Vom Olympischen Sportbund zum Verein um die Ecke: Struktur des Behindertensports in Deutschland

Rollstuhl- und Para-Sport macht Spaß. Auch allein. Schon klar. Aber wer im Verein aktiv sein oder sich im Wettkampf mit anderen messen will, braucht Strukturen und Organisationen. Der-Querschnitt.de stellt die wichtigsten Verbände vor – der Fokus liegt auf Sportarten und Organisationen, die für Menschen mit Querschnittlähmung interessant sein könnten.

Spitzensportler und Freizeitsportler mit Behinderung profitieren von denselben Organisationsstrukturen.

1. Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)

Fangen wir ganz oben an, sozusagen im (Achtung: Wortspiel!) Olymp: Beim Deutschen Olympischen Sportbund. Der DOSB bezeichnet sich selbst recht selbstbewusst – und vermutlich zu Recht – als „größte Bürgerbewegung Deutschlands“. Ein Blick auf die Struktur des DOSB macht klar, was damit gemeint ist. Ihm gehören 100 Mitgliedsorganisationen an: 16 Landessportbünde, 66 Spitzensportverbände (davon 38 Fachverbände für olympische und 28 für nicht-olympische Sportarten) sowie 18 Verbände mit besonderen Aufgaben.  Diese 100 Organisationen wiederum vertreten 90.000 Turn- und Sportvereine mit über 27 Millionen Mitgliedschaften.

2. Deutscher Behindertensportverband (DBS) – National Paralympic Committee Germany

Einer der 28 nicht-olympischen Fachverbände innerhalb des DOSB ist der Deutsche Behindertensportverband. Er ist – wie der Name unschwer erkennen lässt – zuständig für den Sport von Menschen mit Behinderungen. Und zwar in seiner ganzen Bandbreite. Der DBS sieht sich als „Kompetenzträger für den Breiten-, Präventions- und Leistungssport von Menschen mit Behinderung sowie für den Rehabilitationssport“. 

Seine Ziele: Bessere Rahmenbedingen für den Behindertensport, Gleichstellung innerhalb der Gesellschaft und auf internationaler Ebene doping- und manipulationsfreie Erfolge. Letzteres weist auf eine weitere Funktion des DBS hin: Der Verband ist auch das Nationale Paralympische Komitee Deutschlands (national paralympic committee, NPC) und damit seinerseits Mitglied im Internationalen Paralympischen Komitee (IPC). In dieser Funktion ist der DBS verantwortlich für die Nominierung und Entsendung des Team Deutschland Paralympics zu den Spielen und vertritt die Interessen der Sportler. Für Medaillenhoffnungen hat der Verband drei Förderprogramme (externe Links): Das Eliteprogramm Paralympicskader (PAK), den Perspektivkader (PK) und die Nachwuchs-Eliteförderung.

Nun ist nicht jeder zum Paralympioniken berufen. Weshalb der DBS sich neben dem Leistungssport auch dem Breitensport widmet, unter anderem durch die Vergabe des Deutschen Sportabzeichens für Menschen mit Behinderung.

Alle relevanten Sportarten, z.B. Paralympisches wie Rollstuhlbasketball, Para Boccia, Rollstuhltennis oder Para Tischtennis sind beim DBS mit einer eigenen Abteilung repräsentiert, genauso wie nicht-paralympische Sportarten wie Para Kegeln, Powerchair Hockey oder Rollstuhltanzen. Insgesamt vertritt der DBS die Interessen von ca. 6.600 Vereinen mit nahezu 600.000 Mitgliedern.

Ein Blick auf die Timeline zeigt die wachsende Bedeutung des Behindertensports in Deutschland.

Unter dem Dach des DBS haben sich 20 Organisationen als ordentliche Mitglieder zusammengeschlossen:  Die Deutsche Behindertensportjugend (DBSJ), die Landesbehindertensportverbände sowie 2 Fachverbände. Darüber hinaus gibt es weitere 7 Organisationen, die als außerordentliche Mitglieder fungieren, z.B. der Deutsch-Türkische Verein zur Förderung des Behindertensports.

3. Deutscher Rollstuhl-Sportverband e.V. (DRS)

Der DRS ist einer der beiden Fachverbände, die sich überregional im DBS engagieren. Er vertritt über 9.000 Rollstuhlnutzer, die in einem der mehr als 330 Vereinen des DRS Mitglied sind. Zum Angebot des DRS gehören mittlerweile 34 Sportarten, die bundesweit in Fachbereichen und Arbeitsgemeinschaften organisiert sind. Für jede DRS-Sportart gibt es einen Fachbereichsleiter, der als bundesweiter Ansprechpartner fungiert und z.B. hilft, den richtigen Verein zu finden. Einen Überblick über die DRS-Sportarten und die jeweiligen Ansprechpartner gibt es hier (externer Link): Sportarten | drs.org.

Der DRS fördert den Rollstuhl-Sport auf breiter Basis – als Sport in der Rehabilitation, Breiten- bzw. Freizeitsport sowie als Wettkampf- und Leistungssport. Darüber hinaus setzt er sich u.a. für die Öffnung des Rollstuhlsports für Menschen ohne Behinderung, die Förderung des Inklusionsgedankens und den Abbau von Barrieren ein. Zudem veranstaltet er Lehrgänge und Wettkämpfe.

Auf regionaler Ebene wird der DRS durch die Rollstuhlsportfachwarte der Länder unterstützt, die kooperativ mit dem jeweiligen DBS-Landesverband zusammenarbeiten.

4. Landesbehindertensportverbände

Jedes Bundesland hat einen eigenen Landesbehindertensportverband – Baden-Württemberg sogar zwei: Einen für Baden, einen für Württemberg. Die 17 Landesverbände widmen sich dem Leistungs- und dem Breitensport, bieten Aus- und Weiterbildungen an und initiieren Projekte, z.B. zur Nachwuchsförderung und zur Abschaffung von gesellschaftlichen Barrieren im Sport.

Die Landesverbände im Behindertensport auf einen Blick

5. Sportvereine auf lokaler Ebene

Alle oben genannten Organisationen und Verbände wollen den Sport nicht nur in der Theorie fördern, sondern auch in der Praxis. Deshalb finden sich auf den jeweiligen Seiten Portraits von Sportarten und Sportlern, aber auch Beratungstools, um den richtigen Sport für sich zu finden (z.B. die Aktion Starte Deinen Weg in den Parasport). Der DRS bietet neben Ansprechpartner für die jeweiligen Sportarten auch eine (externer Link) interaktive Vereinslandkarte an, mit der Menschen mit Querschnittlähmung und andere Rollstuhlfahrer den passenden Verein in Wohnort-Nähe finden können.

6. Der innere Schweinehund

Die unterste und vermutlich zugleich größte Instanz, wenn es um die Frage geht, ob und welchen Sport man treiben will oder nicht. Adresse dürfte bekannt sein: Einfach Kontakt aufnehmen und sportliche Ambitionen in die Tat umsetzen.