-Handbiker können Rollentrainer also eine feine Schlechtwetter-Option sein. Profis oder Semi-Profis im Handbike, aber auch Fahrer von Rennrollstühlen, nutzen diese Möglichkeit seit Jahren – allerdings unter kontrollierten und für sie optimierten Bedingungen. So haben einige Paralympics-Stützpunkte Rollentrainer, die mit breiteren Rollen für Rennrollstühle ausgelegt sind, „das geht dann schon wirklich in den professionellen Bereich“, sagt Wittmershaus. Entsprechende Rollentrainer, die für Schnellfahrrollstühle konzipiert sind, bieten mehrere internationale Hersteller an, z.B. (externe Links):  dynolight-racing.co.uk,  invictusactive.com oder lte-breda.nl.

Für manuelle Rollstühle wird´s eng

Theoretisch ist es auch möglich, seinen manuellen Rollstuhl auf einen Rollentrainer zu stellen und auf der Stelle Kilometer zu machen. Hier dürfte es allerdings schwierig werden, auf dem freien Markt eine passende Variante zu finden. Häufig sind die Trainingsrollen gerade einmal 50 cm breit, wer hier trainieren will, muss den passenden Radabstand haben, seinen Rollstuhl optimal fixieren und sehr exakt und gleichmäßig fahren. Vereinzelt gibt es zwar spezielle Rollentrainer für manuelle und auch für Sportrollstühle. Diese sind jedoch für den Hausgebrauch recht teuer, so kostet ein (externer Link) Modell aus den USA mit Rampen über 900 Euro.

Die Alternative dazu: Man kennt einen Tüftler, der einem ein entsprechendes Trainingsgerät nach den eigenen Vorstellungen und optimiert für den individuellen Radabstand konstruiert. Wie ein solches Gerät aussehen könnte, stellte der MDR in einem Beitrag über Bastler Heinz Ketteler aus Bocholt vor, der einen Rollentrainer für Rollstuhlfahrer entwickelt und ihn zusätzlich mit Stöcken fürs Armtraining ausgestattet hat (siehe externer Link: Fitness für Rollstuhlfahrer | Einfach genial | MDR – YouTube). An dieser Stelle sei noch einmal an die Eigen-Verantwortlichkeit für die Schultergesundheit erinnert, verbunden mit dem Hinweis, vor etwaigen Selbst-Konstruktionsplänen  Rücksprache mit einem Experten (Arzt, Physiotherapeut) zu halten.

Die Frage, weshalb man sich mit seinem Rollstuhl nicht einfach auf ein handelsübliches Laufband stellen und vor sich hinfahren kann, beantwortet am besten jemand, der genau das schon einmal gemacht hat: „Die normalen Laufbänder sind sehr schmal, mein Rollstuhl passt da gerade mal so drauf. Es hat keine halbe Minute gedauert, und meine Räder haben sich das erste Mal an den Rändern verhakt.“ Außerdem, erzählt der Befragte weiter, „sind die Bänder auf ein ziemliches Tempo ausgelegt, da kommst du mit dem Rollstuhl nicht mit. Wer das ernsthaft machen wollte, müsste das Tempo deutlich drosseln“. Und noch ein Hinweis zur Sicherheit: Zum einen müsste der Rollstuhl auch hier in einer sicheren Position fixiert werden. Zum anderen gibt es vor Laufbändern meist keine Rampe, sondern eine Stufe. Wer eine unfreiwillige Pause machen muss, läuft Gefahr, vom Band rückwärts Richtung Stufe transportiert zu werden. Der finale Absturz sähe nur in einem Comic lustig aus, in der Realität kann er unangenehme Konsequenzen – Sturz, unkontrolliertes Wegkippen –haben.  


Eine weitere Möglichkeit, sich im Winter fit zu halten: Gymnastik speziell für Menschen im Rollstuhl. Das Fitnesscenter in der Manfred-Sauerstiftung hat einige Trainingseinheiten ausgearbeitet. Die Übungsvideos können auf dem YouTube-Kanal von Der-Querschnitt.de (Playlist: Zuhause fit bleiben!) abgerufen werden.


Dieser Text wurde mit größter Sorgfalt recherchiert und nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. Die genannten Produkte, Therapien oder Mittel stellen keine Empfehlung der Redaktion dar und ersetzen in keinem Fall eine Beratung oder fachliche Prüfung des Einzelfalls durch Fachspezialisten wie z. B. Ärzte oder Apotheker.

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