Barrierefreier häuslicher Arbeitsplatz

Unter dem Oberbegriff „Wohnen“ soll an dieser Stelle auf mögliche Hilfen und Umbauten zur barrierefreien Gestaltung des häuslichen Arbeitsplatzes eingegangen werden. Dazu zählen verstellbare Möbel, aber auch Kommunikationshilfen und Computerhilfsmittel, die den Arbeitsalltag zuhause erleichtern bzw. erst möglich machen.

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Höhenverstellbar, unterfahrbar, erreichbar

Bei der Planung eines individuell optimalen Arbeitsplatzes beeinflusst der bei Rollstuhlfahrern eingeschränkte Greifraum die Konzeption entscheidend mit: Er liegt im Bereich zwischen 0,38 m bis 1,40 m über dem Boden. Alle Bereiche darunter oder darüber können vom Rollstuhl aus häufig nicht mehr bequem erreicht werden. Wie alle Maßangaben sind dies allerdings lediglich Richtwerte, die individuell abgeglichen werden sollten.

Arbeitstische müssen mit dem Rollstuhl unterfahrbar sein. Die Richtwerte hierfür betragen:

  • Breite: mindestens 0,90 m
  • Tiefe: mindestens 0,55 m
  • Lichte Höhe: ca. 0,70 m

Stufenlos in der Höhe verstellbare Tische haben zum Teil auch Tischplatten mit Hubmöglichkeit, die sich nach Bedarf neigen lassen. Die Höhenverstellung kann je nach Modell manuell oder – bei eingeschränkter Mobilität oder Kraft – elektrisch erfolgen. Wer Platz sparen möchte, findet im Fachhandel Aktenschränke mit ebenfalls höhenverstellbaren Schreibtischflächen, die flexibel ein- und ausklappbar sind. Fächer mit Platz für Aktenordner oder andere Arbeitsmaterialien können bei einigen Ausführungen elektrisch in die gewünschte Zugriffshöhe gefahren werden.

Denselben Mechanismus bieten auch Regale mit elektrisch verstellbaren Elementen. Dazu können die unteren Fächer auf Rollen herausgezogen und die oberen in die passende Höhe gebracht werden. So bleibt der Schrank komplett nutzbar und das Rollelement kann später wieder integriert werden. Eine ähnliche Vorrichtung bieten Regale, deren Fächer sich nach hinten schieben lassen, um die oberen Ablageflächen elektrisch runterfahren zu können. Damit ist zwar nicht die ganze Schranktiefe nutzbar, aber man spart sich das Ausgliedern unterer Regalteile.

Computer & Co

Tastatur:

  • SH-11238490-pryzmat-kleinIst die Fingerfunktion von einer Querschnittlähmung mitbetroffen bzw. besteht eine Spastik, kann der Austausch einer herkömmlichen Tastatur gegen eine Großfeldtastatur oder Einhandtastatur hilfreich sein.
  • Bei der Großfeldtastatur liegen die Tasten nicht nur weiter auseinander, sie heben sich auch deutlich voneinander ab und sind daher mit weniger präzisen Bewegungen leichter zu bedienen.
  • Eine Einhandtastatur kann in der Anordnung ihrer Tasten auf den Nutzer und seine Handfunktion angepasst werden. Soll sie weiterhin auch von Personen ohne Einschränkungen genutzt werden, gibt es Modelle, bei denen nur einzelne Tasten nach links verschoben sind, um eine einhändige Bedienung zu erleichtern.
  • Personen mit eingeschränktem Bewegungsradius der Arme finden möglicherweise in einer kompakten Kleinfeldtastatur eine geeignete Alternative.
  • Eine Handballenauflage kann die Stabilität der Hand unterstützen.
  • Das Fingerführraster soll verhindern, dass bei unpräzisen Bewegungen mehrere Tasten versehentlich gleichzeitig gedrückt werden. Es liegt als Abdeckplatte auf der Tastatur, rastet in den Zwischenräumen und lässt den Finger durch seine Struktur über der Taste einsinken.

Maus-Ersatz:

  • Die „Kopf-Maus“ wandelt Bewegungen des Kopfes in Mausbefehle um. Dazu kommuniziert das Gerät (Trackball) mit einem kleinen Reflexionspunkt, der an der Stirn oder an der Brille angebracht wird.
  • Mithilfe einer speziellen Software (Enable-viacam, camera maus 2010) kann die Maus auch ohne Reflexionspunkt über eine Webcam gesteuert werden.
  • Anstatt einer Maus kann zur besseren Griffigkeit ein Joystick zur Steuerung des Cursors dienen.

Augensteuerung über Bildschirmtastatur:

Alle Maus- und Tastaturbefehle können inzwischen präzise auch über Bewegungen der Augen in Aktionen auf dem Bildschirm umgesetzt werden. Dazu erfasst das Gerät (z. B. Tobii P10) die Pupillenbewegungen des Nutzers per Infrarotlicht und integrierter Kamera und erkennt Befehle, wie etwa das Verharren des Blicks auf einem Buchstaben, der auf diese Weise ausgewählt werden kann. So lassen sich ganze Texte schreiben und E-Mails verschicken. Eine Brille, Kontaktlinsen, sich ändernde Lichtverhältnisse oder unwillkürliche Kopfbewegungen sollen die Funktion des Systems nicht beeinträchtigen.

Steuerung über Spracherkennung:

Das können Computer mit der entsprechenden Software immer besser: Zuhören und Befehle umsetzen. So braucht eine komplette PC-Steuerung per Spracherkennung zwar eine gewisse Einarbeitung, aber ein gutes Programm passt sich dem Anwender ebenfalls an und „versteht“ ihn zunehmend leichter.

Umfeldsteuerung

Weitere Funktionen im Raum, wie Licht, Rollos oder Telefon und mehr, können im Rahmen der sogenannten Umfeldsteuerung, ebenfalls ganz auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt, per Hand oder Kopfbewegung, über Spracheingabe oder Augenbewegungen gesteuert werden.

Siehe: Umweltkontrolle in der eigenen Wohnung

 

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