Gelesen: Handicap-Liebe mit Protagonist im Rollstuhl

Romane mit Protagonisten im Rollstuhl gibt es wenige. „Handicap-Liebe“ von Christiane Fischer ist eine neues Beispiel, das überraschende Einblicke in das ganz normale Leben von Menschen mit Querschnittlähmung bietet.

Aus dem Inhalt

Marie ist Nachwuchsredakteurin bei einer regionalen Zeitung. In einem Versuch sich als Enthüllungsjournalistin zu beweisen, gibt sie sich als Rollstuhlfahrerin aus und schmuggelt sich in das Mobilitätstrainingscamp des ehemaligen Spitzensportlers und inzwischen querschnittgelähmten Lars Franke ein. Bei dem Versuch Details über sein Privatleben zu erhalten, kommt Marie Lars emotional näher als geplant war. Doch nicht nur Maries Unaufrichtigkeit, sondern auch ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Vergangenheit, drohen die aufkeimende Beziehung zu torpedieren.

Wie realistisch ist die Darstellung der Querschnittlähmung?

Zwar kommt die Geschichte nicht ohne das eine oder andere Klischee aus, doch die Einblicke, die in die Mobilitätssituation von Rollstuhlfahrern, gegeben werden, sind sehr gut recherchiert und interessant für alle, die sich mit der Mobilität im Rollstuhl nicht auskennen – und Rollstuhlfahrer werden sich darin wieder finden können.

Dass das Rollstuhltraining zu kurz kommt, erleben u. U. Menschen, die krankheitsbedingt im Rollstuhl landen (z. B. Multiple Sklerose-Patienten) oder Rückenmarksverletzte, die im Schnelldurchgang durch die Reha gepeitscht wurden oder einfach länger brauchen, um sich an die neue Situation und die Anforderungen, die daraus entstehen, zu gewöhne. Für den Alltag ist die Fähigkeit mit dem Rollstuhl umgehen zu können aber essenziell wichtig. Und deshalb muss ein Extratraining her, im Buch angeboten durch Ex-Profisportler Lars. Wie kommt man möglichst kraftsparend voran? Wie transferiert man von A nach B? Wie überwindet man im Rollstuhl Treppen? Die Feinheiten werden im Detail erörtert, sodass klar wird, dass die Autorin bei Leuten nachgefragt hat, die sich mit so etwas auskennen.

Wie liest es sich?

„Handicap-Liebe“ liest sich an ein, zwei Abenden locker weg. Die Protagonistin ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, doch der Held ist jemand, der sich nach Eintritt einer Querschnittlähmung neu erfunden hat und von dem man annehmen mag, dass sein Leben nach diesem einschneidenden Erlebnis ebenso erfolgreich und glücklich ist, wie zuvor. Nur anders eben. Und eben im Rollstuhl.

Zu einer vom Verlag zur Verfügung gestellten Leseprobe geht es hier.

Das Buch

  • Handicap-Liebe
  • Von: Christiane Fischer
  • Seiten: ca. 280
  • ISBN: 978-3-96174-096-3
  • Preis: ca. 12 Euro (Stand: Nov. 2021)

Für weitere Beispiele für Romane, in denen die Protagonisten querschnittgelähmt sind, siehe: Lesestoff : Zwölf Bücher mit Romanfiguren mit Querschnittlähmung